Nine Inch Nails in Wien

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Ort: Wien
Konzertdatum: 29.03.2007
Besucherzahl: 4200
Ticketpreis: 35EUR

Es war Freitag. Aus dem verregneten Ljubljana machten wir uns mit der Agentur Koncerti.net auf die mehrstündige Fahrt Richtung Wien. In Celje und Maribor sammelten wir noch die paar Glückspilze ein, die mit NIN-Shirts und Kettchen mit dem NIN-Logo ausgerüstet waren und sich rechtzeitig ihre Tickets gesichert hatten. Der Bus war also voll. Begeisterung und Vorfreude auf das große Event dampften regelrecht aus dem Bus, der fröhlich über die löchrige österreichische Autobahn hüpfte.
Je näher wir dem Ziel kamen, desto schöner wurde das Wetter. Und schließlich erreichten wir endlich die sonnige, angenehm warme österreichische Hauptstadt.

Andrea und ich drehten eine kurze Runde über den Stephansplatz, das ist sowieso ein Pflichtritual, jedes Mal wenn ich in Wien bin.
Um sieben gingen die Türen auf zu dem, was für uns beide an diesem Tag definitiv ein Heiligtum war: dem Gasometer.
Zuerst holte ich am Schalter die Karten ab, erstaunlicherweise völlig problemlos, dann musste Andrea der Security-Frau versprechen, nichts auf die Bühne zu werfen. Sie hatte nämlich eine Geschenkflasche Likör dabei, die offenbar leicht verdächtig aussah.
Also, Gasometer. Ich liebe diese Halle. Angenehme Form, einwandfreier Sound, freundliches Team. Dort fühle ich mich immer zu Hause.

Es war ein paar Minuten vor 20:00 Uhr, als die Vorband Ladytron auf die Bühne kam. Die Halle war zu dieser Zeit noch erbärmlich leer.
Ladytron kommen aus England, ein Mitglied der Band stammt aber aus Bulgarien.
Ihr Auftritt ist bis ins kleinste Detail ausgefeilt. Schick angezogene Mädels und brave Jungs. Eine Kombination aus echten Instrumenten und elektronischen Synthesizern. Dazu gab es zu jedem Song eine andere Lichtfarbe. Knapp eine halbe Stunde exzellenter Elektropop, der dich auf die Beine bringt. Naja. Außer du bist Österreicher. Der Applaus fiel ziemlich gleichgültig aus. Trotzdem waren sie großartig.

Auf der Bühne wimmelt es plötzlich von Roadies. Sie haben nämlich nur gut eine halbe Stunde, um die Bühne für die Band aufzubauen, wegen der wir alle hier sind. Sie sind fleißig wie die Ameisen. Einer von ihnen schleppte sogar eine große Kartonröhre auf die Bühne, auf die ein Gesicht gemalt war. Das diente nämlich dazu, das Hauptmikrofon für den Star des Abends in der richtigen Höhe einzustellen. So etwas hab ich noch nie gesehen.
Also noch Zeit für letzte Erledigungen, zum Beispiel einen Sprung zum österreichischen Bierchen.

Die Halle ist proppenvoll. Und das, obwohl sie auch schon einen Tag davor hier gespielt haben.. Obwohl ich schon ein paar Mal im Gasometer war, so viele Leute habe ich dort noch nie erlebt. Alles brodelte schon vor Ungeduld.

Schwere Industrial-Sounds ertönen. Und bumm. Trent Reznor stürmt mit Nine Inch Nails auf die Bühne.
Die Begeisterung ist grenzenlos. Eröffnet haben sie das Konzert mit Pilgrimage.
Es dauert noch eine Weile, bis du kapierst, dass du auf dem Konzert einer so mega Band wie Nine Inch Nails stehst.
Mr. Self Destruct weckt dich endgültig auf. Danach folgt ein ordentlicher Batzen Songs vom Album The Downward Spiral – Piggy, Heresy und March Of The Pigs.

Irgendwie hatte ich märchenhafte Lichteffekte erwartet, Big Screens,.. die Bühnenkonstruktion war zwar ziemlich schlicht, aber trotzdem sehr effektiv. Im Hintergrund lange Lichtscheinwerfer über der Bühne und dazu hängende Lampen mit Griffen, sodass man sie schwingen lassen konnte. Rote und weiße Scheinwerfer wechselten sich ab, und oft hüllte auch Kunstnebel die Bühne ein.

Die Energie auf der Bühne war göttlich. Eine Band voller Adrenalin, perfekter Sound. Der Beweis, dass Trent seinen Job zweihundertprozentig macht. Die Hitze in der Halle stieg bis zum Maximum.

Die erste größere Begeisterungswelle brachte zweifellos Closer. Der Text ist etwas heikel, aber der Beat genau so, wie er sein soll. Druckvoll und dirty. So ging es auch weiter. Ein Muss-Song, der bei keinem Konzert fehlt. La Mer ist ein ruhiges Instrumental, das schön zeigt, wozu Trent fähig ist. Eines der schönsten.
Auch Hurt darf man nicht übersehen. Einen guten Teil spielt Trent solo an den Keyboards, in düsterer Atmosphäre von einem Lichtkegel angestrahlt. Wunderschön. Die Halle sang mit. Bald gesellt sich der Rest von NIN dazu und die Energie ist wieder da.

Es folgte der Hammersong The Hand That Feeds, der dich förmlich in die Luft schleudert, und zum Schluss Head Like A Hole. Zum Abschluss fliegen noch Instrumente über die Bühne, Gitarrist Aaron hängt sich an die Boxen, und so schnell, wie sie auf die Bühne gekommen sind, verschwinden sie auch wieder.

Phänomenale anderthalb Stunden. Ein explosiver Auftritt, perfekter Sound. Die Songs gingen ineinander über, Pausen gab es dazwischen keine. Trent sagte kein einziges Wort. Alles, was er uns sagen wollte, drückte er durch seine Kunst aus – die Musik. Wir wurden Zeugen eines unglaublich orgasmischen Auftritts. Schwer zu beschreiben – das müsst ihr einfach selbst erleben. Kurzum: unvergesslich…

Text: Živa Viviana Doria

Setlist

1. Pilgrimage
2. Mr. Self Destruct
3. Piggy
4. Heresy
5. March of the Pigs
6. Closer
7. The Becoming
8. Last
9. Wish
10. Gave Up
11. Help Me I’m in Hell
12. Eraser
13. Reptile
14. La Mer
15. Into the Void
16. No, You Don’t
17. Get Down, Make Love
18. Down in It
19. Hurt
20. The Hand That Feeds
21. Head Like A Hole

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