Performance

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Autor: Peter Podbrežnik

Interpret: Eloy
Label: EMI Records
Veröffentlichung: 1983
Bewertung: 3.5/5

„Performance“ markierte den Moment, in dem sich Eloy nach zwei konzeptuellen Space-Rock-Meisterwerken, die die beiden Vorgängeralben „Planets“ (1981) und „Time To Turn“ (1982) ohne Zweifel waren, dazu entschlossen, ein wenig zu „erden“. Das heißt, sie haben ihren Sound spürbar vereinfacht und ihn auch für die etwas zugänglicher gemacht, die sonst nicht zum typischen Prog-Rock-Publikum gehören. Erreicht haben sie das, indem sie die Menge an komplexen Arrangements zurückfuhren, während sie die übrigen Klangelemente in etwas härtere, eher hardrockige Gewässer lenkten. In ihren Sound sind auch ein paar New-Wave-Einflüsse eingesickert, vor allem bei einigen rhythmischen Einwürfen und den Keyboard-Texturen. Vor allem aber sind Eloy auf diesem Album wieder näher an ihre frühen, hardrockigen Wurzeln herangerückt, natürlich im modernen Produktionsgewand und gepaart mit ihren unverkennbaren Space-Rock-Finessen, die ihnen weiterhin eine bunte Portion der typischen esoterischen Stimmung sicherten, für die sie immer am meisten gefeiert wurden. Für eine Band, die in ihren Anfängen eine wichtige Rolle bei der Entwicklung des deutschen Hardrocks gespielt hatte, war dieser Schritt in einer Zeit, in der der Heavy Metal seine besten Tage erlebte, ein ziemlich logischer Zug. Man wollte auch bei ein paar neuen Hörergenerationen auf sich aufmerksam machen, die die Jahre verpasst hatten, in denen Eloy begannen, die Geschichte des deutschen Progressive Rock zu schreiben.

Dieser Schritt führte zum Glück nicht zum Ausverkauf, sondern zu einer willkommenen Auffrischung des nach wie vor erkennbaren Klangbilds durch einige Soundelemente, die sie bis dahin auf ihren Alben noch nicht ausprobiert hatten. Ewig konnten sie eben nicht nur hochkomplexe, esoterisch klingende und von Science-Fiction inspirierte Konzeptalben machen. Auch beim Gestalten der einzelnen Arrangements musste etwas Neues her, etwas, das bis dahin noch nicht umgesetzt worden war. Ich würde sagen, dass ihnen die Kombination aus traditionellem Space Rock, Hardrock und einer Prise New Wave auf „Performance“ gut gelungen ist. Das Ergebnis war zwar spürbar weniger ambitioniert und klanglich weniger tiefgründig, aber trotzdem ein äußerst solides und ungemein gut hörbares Album, an dem auch heute noch Fans verschiedenster Rock-Spielarten problemlos Freude haben können, nicht nur die des Progressive Rock. Verglichen mit Bands wie Genesis, Yes oder Kansas jener Zeit waren Eloy auf „Perormance“ immer noch die wahre Verkörperung von Komplexität. Die Gitarrenlinien von Frank Bornemann und Zusatzgitarrist Hannes Arkona verschmelzen wie gewohnt wunderbar miteinander und können sowohl druckvoll als auch subtil klingen. Keyboarder Hannes Folberth war neben Franks Gitarrenmeisterstücken weiterhin der zentrale Träger ihrer reichen, mehrteiligen und ätherischen Arrangements. Die Texte, geschrieben von Franks Freund, dem Deutschamerikaner Sigi Hausen, sind ebenfalls spürbar weniger poetisch-episch als sonst, dafür persönlicher und stellenweise auch ziemlich gesellschaftskritisch.

Schon der Opener „In Disguise“ beweist, dass es sich um ein Album mit einem merklich anderen Ansatz handelt, als man es von der Band bis dahin gewohnt war. Ein hüpfender, aber ziemlich monotoner Disco-Rhythmus wird von stählernen Gitarrenpassagen und dem schützenden, dröhnenden Klang mehrschichtiger Keyboards durchzogen, vor allem von elektronischen Synthesizern, die ihm etwas von ihrer typischen Space-Rock-Herkunft verleihen. Die Gesangsharmonien im Refrain sind hervorragend und tragen stark zur dramatischen Stimmung bei. Obwohl es sich um einen recht soliden Song handelt, hat er fast mehr mit so etwas wie Judas Priest gemeinsam als mit Pink Floyd. Auf dem noch druckvoller-dramatischeren „Shadow And Light“, das Elemente von Prog und Hardrock verbindet, geht es mit hardrockigem, fast schon metallischem Gitarrenriffing weiter. Das Ganze ist auf feine Keyboard-Texturen gebettet, deren Sound ein wenig an den erinnert, den damals die kanadischen Art-Rock-Meister Rush verwendeten. Die Rhythmusgruppe ist hier deutlich besser als beim vorherigen Stück, mit mächtigen und abwechslungsreichen Schlagzeug-Übergängen von Randow beim Ausklingen einzelner Keyboard-Passagen. Beim waschechten Space-Rock-Instrumental „Mirador“ dominieren ein langsamer, monotoner Rhythmus und mehrschichtige Synthesizer-Paletten. Hier springt Folberth am Moog-Synth auch Rhythmusgitarrist Arkona zur Seite. Die Synthie-Passagen erzeugen eine kosmische Atmosphäre, während der scheppernde Bass das mittlere Tempo der Komposition hält. Ein ziemlich solider Space-Rock-Song mit Schwerpunkt auf elektronischen Keyboard-Sounds, aber nichts dramatisch Besonderes.

„Surrender“ gehört meiner Meinung nach zu den interessantesten Klangexperimenten ihrer Karriere. Es ist ein unterhaltsamer Mix aus Space Rock, Pop und Funk. Satte, mehrschichtige Synthesizer-Flächen werden durch feurige Gitarrenpassagen gezogen, im Hintergrund hört man zahlreiche Soundeffekte auf einem funkigen Rhythmus. Franks Gesang interpretiert hier einen philosophischen Text, der eine Kritik an organisierten Religionen und übertriebenem Rationalismus ist. Die Komposition bekommt im weiteren Verlauf, vor allem aber im Refrain, eine äußerst interessante Wendung, wenn die feinen sinfonischen Synthesizer-Arrangements wunderbar mit den Gitarrenlinien verschwimmen und zusammen mit dem Gesang eine schlichte, aber triumphale Melodie bilden. Der Einstieg in „Heartbeat“ klingt unglaublich ähnlich wie der Pink-Floyd-Klassiker „One Of These Days“, vor allem wegen der scheppernden Basslinie und der ähnlichen Echo-Effekte auf den Keyboards in seinem Intro. Im Hintergrund hört man auch aufgenommene Sprachfetzen irgendwelcher unbekannten Personen. Kurz nach dem Übergang, wenn mehrschichtige Synths einfallen, gerät der Song mit Gitarre und Gesang in komplexere Gewässer, auch wenn die melodischen Arrangements die ganze Zeit erhalten bleiben. Die Gesangsharmonien sind stellenweise durch einen besonderen Effekt geschickt.

