Planets

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Autor: Peter Podbrežnik

Interpret: Eloy
Label: EMI Records
Veröffentlichung: 1981
Bewertung: 4.5/5

Die deutschen Space-Rock-Champions Eloy hatten zu Beginn der 80er mehr als genug Gründe, zufrieden zu sein. Das exzellente „Colours“ (1980) war das Album, mit dem sie sehr erfolgreich in die 80er starteten, ohne dafür ihren unverwechselbaren Sound radikal umkrempeln zu müssen, wie es bei den meisten ihrer Zeitgenossen fast schon üblich war. Mit dem noch ambitionierteren Album „Planets“ stellten Eloy dann den Großteil ihrer Zeitgenossen in den Schatten, die nach dem Ende der 70er in Sachen Experimentierfreude, Komplexität und Innovation ziemlich kritische Zeiten durchmachten. Neben dem Umstand, dass es Eloy gelang, ihren markanten Sound mit modernen Keyboards zusätzlich zu veredeln, schaffte es Sänger/Gitarrist und unangefochtener Chef der Band Frank Bornemann, eine stabile Besetzung um sich zu halten, unverändert seit dem letzten Album. Auf „Planets“ spürt man durchgehend die herausragende Chemie, die in dieser Version der Band funktionierte. Und Frank hielt seine epischen Science-Fiction-Visionen nicht nur über die Musik, sondern auch über die Poesie weiterhin erfolgreich am Leben.

„Planets“ ist der erste Teil eines zweigeteilten Science-Fiction-Konzepts, das von einem mehrere Jahrtausende währenden intergalaktischen Krieg zwischen dem Volk der Ikareens, den ursprünglichen Bewohnern des Planeten Salta, und ihren dämonischen Feinden erzählt. Der Konflikt spielt sich, wie es sich gehört, in einer fernen Galaxie ab, irgendwo außerhalb des bekannten Raums und der bekannten Zeit. Man könnte sagen, es ist also wieder mal die klassische Geschichte vom langwierigen Kampf zwischen Gut und Böse, in dem das Gute am Ende natürlich triumphiert. Das offenbart sich im zweiten, abschließenden Teil des Konzepts, der sich auf dem nächsten, untrennbar damit verbundenen Album „Time To Turn“ (1982) findet. Beide verbindet ein konzeptionelles und klangliches Band, denn Eloy wollten „Planets“ ursprünglich als Doppelalbum veröffentlichen, mussten diese für die damalige Zeit ziemlich ehrgeizige Idee aber am Ende fallen lassen, weil die Plattenfirma EMI Druck machte und sich krampfhaft an die Tatsache klammerte, dass Doppelkonzeptalben damals schon seit Jahren ziemlich unpopulär waren. Trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen, sind beide Alben großartig und zählen zu ihren beliebtesten Werken, die auch nach etlichen Jahren nicht aufhören zu begeistern mit ihrer geheimnisvollen, futuristischen Magie. Der erste Teil ist in jeder Kunstform, ob Buch, Film oder Platte, meist der süßere, und das gilt auch für „Planets“, das alle beliebten Klangelemente der Band und die Musiktechnologie jener Zeit in fast perfekter Harmonie vereint.

Den Sound von „Planets“ prägt vor allem der breite Einsatz (für damalige Verhältnisse) moderner Synthesizer und, indirekt, die Erzeugung sinfonischer Orchesterarrangements, die für diese esoterische, man könnte fast sagen kosmische Stimmung sorgen. Die Orchesterarrangements aus der Feder von Hannes Folberth haben ein noch besseres Spektrum erreicht als bisher. Das Wechselspiel aus energischem Gitarrenriffing und gelegentlichen zweistimmigen Gitarrenharmonien zwischen Frank und dem zusätzlichen Gitarristen Hannes Arkona beweist dagegen, dass diese Band immer auch ordentlich Feuer unterm Hintern machen und ihren Sound in härtere Gewässer lenken konnte, wenn es nötig war. Auch gastierende weibliche Backing-Vocals fehlen nicht. Man könnte sogar sagen, dass einige Passagen dieses Albums in vielem die Entwicklung des sogenannten Space Metal beeinflusst haben, wie ihn viele Jahre später der Niederländer Anthony A. Lucassen mit seiner Band Ayreon und dem Seitenprojekt Star One zu machen begann. Eine Band, die in den 70ern nie zu den großen Innovatoren im Progressive Rock zählte und auch nicht als besonders einflussreich auf andere Acts galt, wurde in den 80ern zu einem der Schlüsselakteure bei der Modernisierung und Verfeinerung des Genres, und zwar ohne die unerwünschte Beimischung der damaligen kommerziellen Musiktrends. Die Stimmung des Albums ist durchgehend mit futuristischem Flair aufgeladen. Bis dahin waren Eloy schon alte Hasen darin, musikalische und lyrische Konzepte beim Erzählen von Science-Fiction-Geschichten erfolgreich zu verbinden. Der britische Drummer Jim McGillivray hat sie mit den Texten in seiner Muttersprache auf diesem Gebiet sicher um eine ganze Qualitätsklasse nach oben gebracht, und Eloy hatten damals bestimmt die besten Texte aller deutschen Rockbands, besonders wenn es ums Erzählen epischer (futuristischer) Geschichten ging.

