Konǝc

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Autor: Aleš Podbrežnik

Interpret: Bučar, Rudi
Label: Celinka
Erschienen: 2015
Laufzeit: 67:26
Wertung: 4/5

Rudi Bučar ist jener slowenische Musik-Künstler, Komponist, Singer-Songwriter, Sänger und Multiinstrumentalist, der im farbenfrohen Mosaik der slowenischen Musik als Bindeglied zwischen der istrischen Musiktradition und seinem eigenen schöpferischen Ideenreichtum gilt. Damit zählt er ohne Zweifel zu den absoluten Sonderlingen, was die musikalische Kunst in Slowenien betrifft. Und auch diesmal ist es nicht anders.

Rudi kehrt auf die Bühne zurück und verwöhnt das Publikum auf äušerst großzügige Weise. Gleich mit einem Doppelalbum. Die erste Scheibe des neuen Werks »Konǝc « ist eigentlich das neue Studioalbum mit acht Songs, an das im Anschluss noch Mitschnitte einiger bereits bewährter und beliebter Konzert-Highlights Rudis in Begleitung der Band Istrabend angehängt sind. Auf der zweiten Scheibe finden sich zehn a-cappella-Aufnahmen, die bis auf zwei Eigenkompositionen allesamt Bearbeitungen traditioneller istrischer Volksweisen sind. Die Stücke auf der zweiten Scheibe erschienen bereits 2014 auf dem Album »Kantajmo«, eingespielt vom Ensemble Kvartet 7 Plus.

Wenn man »Konǝc« im engeren Sinne betrachtet, also die erste Scheibe, lässt sich leicht erkennen, dass Bučar seiner musikalischen Vision treu bleibt, die er in der Vergangenheit verfolgte. Der Mann hat sich eine Instrumentalbegleitung zusammengestellt, die von einem Ensemble ausgezeichneter Instrumentalisten getragen wird.  Das schleudert dich schnurstracks in die Weiten der Karstbora, mit starken Farbkontrasten, Düften und Geschmäckern, die nur das Mittelmeer erzeugen kann – und dafür sorgt Bučar in erster Linie durch den Einsatz des istrischen Dialekts in den Texten sowie durch Vokalharmonien in chorischer Manier. So klingt bereits die Eröffnung des Albums. Strikt istrisch. Auf dem neuen Album wirkt Bučar geradezu noch verbissener in die Wurzeln seiner Vorfahren und seines Heimatbodens vertieft. Darauf macht sofort der Eröffnungssong Sen znala jes aufmerksam. Um es bewusst überspitzt auszudrücken: Bučar gelingt es weiterhin mit einzigartigem Charme, traditionellen Volksmelos mit der Singer-Songwriter-Anziehungskraft persönlicher Bekenntnislyrik zu vereinen, und bleibt dabei eine echte »istrische Nachtigall«.

Das Album ist bei den einzelnen Tracks schön ausbalanciert und wechselt zwischen Momenten ab, in denen die traditionelle Seite des istrischen Volksmelos den dominanten Brennpunkt der Aussage bildet, und Momenten, in denen diese in den Hintergrund tritt und anderen Stilrichtungen Platz macht. In diesen Momenten singt Bučar auf der Scheibe auch ohne Dialekt.  Einer dieser Momente ist der Song Ti, in dem Bučar in echter, intim-bekenntnishafter Emotion glänzt – das Stück ist kontrastreich und mit überlegener Hand mit Blues- und Gospel-Elementen durchflochten. In diesem Song fehlt auch das entschlossene Stöhnen der E-Gitarre in der mittleren Instrumentalpassage nicht und verleiht dem Song eine besondere Würze. Es ist einer der stärksten Tracks persönlich-bekenntnishaften Charakters, der mit seiner starken musikalischen Form mühelos häufige Rotation in Radiosendern verdient. Der Übergang zwischen Strophe und Refrain vollzieht eine meisterliche Steigerung, was das Hinübergleiten der packenden Stimmungen betrifft. Das Tüpfelchen auf dem i setzen in diesem Song auch die orchestralen Arrangements (Streicher). An Ti schließt sich vom verwandten bekenntnishaften Herzschlag her Dam ti jutra an. Drugačna ist ein schelmisch zugeschnittenes Stück aus leichteren, organisch klingenden Pastelltönen, in das sich auch ein Hauch Country-Musik einschleicht.