„Fools“ ist noch so ein ziemlich ungewöhnliches, untypisches Experiment zwischen Prog, Hardrock und New Wave, das einen fast schon discohaften Rhythmus enthält, kombiniert mit dem Sound mehrschichtiger Gitarrenlinien aus dem Hause Bornemann/Arkona, die mit den elektronischen Synthesizer-Sounds beider Hannes interagieren. Natürlich fehlt auch ein druckvoll-dramatischer Hardrock-Refrain nicht. Im Mittelteil der Komposition hört man deutlich das effektive Zusammenspiel der beiden Gitarristen. Während Frank aus den Fingern ein dramatisches Slide-Solo zieht, gesellt sich Hannes mit verstreuten Akkorden dazu, und gemeinsam zaubern sie danach ein paar schöne zweistimmige Harmonien. Mit dem epischen Schlussstück „A Broken Frame“, das meiner Meinung nach auch das beste Werk des Albums ist, beweisen Eloy, dass sie immer noch Meister komplexer Space-Rock-Kompositionen, zahlreicher unvorhersehbarer (Um-)Wendungen und magischer Stimmung waren. Ätherische Synthesizer-Klänge und ein geheimnisvoller Gesang im Intro bereiten effektiv den Boden für die dramatische Fortsetzung. Dann folgt ein hervorragender Übergang und der Einsatz des scheppernden Basses, gemischt mit dröhnenden Synth-Texturen und dramatischem Gesang. Der episch-romantische Refrain ist großartig und passt wunderbar in die ohnehin futuristische Stimmung. Lobenswert ist auch Franks Gesangsleistung, die hier die beste des ganzen Albums ist. Seine weinenden Slide-Passagen auf der Gitarre sind entscheidend für die unglaubliche Ausdruckskraft dieser Komposition. Sie würde ich als Eloy-Klassiker bezeichnen, der in meinen Ohren und Augen am Ende die Gesamtwertung dieses Albums spürbar nach oben zieht.

Die Neuauflage von „Performance“ enthält auch drei live gespielte Stücke von diesem Album, nämlich „Shadow And Light“, „Heartbeat“ und „Fools“. Alle drei stammen von der Tour des Jahres 1983. Es wäre vielleicht nicht schlecht gewesen, wenn man sie nicht so stark im Studio poliert hätte, denn für meinen Geschmack klingen sie viel zu sehr wie ihre Studioversionen, und man merkt kaum, dass sie live gespielt wurden.

Für Eloy-Verhältnisse bis dahin ziemlich direkt, hat „Performance“ die klangliche und konzeptuelle Perfektion der meisten seiner Vorgänger, die sich mit dem Ehrentitel Space-Rock-Meisterwerke schmücken durften, zwar nicht mal im Entferntesten erreicht, doch sie haben damit mindestens ein sehr solides, wenn nicht sogar sehr gutes Produkt geschaffen. Es war meiner Meinung nach absolut des Namens einer Band würdig, die in ihrer Musik nie große klangliche Kompromisse gemacht und unter Franks sorgsamer Aufsicht Musik fürs eigene Herz gemacht hat. Etwas, wovon viele ihrer Zeitgenossen in den 80ern nur träumten, während sie einen Hit nach dem anderen produzierten und dabei indirekt immer weniger an ihre besten Klangtage erinnerten. Mit „Performance“ erlebten Eloy durch die höchst effektive Verbindung ihrer traditionellen ätherischen Space-Rock-Arrangements, geschliffenen Hardrocks und einer kaum wahrnehmbaren, völlig harmlosen Prise New Wave eine damals bitter nötige klangliche Auffrischung und schafften es zugleich, sich jene unverkennbaren Space-Rock-Finessen zu bewahren, die ihr markantes Klangbild definierten. So gelang es ihnen mit dem Release, auch bei denen größeres Interesse zu wecken, die sonst nicht zu ihren traditionellen Hörern zählten, weshalb ich es mit gutem Gewissen auch allen empfehlen kann, die offen dafür sind, einige härtere Spielarten der Rockmusik zu erkunden.

Besetzung

Frank Bornemann – Gesang, Gitarre
Hannes Arkona – Gitarre, Keyboards
Klaus-Peter Matziol – Bassgitarre
Hannes Folberth – Keyboards
Fritz Randow – Schlagzeug, Percussion

Produktion

Frank Bornemann

Tracklist

1. In Disguise (4:29)
2. Shadow And Light (5:17)
3. Mirador (3:44)
4. Surrender (5:38)
5. Heartbeat (6:26)
6. Fools (5:10)
7. A Broken Frame (8:10)

Albumlänge: 38:54

Bonustracks der Neuauflage (2005):

8. Shadow And Light (live 1983) (5:08)
9. Heartbeat (live 1983) (6:00)
10. Fools (live 1983) (4:49)

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