Was wäre das auch für eine Science-Fiction-Geschichte, wenn sie nicht ein kurzes Intro hätte? „Introduction“ zeichnet sich durch eine bunte Palette an Synthesizern aus, die eine ätherische Atmosphäre verströmen und die Hörer zu einer Reise in eine ferne Galaxie einladen, wo der ewige Kampf zwischen Gut und Böse tobt. Hannes Folberth hat sein Synthesizer-Arsenal noch weiter ausgebaut und damit auch die Zahl der atmosphärischen Klangvorhänge. „On The Verge Of Darkening Lights“ enthält alle typischen Eloy-Elemente: atmosphärische Keyboards über energischem Gitarrenriffing, zahlreichen Drum-Übergängen und natürlich Franks „bereichertem“ Gesang, mit Akzent. Die Instrumentalpassagen dazwischen, oft ambient dank der breiten Keyboard-Klangkulissen, fließen schön ineinander über. Der meisterhafte, melancholische Übergang vor dem zweiten Abschnitt ist ausgesprochen geschmackvoll umgesetzt. Wenn Folberth dann eine mächtige Passage auf dem Moog-Synth einflicht, verwoben mit einem gegliederten, dynamischen Rhythmus und energischem Gitarrenriff, erreicht die Stimmung der Komposition ihren Höhepunkt. Sie geht direkt über in das epische „Point Of No Return“, in dem Eloy auf gewiefte Weise Elemente von dem, was man heute als Progressive Metal bezeichnen würde, in ihre eigene, unverwechselbare Space-Rock-Vision einbauen. Die Instrumentalausflüge, in denen dröhnende Synthesizer, wuchtiges Riffing und Drum-Übergänge ineinanderfließen, sind brillant gesetzt und erzeugen eine herausragende ätherische Stimmung. Der melodische Refrain ist großartig und steckt voller unglaublicher Energie. Franks energischer Gesangsausdruck legt noch eine Schippe drauf. Sein deutscher Akzent ist, wie immer bei Eloy, Geschmackssache. Ich persönlich könnte mir ihre Musik ohne ihn nicht vorstellen. Mit dieser brillanten Komposition beweisen Eloy einmal mehr, dass sie wahre Meister des episch ausgerichteten Space Rock sind.

Die nächste Komposition, „Mysterious Monolith“, ist mehr als offensichtlich eine lyrische Hommage an den Science-Fiction-Klassiker in Literatur und Film, „2001: Odyssee im Weltraum“. Auch hier kann man zahlreiche atmosphärische Klangvorhänge, raffinierte rhythmische Wechsel und ungemein schöne Gitarrenpassagen bewundern, die zu einem runden Ganzen verschmelzen. Das kosmische Synthesizer-Solo von Folberth zwischendurch ist brillant. Zahlreiche exzellente Übergänge durch zusätzliche, spannungsgeladene Steigerungen auf Bass, Gitarre und Synths (letztere enthalten unter anderem auch einen tollen, äußerst witzigen Effekt) leisten dem poetisch angelegten Gesang Gesellschaft. Der beste Teil der Komposition kommt aber im abschließenden Instrumentalabschnitt, wenn sich exzellente Passagen auf Matziols melodischem Bass mit vielfältigen Klangvorhängen im Hintergrund und Gitarrenpassagen dazwischen abwechseln. Wieder eine dieser Eloy-Kreationen, die von einer herausragenden Dynamik zwischen den einzelnen Instrumentalisten geprägt ist, und eines der besten Stücke ihrer Geschichte. Auf der epischen Delikatesse „Queen Of The Night“ haben Eloy neue atmosphärische Dimensionen erreicht, was die Kombination aus dramatischen weiblichen Vocals, epischen Orchesterarrangements, wuchtigen rhythmischen Übergängen und energischen Gitarrenpassagen angeht. Das Ergebnis ist eine weitere tolle Komposition von epischem Ausmaß. Nach dem relativ unschuldigen, ruhigen Intro auf dem Klavier und Franks Gesang, in dem auch geschmackvolle Orchesterarrangements sehr gut platziert sind, folgt ein extrem energischer, völlig unerwarteter Umschwung. Nach einem mächtigen Übergang kommt ein epischer, fast progmetallischer Abschnitt mit einer brillanten Kombination aus Orchesterarrangements, energischem Gitarrenriffing und dramatischem weiblichem Gesang. Letzterer verleiht der Komposition eine ganz besondere Energie. Ich war immer der Meinung, dass die leidenschaftlichen weiblichen Vocals dieser Band nur gutgetan und ihren Kompositionen einen hervorragenden Kontrast verliehen haben. Im weiteren Verlauf wechseln sich noch ein paarmal dramatische Übergänge ab, angereichert mit wuchtigem Riffing und geschmackvollen Orchesterarrangements, nur dass diesmal wieder Franks Gesang die Hauptrolle spielt. Der Schluss ist praktisch komplett klassizistisch, als wäre es ein Stück klassischer Musik. Meiner Meinung nach noch ein Eloy-Klassiker.

