Pistaccios Flug durch den Cirkus (2011)

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Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik

Ort: Cirkus / Ljubljana / Slowenien
Konzertermin: 14.11.2011
Besucherzahl: 200

Endlich haben wir in Ljubljana die Eröffnung einer neuen Konzertlocation erlebt. Einer richtigen. Mit echtem Inhalt. Greifbarem Inhalt. Auf ähnlichem Weg wie einst das Kino in Šiška ist nun auch das Kino na Viču davongesegelt. Wenn ich kurz in den Schoß verbotener Träume abtauche:  Stellt euch vor, der Kolosej würde denselben Weg einschlagen – wie viele Konzerthallen gäbe es dann erst, he, he, he,… und Rock würde den Planeten regieren. Das Kino na Viču hat sich also in den Cirkus verwandelt! Cirkus ist ein kleinerer Clubraum, der bei vollem Haus schätzungsweise rund 300 Köpfe fasst. Die Gruppe, der die Ehre zuteilwurde, das erste Konzert in diesem frisch gebackenen Clubraum zu spielen, war The Beat Fleet aus Split.

The Beat Fleet haben Mitte dieses Jahres ihr neues Studioalbum „Pistaccio Metallic“ veröffentlicht, und das Event kam für sie wie bestellt. Nur wenige Tage vor ihrer Ankunft in Ljubljana hatten The Beat Fleet die große Halle des Dom sportova in Zagreb ausverkauft. Dort begrüßte sie eine 10.000-köpfige Menge. Die Jungs, deren musikalischen Beitrag man im südlichen Nachbarland schon seit Längerem schätzt, hätten wirklich nie gedacht, dass sie jemals Starsstatus erreichen würden. Doch offensichtlich ist ihre Musik – und vor allem ihre Poesie – in Kroatien zum echten Volksgut geworden, das Etikett „Evergreen“ damit immer naheliegender!

Obwohl das Konzert für neun Uhr abends angekündigt war, warteten wir ordentlich, bis The Beat Fleet endlich die Bühne betraten. Zehn Minuten nach zehn schaukelte das Sextett dann doch auf die Bühne und begrüßte den Saal, der sich schlagartig gefüllt hatte. Eigentlich hatten sich die Leute einfach von der Raucherecke an einen anderen Ort „umgepumpt“. Vor Konzertbeginn haben wir die für Rocker „überlebenswichtige“ Info gecheckt, welches Bier im Cirkus gezapft wird. Marke Hirter, und eine große Runde kostet „bescheidene“ 3,00€!

The Beat Fleet sind ausgereifte Typen, die auf ihrem Weg einiges mitgemacht haben. Überraschungen gibt es für sie keine mehr. Die Jungs kennen und beherrschen ihr Handwerk in jedem Detail.  In der ersten Reihe auf der Bühne steht das schlagkräftige Trio der Band, der sogenannte kreative Kern und Motor, der ihre vitalen Funktionen antreibt: Mladen Badovinac  (Gesang),  Saša Antić (Gesang, Programmierung) und Luka Barbić (Gesang, Keyboards, Programmierung); in der hinteren Reihe baut ihnen der Begleitpart der Crew die organische Musikkulisse: Nikša Mandalinić (Gitarre), Ognjen Pavlović (Bassgitarre) und Janko Novoselić (Schlagzeug, Perkussion).

Die Jungs haben in gut anderthalb Stunden ihr neues Studioalbum „Pistaccio Metallic“ nahezu vollständig präsentiert und darunter ihre bekanntesten Stücke aus früheren Alben gemischt, die auf keinem Konzert fehlen dürfen. Die Setliste haben sie so gestaltet, dass sich Klassiker und neue Tracks regelmäßig abwechselten; Öl ins Feuer goss in der zweiten Hälfte der aufeinanderfolgende Dreierpack neuer Songs Dalmatino, Veseljko und Mater, der zeigte, dass sich die Nachricht über das neue Album auch in Slowenien gut verbreitet hat – denn er weckte das Publikum, das größtenteils aus der Klientel der „Instant-Graumaus-Kaufhauskonfektion“ bestand, so richtig auf, sodass es musterhaft den Refrains folgte. Unter den Klassikern das hervorragende, düstere Heroyix sowie die „ultra-witzigen“ Lud za njom, Bog i Zemljani, Malo san maka, Šareni artikal, Data, Pljačka, Smak svita, Genije, Guzice i sise, Odjeb je lansiran, eingestreut zwischen die neuen Tracks Tragični heroj, San, Spin Doktor, Grad spava, Uvik kontra, Pozitivan stav und das bereits erwähnte Trio Dalmatino, Veseljko und Mater.

The Beat Fleet sind ein klasse Team mit ausgeprägtem Bühnencharakter und einer Predigt, die auf tiefgründig bedeutsame Weise die „Drama“ auf die Schippe nimmt, in der wir uns in der zivilisierten Welt befinden, wie sie uns der große Bruder schneidert. Bildhafte Reflexionen, die in der feinen, botschaftsreichen Predigt höchsten Intellekts keine Grenzen kennen. In der Performance bis ins Detail kalibriert, mit Rhythmus im Blut und einer satten Dosis Routine, die keine Ausrutscher zulässt. The Beat Fleet sind Meister darin, weiträumige Vibrationen von Optimismus und Entspanntheit aufzufädeln – gepaart mit dem echten Showtheater ihrer ureigenen Charisma.

Natürlich hat sich den Löwenanteil der Aufmerksamkeit auf der Bühne Vokalist Mladen Badovinac gesichert. Das schafft der Typ mit Leichtigkeit. Dank seiner außerordentlichen Charisma, die seine tiefer intonierte vokale Predigt, seine Gestik, sein imposantes Auftreten sowie das sympathische Karikieren des Gemütszustands bei den Ansagen ans Publikum verkörpert. Mladen teilte während des Konzerts durchgehend großzügig Schlücke von Alkohol aller Art mit dem Publikum. Vor allem in der zweiten Konzerthälfte haben sich die Fangirls, die extra aus Zagreb nach Ljubljana angereist waren, so richtig „aufgeheizt“ und mit ihrer Anwesenheit das Konzertklima mehr als willkommen befeuert.

Man kann sagen, dass der Cirkus seinen ersten Test hervorragend bestanden hat. Akustisch ohne Frage. Eine amüsante Bemerkung kam nur von Mladen, dass wenn man die mit Fliesen gepflasterte Bühnenfläche mit Getränken begießt, man ganz schön leicht ausrutschen kann. Mladens Schelmerei ergänzte unmittelbar darauf noch Luka, der meldete, dass die Stromquelle halt doch „Balkanisch“ geblieben sei.  Ein wunderschöner Konzertabend, so saftig wie nur irgend möglich, überraschte lediglich mit geringerer Besucherzahl als erwartet. Ansonsten aber keine Einwände. The Beat Fleet haben nachweislich wieder eine phänomenale Show in Slowenien abgeliefert, die in jeder Hinsicht begeistert hat, und gleichzeitig den Cirkus erfolgreich eingeweiht – dem wir hoffen, dass er bald zu einem echten Konzert-Club-Tempel mit unerschütterlichem Standing in seinem Programmangebot heranwächst, an dem es in der slowenischen Hauptstadt bislang chronisch mangelte.

fotos: Aleš Podbrežnik

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