Panda beim Ortofest mit einer weiteren Dosis Perfektion (2018)

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Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik

Ort: Ljubljana / Orto bar / Slowenien
Konzertdatum: 19.04.2018
Besucherzahl: 150
Eintrittspreis: 6,00€

Wenn die Chinesen ihren Bären haben und die Schweden Abba, dann haben wir Slowenen unsere eigene Art von Panda. Feingliedrige Art-Pop-Rock-Veteranen der slowenischen Mainstream-Musik, vor allem der Achtziger und Neunziger Jahre. Es ist jedes Mal ein Genuss, sie auf der Bühne zu sehen und ihre ausführerische Perfektion zu genießen. Eine neue Gelegenheit dazu bot sich im Rahmen des diesjährigen Ortofests. Den Tag zuvor hatten hier San dI Ego gespielt, das Publikum hatte sich auf rund 150 Köpfe summiert, und am Tag darauf war die Besucherzahl praktisch identisch. Aber eine völlig andere Klientel. Jeans und Leder hatten Pullovern und Hemden Platz gemacht, allerdings mit deutlich mehr Eleganz, als sie etwa die strikt uniformierte Konfektion der Studentenschaft eine Woche zuvor diktiert hatte, beim ausverkauften Konzert von Adi Smolar (ebenfalls beim Ortofest). Ganz zu schweigen von einem spürbaren Überhang an weiblichen Gästen, die durchgehend versunken den Großteil der Texte gemeinsam mit der Band mitgrölten. Tatsächlich — jedes Mal, wenn Vlado Pirc das Publikum zur Beteiligung aufrief, strahlte der harmonisierte Chor in dieser ausgelösten Harmonie der Publikumsgesänge, mit einem entschiedenen weiblichen Vokalüberhang.

Das Publikum hat Panda also nicht vergessen. Die eingängigen Radiohits, die längst zum Volksgut geworden sind, sorgen dafür. Diese erwähnte Resonanz, zusammen mit dem theatralisch aufgeladenen emotionalen Kumulationspunkt in den Songs Daleč stran und Nepremagljivi — wir waren also mindestens zwei theatralischen Höhepunkten ausgesetzt — war ein wesentliches Element dieses Abends, das den Auftritt der Band noch ansteckender und in seinen Emotionen und Leidenschaften noch intensiver wirken ließ.

Panda sind ein Sextett, das wie ein kleines Orchester funktioniert, in dem die Bausteine der Klanglandschaft und des musikalischen Ausdrucks äußerst raffiniert ausgewogen, angeordnet und aufeinander kalibriert sind und das nach langen, langen Jahren des Durchhaltens und der Erfahrung in dieser Interaktion zusammenfindet, als würden sie in einer symbiotischen Beziehung zusammenleben. Die Ergänzung der Klangbausteine, ihre Kommunikation, Wahrnehmung, Interaktion und das gegenseitige Miteinander des Sextetts insgesamt — das ist brillant. Sängerin Nina Bauman hat sich angesichts der kürzesten Betriebszugehörigkeit in der Band in diesem kurzen Zeitraum mehr als perfekt mit dem Charakter der Gruppe verschmolzen, ihn gestärkt und weiterentwickelt. Mit ihrem Gesang zog sie definitiv alle Blicke auf sich, mehrmals hat sie sich soulig unglaublich „aufgebaut und explodiert“. Sie besitzt eine außergewöhnliche Kraft und eine vokale Energie mit einem Charakter, der einen bis auf die Knochen erschüttert. Dabei ist Nina trotz ihrer Jugend schon jetzt hervorragend in der Anpassungsfähigkeit aufgestellt und kann in den weicheren, also jenen Passagen, die hundertprozentiges Feeling verlangen, noch einmal so gefühlvoll und vokal ansteckend sein. Ein echter Balsam für die Ohren.

Ihre männliche Bühnenklientel verkörpert, erwartungsgemäß, den Begriff der bereits erwähnten Perfektion. Jener Perfektion, die sprichwörtlich das Diskografiewerk der Gruppe wie auch ihr Konzertauftreten prägt. Wenn du zu einem Panda-Konzert kommst, darf es einfach keinen Patzer geben — zumindest erwartet man als Konzertbesucher angesichts des Rufs und des Ansehens der Gruppe schlicht keinen. Die Tontechniker hatten alles vorbereitet, um eine ausgezeichnete Klangdynamik zu schaffen, bei der die Bausteine des Klangbilds klar hörbar und deutlich zu vernehmen waren. Ein besonderer Reiz sind die Momente der Verspieltheit, die durch Passagen fröhlichen, gut eingespielten Zusammenspiels der Instrumente entstehen, vor allem in den solistischen Wechseln zwischen Keyboards und Gitarre. Ein hervorragender Klangteppich. Wer in der Mitte stand, also irgendwo auf halber Strecke zwischen Bühne und Mischpult, hat vom Konzert am meisten mitgenommen.

Obwohl die grundlegende Ausdrucksästhetik des Musikdossiers der Gruppe »Art Pop und Rock« lautet, ist das Präfix Art genau deshalb dort, weil die Band seit jeher Elemente des Jazz und der Weltmusik in ihre äußerst eingängigen Kompositionen einflicht, die Tracks kokettieren immer wieder mit lateinamerikanischem Rhythmus und Melos, und diese ganze Leidenschaft des arrangementtechnischen Experimentierens ist der Schöpfer der musikalischen Eigenart der Gruppe. Die Band hat das Repertoire dem aktuellen Studioalbum »Stoletni ples« (2016) untergeordnet, hat dabei aber die obligatorischen Konzerthits nicht vergessen und so die erwarteten heißen Nummern aus dem reichen Diskografie-Fundus ins Repertoire gestreut. Dass Panda das Publikum restlos entfacht hatten, bestätigten stürmische Ovationen und Reaktionen, die auch nach der obligatorischen Zugabe kein Ende nehmen wollten. So traten für eine zweite Zugabe der Chef der Gruppe, ihr Motor und Chefvisionär und über allem der legendäre slowenische Musiker Andrej Pompe ans Keyboard, dazu Nina Bauman, und als es schon so aussah, als würden die beiden die Zugabe alleine bestreiten, gesellte sich ihnen für die strikt vokale Färbung noch Vlado Pirc hinzu. Gemeinsam blieben sie beim Album »V vročici noči« (1990), und mit der Integration der Überraschung des Abends, dem Song Da bo jutri še en dan, beruhigten sie das aufgeheizte Publikum schließlich (hoffentlich zumindest ein wenig) — das, wenn es nur irgend möglich gewesen wäre, mit der Band im Orto bar die ganze Nacht geblieben wäre. Ein außergewöhnlicher Konzertabend also.

Setliste

1. Sanje
2. Kakšno sonce
3. Kje je ta mož
4. Stoletni ples
5. Prebudi se
6. Zvezde z neba
7. Pozabi
8. Lino
9. Sive ceste
10. Ti in jaz
11. Življenje je igra
12. Ljubimec brez imena
13. Daleč stran
14. Noro
—Zugabe I.—
15. Nepremagljivi
—Zugabe II.—
16. Da bo jutri še en dan

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