Das magische Instrumental „At The Gates Of Dawn“ bietet feinfühlige, ineinanderfließende Ambient-Arrangements unter der Regie des stets exzellenten Hannes Folberth, die eine aufregende, esoterische Stimmung erzeugen. Eloy wussten immer, wie man die Ambient-Kraft der Keyboards passend einsetzt und genau diese perfekte kosmische Atmosphäre erreicht, die nur wenigen Space-Rock-Bands gelungen ist. „Sphinx“ ist eine weitere exzellente Komposition, die vor allem durch das energische Zusammenspiel von Gitarrenpassagen und dem dröhnenden Klang der Synthesizer besticht. Franks Gesang schwankt hier durchgehend irgendwo zwischen Geheimnisvollem und Dramatik. Die rhythmischen Übergänge von McGillivray und Bassist Klaus-Peter Matziol sind wieder brillant. Die Band war im Rhythmusbereich ohnehin schon immer stark. Die Übergänge zwischen den bunten Keyboard-Vorhängen laufen wie am Schnürchen, was indirekt eine unglaubliche esoterische Magie erzeugt. Die Keyboard-Passagen gehören hier überhaupt zu den besten ihrer Geschichte. Am Ende wiederholt sich das Eröffnungsmotiv noch einmal und erreicht mit einem besonderen Effekt seinen Klimax. Den abschließenden Triumph des ersten Teils des ambitionierten Konzepts bildet „Carried By The Cosmic Winds“, wieder eines jener epischen und monumentalen Eloy-Werke, die einen hinreichend hingebungsvollen Hörer mit ans Ende einer unbekannten Galaxie reißen. Diese Komposition öffnet sich mit einem Explosionseffekt, woraufhin lebhafte Synthesizer-Texturen alles ein wenig verkomplizieren. Hier hört man deutlich auch den Beitrag von Gitarrist Hannes Arkona als zusätzlichem Keyboarder, der sich am Minimoog versucht. Frank ist gesanglich wieder ganz in seinem poetischen Element. Manche Keyboard-Sounds erinnern stellenweise an heulende Sirenen. Äußerst geschmackvoll integriert sind auch die zusätzlichen weiblichen Backing-Vocals, die den Hintergrund für die hervorragenden Instrumentalmotive bilden. Auf den meisten davon fließen die Klänge sinfonischer Keyboard-Arrangements, melodischen Basses und witziger Gitarrenverzierungen brillant ineinander. Ein toller Abschluss eines tollen Albums.

„Planets“ hätte sich völlig zu Recht den Status eines Meisterwerks verdienen können, vor allem im Vergleich zum Großteil der übrigen Prog-Rock-Alben, die zu der Zeit erschienen und deren Sound mehr mit Pop gemeinsam hatte als mit der gewohnt hochexperimentellen Musik, wie diese Bands sie in den 70ern machten. „Planets“ gehört ohne Zweifel zu der Handvoll Perlen, die die Ehre eines Genres retteten, das mit Ausnahme des aufkommenden Neo Prog und einiger weniger bekannter, meist sehr obskurer Bands in einer tiefen Krise steckte. „Planets“ war einer der seltenen leuchtenden Edelsteine im Zwielicht, in dem sich der Progressive Rock damals befand. Ohne Zweifel eines ihrer besten Alben, vergleichbar auch mit jenen, die Eloy in ihrer besten Phase veröffentlichten. Wer in verstaubten Archiven auf diese Space-Rock-Perle stößt, wird beim Hören, mit einer Begegnung mit dem geheimnisvollen Monolithen zwischendurch, ganz sicher auf kosmischen Winden bis zur entferntesten Galaxie und zum Planeten Salta getragen, wo er sich dem ewigen intergalaktischen Konflikt zwischen den Himmelswesen und den gefallenen Dämonen stellen wird.

Besetzung

Frank Bornemann – Gesang, Gitarre
Hannes Arkona – Gitarre, Keyboards
Klaus-Peter Matziol – Bass, Backing-Vocals
Hannes Folberth – Keyboards
Jim McGillivray – Schlagzeug, Percussion

Produktion

Frank Bornemann

Tracklist

1. Introduction (1:58)
2. On The Verge Of Darkening Lights (5:37)
3. Point Of No Return (5:45)
4. Mysterious Monolith (7:40)
5. Queen Of The Night (5:22)
6. At The Gates Of Dawn (4:17)
7. Sphinx (6:50)
8. Carried By Cosmic Winds (4:32)

Spielzeit: 42:01

Bonustrack der Neuauflage (2005):

9. On The Verge Of Darkening Lights (live 1983) (4:09)

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