Pitch Black Progress

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Autor: Aleš Podbrežnik

Künstler: Scar Symmetry
Label: Nuclear Blast
Veröffentlichung: 2006
Bewertung: 3.5/5

Diese Jungs spielen eine äußerst attraktive Metal-Variation, die potenziell auf den Geschmack eines breiteren Publikums zielt. Die Workaholics von Scar Symmetry schlagen damit schon mit dem zweiten Album in gerade mal zwei Jahren zu. Wem das Debüt gefallen hat, wird auch vom Nachfolger begeistert sein, denn Scar Symmetry machen genau da weiter, wo sie mit dem Debüt aufgehört haben.

Die Kombination aus „Death“ Metal und „Progressive“ Metal mit klassisch-melodischen Elementen kann ein zweischneidiges Schwert sein, wenn man den Geschmack der breiten Masse treffen will. Das versuchen heutzutage aber einige Bands, die schon eine beachtliche Popularität erreicht haben, etwa Trivium oder Opeth. Scar Symmetry lassen sich also ohne Weiteres als Band bezeichnen, die den Weg für eine Art neuen Metal-Zweig ebnet, der die Merkmale verschiedener Subgenres zusammenklaubt. Zuerst der Gesang: Hier werden die extremen Standards des Death Metal mit klaren, melodischen Vocals verbunden, die auf der Platte absolut gleichberechtigt danebenstehen. Das Gitarrenriffing ist abwechslungsreich, stellenweise teuflisch zerklüftet und wird durch ein einäscherndes „thrashiges Shredden“ gejagt. Die Riffs sind die Hauptträger der echten Explosivität, die die Band mitbringt, sie reihen sich völlig fließend aneinander, in einer komplexen, für die Ohren aber trotzdem ungemein eingängigen Form. Das Aneinanderreihen verschiedener Tempi und Motive innerhalb der Songs fängt ein faszinierendes Maß an Unvorhersehbarkeit ein. Die Passagen und Übergänge, die diese Form zusammenhalten, sind haarspalterisch ausgetüftelt und so angelegt, dass Scar Symmetry auf „Pitch Black Progress“ nicht für einen Augenblick den roten Faden verlieren. Teuflisches Gehacke ergießt sich plötzlich in ein offenes, melodisches Riff, bei dem im Hintergrund Synthesizer losbrechen, als Ergänzung und um einen kontrastierenden Klangteppich zu schaffen, in den der melodische Gesang einklinkt. Dieses Genre-Wogen garantiert ein ungemein mitreißendes Aneinanderreihen von Stimmungen und sorgt für eine hochdynamische Ladung über die gesamte Spielzeit des Albums.. In den mehrstimmigen Arrangements aus melodischen, klaren Vocals (Duette gibt’s reichlich!) gehen Scar Symmetry in Richtung Symphony X. Es ist also ein Album voller Genre-Gegensätze, die sich diesmal kontrastreich anziehend zusammenfügen, so wie sich Plus und Minus anziehen.

Auf dem Album gibt es keinen Schwachpunkt, keinen Song, der danebengegangen wäre und den man als Hörer „skippen“ müsste. Alles auf der Platte steht völlig gleichwertig da. Das technische Niveau bei der Umsetzung des Materials und auch beim komplexen Songwriting erreicht Spitzenqualität, und vor uns haben wir ein außergewöhnliches Quintett aufstrebender Musiker, das seine Mission in Zukunft noch in vielem ausbauen wird. Das Album „Pitch Black Progress“ wird für Liebhaber der brutalen Extreme im Heavy Metal (Death Metal) wieder ein viel zu melodischer Mutant sein, der das gesunde Bild des „Death Metal“ in den Augen der Masse verdirbt und mit seinem Auftreten mehr Schaden als Nutzen bringt. Auf der anderen Seite sind Scar Symmetry definitiv eine Band, die für alle interessant ist, die mit Bands wie In Flames, Soilwork, Opeth, Into Eternity und Trivium sympathisieren. Bei alledem wirken Scar Symmetry ziemlich eigen, sie bieten eine ganz besondere Atmosphäre, durchtränkt von Obskurität und schwarzem Drama, die auch die noch so prächtig gewobene Melodie nicht aus dem Abgrund hebt – und die Schweden wissen verdammt gut, wie man solche Melodien aufs Band bringt! Also willkommen in der harten Welt der Realität. „Pitch Black Progress“ ist der Punkt, an dem sich die brutalen Metal-Extreme und klassisch-melodische Elemente die Hand reichen, technisch durch die maximale Vergrößerung perfekter Umsetzung und perfekten Songwritings gejagt. Ein Album, das schlicht niemanden kaltlassen kann. Melodisch gefällig, aber mit genug brutaler Zerstörungskraft, dass es dem Headbanger trotzdem noch das Genick bricht! Der Moment, in dem sich der Himmel mit der Hölle zu einem perfekten Gleichgewicht vereint.

Besetzung

Christian Alvestam – Gesang
Jonas Kjellgren – Gitarre
Per Nilsson – Gitarre
Kenneth Seil – Bass
Henrik Ohlsson – Schlagzeug

Produktion

Jonas Kjellgren

Tracklist

1. The Illusionist
2. Slaves To The Subliminal
3. Mind Machine
4. Pitch Black Progress
5. Calculating The Apocalypse
6. Dreaming 24/7
7. Abstracted
8. The Kaleidoscopic God
9. Retaliator
10. Oscilliation Point
11. The Path Of Least Resistance
12. Carved In Stone*
13. Deviate From The Norm*

Spielzeit: 48.26

*…Bonustracks

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