Earthrage

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Autor: Aleš Podbrežnik

Künstler: W.E.T.
Label: Frontiers Records
Veröffentlichung: 2018
Laufzeit: 43:50
Bewertung: 4/5

W.E.T. ist die musikalische Geschichte dreier außergewöhnlicher Musiker. Das Kürzel des Gruppennamens leitet sich entweder von den Stammbands (Work Of Art »W«, Eclipse »E«) oder von den Bands ab, in denen die Musiker, die das Projekt W.E.T. vertreten, einst aktiv waren (Talisman »T«).

Also. Fünf Jahre sind seit dem Vorgänger »Rise Up,« vergangen – hier ist sein Nachfolger »Earthrage«. Da zwei Drittel dieses Projekts Erik Mårtensson und Robert  Säll sind, also schwedische Musiker, ist auch das neue W.E.T.-Album »Earthrage« eine außerordentliche Leistung des »AOR- und Melodic-Rock-Revivalismus«, geknetet nach dem  »Rezept« der verfeinerten Schule des vollendeten klanglichen und kompositorischen Perfektionismus, wie ihn das skandinavische Ende Europas seit Jahren liefern kann. Das Tüpfelchen auf dem »i« ist der außergewöhnliche Gesang des Amerikaners Jeff Scott Soto, der auf wundersame Weise Zeit auch für das neue W.E.T.-Album gefunden hat. Er ist nämlich ständig in eine Vielzahl anderer Projekte eingebunden (Soloalbum, Sons Of Apollo, Projekt S.O.T.O,…). Nun, auch Säll und Mårtensson sind dabei keine »Heiligen« und  haben ebenfalls extrem vollgestopfte Terminkalender. Wenn nicht anderes, sind die Studios, in denen sie für ihre Auftraggeber neue Alben aufnehmen, ständig voll belegt.

»Earthrage« ist, angesichts dessen, dass die genannten Musiker kaum noch anständig Zeit zum Schaffen finden, eine außerordentlich hochwertige Leistung, die stolz neben dem brillanten Vorgänger »Rise Up« steht. Es kennt keinen künstlerischen Einbruch und bietet von Anfang bis Ende seiner Laufzeit eine hochwertige Konsistenz. In produktionstechnischer Hinsicht ist sein Klang eher dem Sound der Eclipse-Alben angenähert, obwohl W.E.T. deutlich stärker AOR-gefärbt sind als Eclipse, was das Bild des Albums »Earthrage« dem Werk von Work Of Art annähert.

Hier ist nicht nur Routine und Erfahrung am Werk. Sie spielen natürlich eine überaus wichtige Rolle, doch am Ende entscheidet das Talent, als Verkörperung dieses außergewöhnlichen Teams hinter dem Namen W.E.T. Weder kompositorisch noch interpretatorisch lässt das Album »Earthrage« nach und spricht den Hörer von Anfang bis Ende mit außerordentlicher kreativer Perfektion an!  Das Team hat das Erbe der AOR-Musik der Achtziger wieder einmal äußerst geschickt in seinen Revivalismus verpackt, im Einklang mit den modischen Produktionsmitteln der neuen Zeit. Die Gitarren also greifen entschlossen zu und dominieren den Sound, Soto brilliert mit seinem dominanten, durch und durch markanten, prägenden und hochgradig ansteckenden, leicht rauen, aber unglaublich durchdringenden Gesang. Sein Gesang ist in den Refrains reichhaltiger mit Vokalmelodien harmonisiert, wo alle Songs ihren Stimmungshöhepunkt erreichen und den Hörer sofort an den Ohren packen (ein alter Trick also). Das eröffnende Watch The Fire ist gleich zu Beginn ein Beispiel für das äußerst geschickte Entleihen des AOR-Pioniergeistes der Achtziger. Etwas, das Robert Säll mit spielerischer Leichtigkeit beherrscht – und angesichts des verfeinerten Feingefühls, das er zusammen mit Mårtensson besitzt, war es kein Problem, ein Dutzend neuer, atmosphärisch bombastischer Zertrümmerer zu erschaffen, die auf dem neuen W.E.T.-Album einen nach dem anderen einschlagen (besonders verführerisch sind die Refrains von Urgent und Calling Out Your Name). Eure Favoriten sucht ihr euch diesmal selbst aus – das Album ist aber wie gemacht für alle, die eine breite Palette skandinavischer Hard-Rock-Bands hören, vor allem aber für alle, die dem AOR/West-Coast-Prinzip der Achtziger zugetan sind, das sich heute eben perfekt im skandinavischen Zugang zu diesem Genre widerspiegelt.

»Earthrage« gilt bereits bei seinem Erscheinen als eines der besten Alben der Oldschool-AOR-Wiederbelebung, die in diesem  Jahr veröffentlicht wurden. Ein neues Glanzstück des melodischen Rock-Revivalismus, das die außerordentliche Qualität aufrechterhält, die mit den Vorgängern »W.E.T.«  (2009) und »Rise Up« (2013) vorgegeben wurde. Soto, Mårtensson und Säll bleiben also eine sorgfältig geölte kreative Maschine, die nicht nachlässt!   

Besetzung

Jeff Scott Soto – Gesang
Erik Mårtensson – Gitarre, Bass, Keyboards, Gesang
Robert Säll – Keyboards, Gitarre
Robban Bäck – Schlagzeug
Magnus Henriksson – Gitarre, Gitarrensoli

Produktion

Erik Mårtensson & Robert Sä

Trackliste

01. Watch The Fire
02. Burn
03. Kings On Thunder Road
04. Elegantly Wasted
05. Urgent
06. Dangerous
07. Calling Out Your Name
08. Heart Is On The Line
09. I Don’t Wanna Play That Game
10. The Burning Pain Of Love
11. The Never-Ending Retraceable Dream

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