Pavel
Izvajalec: Pavel
Založba: Dallas Records
Izid: 2007
Ocena: 3.5/5
Die Band Pavel ist auf Initiative ihres Frontmanns Aljoša Šerić entstanden, der sonst bei der schon etwas etablierteren Gruppe Ramirez spielt. Šerić hat in seinen Jahren bei Ramirez auch viele Songs geschrieben, die ihm für die Stammband nicht passend schienen, also war es sinnvoll, ein neues Projekt zu starten. Statt es mit einem Soloding zu versuchen, hat er lieber eine neue Band gegründet, die ihm mehr klanglichen Spielraum gibt und mit der er sich neue Möglichkeiten bei den Arrangements eröffnet. Die Entscheidung hat sich als richtig erwiesen, denn in der Musik spürt man wirklich eine gewisse Tiefe und ein Talent, das Šaranović allein nur schwer hinbekommen hätte.
Die Musik auf dem Album ist fest im Folk/Singer-Songwriter-Kosmos einbetoniert, aber trotzdem weiß die Band sich hin und wieder aus dem Beton zu befreien und in andere musikalische Gewässer zu springen. Und genau deshalb ist dieses Album interessant. Gerade wenn du dich an den ruhigen, verschlafenen mediterranen Rhythmus gewöhnt hast, rütteln Šerić und seine Truppe dich aus dem Schlaf und zeigen, dass man so eine Musik nicht unterschätzen darf.
Aljoša Šerić hat echt ein Gespür für schöne Melodien, nicht nur in den Refrains, sondern auch in den Strophen. Die Musik ist wirklich durchdacht und schön umgesetzt, ihr Hauptmerkmal ist eine ästhetische, berührende Melancholie. Auch bei den Texten merkt man, dass Šerič Erfahrung hat, denn die Worte schmiegen sich schön an die Musik, alles fließt, egal ob es um Hoffnung, Nostalgie, Liebe oder um simple humorvolle Sticheleien geht.
Es ist richtig schön, so einen Klangteppich zu hören, wie ihn die Band Pavel weben kann. Klar, es gibt die typischen Akustikgitarren, Klavier und Akkordeon – alles Instrumente, die für Singer-Songwriter- und Chanson-Musik wichtig sind, aber es sind auch ordentlich Streicher und andere Instrumente mit dabei. Der Einsatz der Streicher erinnert mich manchmal sogar an das Album Florian von Le Orme, denn sie sind sehr fein und minimalistisch gespielt, was für so ein Genre genau passt. Šerič selbst spielt eine sehr auffällige Rolle, denn er hat eine sehr angenehme, warme Stimme, die dich in gute Laune versetzen oder in einen ruhigen Schlaf wiegen kann (zum Beispiel bei „Uspavanka“).
Das Album Pavel, beziehungsweise Koliko je sati u Tobagu, setzt die außergewöhnliche kroatische Singer-Songwriter-Tradition fort. Und nicht nur das, es baut sie auch aus. Ähnlich wie bei Drago Mlinarec geht es nicht nur um ruhigen Folk oder Pop, sondern es stecken auch Weltmusik-Anklänge und allerlei andere Nuancen drin. Aljoša Šerić hat eine vielversprechende Truppe zusammengestellt und ein ambitioniertes Album geschaffen, das fest im Folk-Singer-Songwriter-Genre verwurzelt ist, sich aber zwischendurch auch darüber erhebt. Vielleicht wird nicht ganz so viel experimentiert wie auf ein paar Platten von Drago Mlinarec, aber Pavel bewegt sich in einem völlig anderen Rahmen und in einer anderen Zeit. Ein richtig solides Werk.
Besetzung
Aljoša Šerić – vokal, akustična kitara
Igor Arlović – kitara, ak. kitara, pedal steel
Stanislav Kovačić – bas, violončelo
Jurica Hotko – klavir, Wurlitzer, Rhodes, Hammond orgle, harmonika
Goran Leka – bobni, tolkala
Rista Ibrić – violina, mandolina
Gäste: Maja Posavec und Romana Orešnik Mlinarić – vokal, spremljevalni vokal
Produktion
Rista Ibrić
Tracklist
1. Morska
2. Bajke još postoje
3. Tobago
4. Moj stan je prekinuo s njom
5. Bolje
6. Tko je stavio prosinac u svibanj
7. Zvončicu može biti sram
8. Zajedno
9. Ako si za, mogli bi jednom izaći
10. Uspavanka