New Underground – Hard Hitters From Croatia
Autor: Rok Klemše
Künstler: Various Artists
Label: Dallas Records
Release: 2006
Diesmal geht’s im Sinne guter Nachbarschaft um eine kroatische Kompilation von „Underground“-Metal-Bands. Vergessen wir also die Streitigkeiten, die ohnehin nur die Politprominenz beider Seiten anheizt. Aber Politik beiseite! Wichtig ist die Musik, und wenn dadurch die slowenische und die kroatische Metal-Gemeinde enger zusammenrücken, umso besser.
Vor uns liegen 19 Songs, präsentiert von 11 kroatischen, größtenteils ziemlich unbekannten Bands. Jede Band hat einen oder zwei Tracks beigesteuert.Mit der Metal-Kompilation New Underground hat Dallas als Label auf jeden Fall einen sehr mutigen Schritt gewagt, der zumindest bis zu einem gewissen Grad zur Entwicklung des kroatischen Metals beigetragen haben dürfte. Warum gibt es bei uns kein solches Gehör für Metal bei den größeren Labels? Lieber frage ich mich das gar nicht erst… Umso mehr können wir die Veröffentlichung der Kompilation New Order (Volume 1 und 2) des slowenischen Metal-Labels On Parole schätzen!
Warum ich das Wort Underground eingangs in Anführungszeichen gesetzt habe? Weil uns als Erstes auf der Kompilation Father aus Rijeka vorgestellt werden, die sowohl zu Hause als auch im Ausland schon ordentlich Erfolge und Lob einfahren. Die Champions und Erlöser des kroatischen Metals aus Rijeka starten mit dem großartigen Chigla Pegla. In der zweiten Hälfte der Platte haut der stärkste Name der Kompilation dann noch den Song Machina raus. Father sind auf jeden Fall ein sehr vielversprechender Name und in Zeiten der Metalcore-Flut eine ziemlich originelle und eigenständige Mischung aus alternativem und progressivem Metal.
Die brutalere Seite der Kompilation vertreten E.N.D. (Evil Never Dies) aus Zadar und Downfall, Stadtgenossen von Father. Vor E.N.D. muss man auf jeden Fall den Hut ziehen: Sie hatten kürzlich mit dem Tod eines Bandmitglieds zu kämpfen, aber der Durchhaltewille hat die Trauer besiegt, und auf der Kompilation zeigen sie sich mit den Songs Broken World und Pointless Revelation, die stilistisch nah an Thrash/Melodic Death liegen. In ähnlichem Rhythmus machen die Jungs von Downfall aus Rijeka mit den Songs Second und B.l.e.a.k. weiter. Downfall haben vor Kurzem noch etwas gespielt, das den Finnen von Children of Bodom ziemlich ähnlich war, diesmal klingen sie aber deutlich origineller, mit progressiven Elementen, atmosphärischen Keyboards und tollen Riffs. Second ist auf jeden Fall einer der besseren Songs der Kompilation.
Auch Koziak aus Split sind mit den Songs Your Final Sunset und Down to Zero noch am nächsten am melodischen Death Metal dran, auch wenn beide Songs strukturell ziemlich simpel sind – ich denke vor allem an die durchschnittlichen Riffs und die abgedroschenen Soli der Göteborger Schule. Down to Zero kommt sogar sehr nah an In Flames der neuen Ära ran (die Alben Soundtrack to Your Escape und Come Clarity).
Mahatma mit den Songs Visitor und Let Life sind ein ziemlicher Ausreißer gegenüber den metallischen Klängen der Kompilation. Trotzdem ist das ziemlich hochwertiger Art-Post-Grunge, der am ehesten an so was wie Tool erinnert. Wenn man Tool erwähnt, heißt das per se schon, dass es um außergewöhnliche Atmosphäre geht, und die fehlt auch Mahatma nicht.
One Piece Puzzle sind eine Band, die du entweder magst oder eben nicht. Dazwischen gibt’s nichts. Bei mir persönlich… zünden sie einfach nicht. Das ist so eine seltsame Mischung aus Elektronik mit komischen, kreischenden weiblichen Vocals, die vielleicht am ehesten an Marilyn Manson oder Mortiis erinnert.
Mental Harakiri haben mich mit den Songs Marching to the Beat und Marathon kaltgelassen. Metalcore vermischt mit Hardcore, und der auch noch richtig durchschnittlich – das ist einfach nicht mein Ding.
Auch Dead By Mistake könnte man kaum als Metal einstufen… Denn einfach gesagt ist das normales Emocore-Geheule. So einen furchtbaren Cleangesang habe ich schon lange nicht mehr gehört. Der Sänger klingt wirklich, als würde er jeden Moment in Tränen ausbrechen, bzw. als würde er den ganzen Schmerz der Welt auf seinen Schultern tragen. Professionalität hin oder her, Dead By Mistake sind ohne Zweifel der schlechteste Teil dieser Kompilation.
Mit der Ballade I’m Sorry stellen sich Sentiment vor. Eine hörbare, aber ziemlich durchschnittliche Ballade. Die Gothic-Rocker haben Potenzial, aber wie eine großartige Ballade klingt, könnten sie sich bei den schwedischen Evergrey mit dem gleichnamigen Song anhören. I’m Sorry war übrigens auch die Single der Platte New Underground.
Die Stoner aus Zagreb kommen mit dem Song Desert City Lights noch am ehesten in die Nähe von so was wie Queens of the Stone Age. Auf jeden Fall interessanter Stoner Rock mit langsamem Tempo, rauem Sound und guten Arrangements. Desert City Lights ist mit sieben Minuten auch der längste Song der Kompilation.
F.E.B.R.A. aus Dubrovnik sind mit dem Song In Scar ein weiteres Beispiel für durchschnittlichen Metalcore.
New Underground ist auf jeden Fall ein lobenswertes Produkt. Vor allem, weil sich ein großes Label für die Veröffentlichung einer „Metal“-Kompilation entschieden hat. Kroatien hat eine große Auswahl an Bands, auch wenn die auf dieser Platte vertretenen größtenteils auf kommerziell besser laufende Genres setzen, vor allem Metalcore. Die beste Band auf der Platte sind sicher Father, vielversprechend sind aber auch Downfall und E.N.D. Diese Kompilation ist definitiv einer der Faktoren, die zeigen, dass man sich um die kroatische Metal-Szene keine Sorgen machen muss. Ich warte auf New Underground 2, wo dann vielleicht auch ein paar Heavy-, Thrash- und Death-Bands vertreten sein könnten.
Tracklist
1. Father – Chigla Pegla
2. E.N.D. – Broken World
3. Downfall – Second
4. Koziak – Your Final Sunset
5. Mahatma – Visitor
6. One Piece Puzzle – Ona Prima Ljudski
7. Mental Harakiri – Marching to the Beat
8. Dead By Mistake – In This Lullaby
9. Sentiment – I’m Sorry
10. