Operation Live
Künstler: Dr. Cranknstein
Label: ASCAP
Veröffentlichung: 2006
Natürlich ist es nichts Ungewöhnliches, wenn jemand, der gerade durch die Anfangsphase der Midlife-Crisis stolpert, plötzlich komplett durchdreht. Etwas Ähnliches passiert offenbar auch mit einem Trio schräger Onkels, die sich den Namen Dr. CranknStein verpasst haben. Es sind drei Musiker, die zumindest im Herzen jung geblieben sind und sich darangemacht haben, schwere Rockmusik zu spielen, durchsetzt mit Einflüssen von Punk, Funk und anderen verwandten Genres. Wenn wir dann noch die mehrtausendköpfige Menge keltischer Krieger dazurechnen, die offensichtlich während der gesamten Aufnahme mitgeschnitten wurde, bekommen wir ein Machwerk, das die besagten „Jungspunde“ Operation Live getauft haben.
Eigentlich ist es schwer, ein Ding zu bewerten, das so chaotisch wirkt und ohne jede Organisation ständig von einem Film in den nächsten hüpft. Dass die Jungs ihr Handwerk nicht beherrschen, kann man auf keinen Fall sagen, im Gegenteil. Ihr Ansatz strotzt nur so vor Begeisterung, und es ist mehr als offensichtlich, dass sie Spaß an dem haben, was sie tun. Vielleicht sogar zu viel. Na ja, was ich damit sagen will: Bei Altherren in ihrem Alter würde man mehr musikalische Reife erwarten. Aber sie haben ja noch Zeit, oder?? Also gut, starten wir mit dem Opener Hard Grind, einer richtig harten Nummer à la Dokken, die uns mit ihrem völlig unkontrollierten und hysterischen Gesang gleich zu Beginn die ersten Darmbeschwerden beschert. Der schnelle Rhythmuswechsel wirkt fast schon lächerlich, genauso wie beim nächsten Song, No Complaints, wo sich das Trio flott in eine schlechte UK-Subs-Kopie verwandelt. Wenn die Jungs sich hier schon nicht beschweren, dann müsste sich jeder Hörer dieses Zirkus definitiv beschweren. Lolipop mit seinem witzigen Funk-Intro, fast schon Rap, festigt nur noch das ganze Spaßvogel-Bild dieses „Albums“. Weiter mit Rock & Roll! Oder so ähnlich. Rock Is Not Dead ist wahrscheinlich eines der blödesten Dinger, die ihr je gehört habt. Rock ist nicht tot, hm, wenn er in Zukunft mal so klingt, hoffe ich wirklich, dass er so schnell wie möglich stirbt. Damit mich keiner falsch versteht: Die Jungs sind in ihrem Tun durchaus sympathisch, für ein Bierchen oder zwei. Aber da hört es dann auch auf. Vor allem, wenn sie mitten im besagten Song kompromisslos plötzlich in We Will Rock You!! einsteigen. Eine Katastrophe… Jetzt noch ein, zwei Worte zu den sanfteren „Kompositionen“: Davon präsentieren uns die „Doktoren“ drei, und herausstechen tut It’s Not Too Late. Das ist eine Ballade, die vor allem gesanglich mit dem Leslie-West-Ansatz liebäugelt. Definitiv einer der besseren Momente des Albums (auch wenn die Konkurrenz hier, Hand aufs Herz, nicht gerade mörderisch ist). In ähnlich seichten Gewässern paddeln auch die anderen beiden, I Can’t Wait und Things, die sich ebenfalls als ordentliche Rockballaden präsentieren, eher passend fürs Radio.
Nett, anders als das nachfolgende Geholper namens Stuck, eine Art Widmung an die Sex Pistols, zumindest nach dem Pretty-Vacant-Einschub zu Beginn zu urteilen. Vor allem sticht auf dem ganzen Album das ständige Ausleihen irgendwelcher Motive alter legendärer Songs aller Art und Genres derb ins Auge. Unoriginell und langweilig, so wie Whiskey, wo man vor allem Sheer Heart Attack hört, und Wild Side, dessen Anfang eine simple Kopie von Whole Lotta Love ist. Furchtbar. Trotzdem fehlt noch was. Na, die Jungs sorgen mit Kickstart My Heart auch dafür. Eine interessante Version, mit einem Gesang, bei dem sogar Vince Neil das Gefühl bekommen würde, singen zu können! Haben wir noch irgendwelche versoffenen Spaßvögel vergessen? Klar, da sind ja noch AC/DC. Zwei Studioaufnahmen, die dieses „phänomenale“ Scheibchen auch abschließen, liefern uns ein Spiegelbild der australischen Rocker, „bereichert“ mit einem Gesang, der klingt, als hätte man Johnson mit Plant gekreuzt. Für einen bombastischen Abschluss sorgt Bang Your Head, natürlich wieder eine Kopie (keine Coverversion!) des gleichnamigen Quiet-Riot-Songs. Irre! Auf jeden Fall zu viel fürs tägliche Hören.
Besetzung
Eliot Chambers – Gesang/Gitarre
Steve Schiegg – Gesang/Bass
Urs Kalin – Schlagzeug
Produktion
Steve Schiegg
Tracklist
1.Hard Grind
2.No Complaints
3.Lolipop
4.Rock Is Not Dead
5.It’s Not Too Late
6.I Can’t Wait
7.Stuck
8.Whiskey
9.Wild Side
10.Kickstart My Heart
11.Things
12.Swiss Tall And Blonde
13.Bang You Head
Spielzeit: 63.30