Bučar beweist unglaublichen Mut, wenn er auf dem Album das Sentiment der mediterranen Küstentradition zurückbringt und das Akkordeon wieder aufklingt – denn er wagt sich an eine Neuinterpretation des berüchtigten Bandiera Rossa. In diesen seltsamen, finsteren Zeiten muss man schon ziemlich mutig sein, um »es lebe der Sozialismus« zu singen. Aber Hand aufs Herz: Der Text dieses Songs ist heute aktueller denn je. Die kluge Version schließt sogar einen kleinen kosmetischen Einschub eines traditionellen russischen Motivs ein.  Izola kokettiert mit den Wurzeln der italienischen Kabarettchanson und ist dem Fußballverein aus Izola gewidmet. Šaltinka ist ein ganz besonderes Highlight des Albums. Eigentlich verkörpert bereits dieses eine Stück alles zuvor Geschriebene. Alles an einem einzigen Ort vereint. Eigentlich das gesamte musikalische Dossier von Rudi Bučar als Künstler. Der Song besitzt einen rundum ansteckenden musikalischen Wert und handelt sogar mit Balkan-Rhythmen – neben den sonstigen istrischen Sympathien und dem Kabarettflair. Šaltinka liefert dem Album eine außerordentlich energiegeladene Würze und präsentiert Bučar auf die schönst mögliche Art: als Künstler, der eine eigene Formel entwickelt hat, die Werte des traditionellen istrischen Volksmelos mit allgemein zugänglichem musikalischen (genrebekanntem) Material zu verbinden. Daher ist es kein Wunder, dass Bučar sich mit diesem Song auch beim diesjährigen EMI präsentiert hat und damit ins Finale des Wettbewerbs eingezogen ist.   

Rudi Bučar bleibt auch mit dem Album »Konǝc« ein absoluter musikalischer Sonderling im slowenischen Musikraum, der nicht aufhört zu begeistern, indem er traditionellen Melos mit feiner Hand in sein ganz eigenes persönlich-künstlerisches Dossier überführt. Wenn ich noch die Tatsache einwerfe, dass er in den letzten Jahren die ersten Plätze aller bedeutendsten slowenischen Festivals für populäre Musik abgeräumt hat, ist klar, dass es sich um einen Künstler handelt, dem es gelingt, echten Kontakt zu seinen Zuhörern herzustellen. Das Geflecht außergewöhnlicher Leidenschaften und Emotionen zeichnet eine lebendige Geschichte über eine unberührte Landschaft aus Meer und Sonne und ihren Bewohnern – weit, weit jenseits einer Welt ohne, die längst den Glauben und die Gestalt verloren hat. Diese Welt lebt und brodelt aufrichtig im Herzen dieses Künstlers, deshalb ist das Album »Konǝc« ein einzigartiges Ticket in eine besondere Welt, die mit ihrer echten Bekenntnishaftigkeit Stück für Stück die Seele des Zuhörers wachrüttelt und sie unwiederbringlich verzaubert.

Besetzung

Rudi Bučar – Gesang, Gitarre, Klavier
Janez Dovč – Akkordeon
Goran Krmac – Tuba
Mitja Bobič – Trompete, Perkussion, Hintergrundgesang
David Morgan – Schlagzeug, Perkussion
Boštjan Grabnar – Keyboards, Akkordeon, Hintergrundgesang
Robert Pikl – Gitarre, Charango, Hintergrundgesang
Anže Langus Petrovič – Bassgitarre, Bouzouki, Hintergrundgesang
Jure Rozman – Schlagzeug, Perkussion, Hintergrundgesang

Frfačele – Gesang
Vicinke – Hintergrundgesang 
Zdenko Cotič – Gitarre
Marcel Marinšek – Akkordeon
Klemen Krajnc –  Kontrabass
Tomi Purič – Schlagzeug 
Giovanni Toffoloni – Bassgitarre
Aleš Uranjek – Schlagzeug
Marino Legovič – Klavier, Hammond-Orgel
Ivana Čebraja – Hintergrundgesang
Jadranka Krištof – Hintergrundgesang
Goran Farkaš – istrische Duda
Lean Kozlar Luigi – Hintergrundgesang 
Tomaž Boškin – Hintergrundgesang
Simfonični orkester RTV Slovenija 

Produktion

Gaber Radojevič

Tracklist

CD1.:
1. Sen znala jes
2. Drugačna
3. Ti
4. Bandiera rossa
5. Dam ti jutra
6. Ištrijanski maraton
7. Izola
8. Šaltinka
Rudi Bučar & Istrabend (live)
9. 3×7
10. Bella istriana mia
11. Mama Piero me toca
12. Dajte, dajte
13. Mammamia dammi cento lire

CD2.:
1. Oljki
2. 3×7
3. In mezzo al mare
4. Medežija
5. Sulla riva del mare
6. Trajnaninanena
7. Mula jole
8. Kemu si dala rožice
9. Noi volemo
10. Zmeron moja

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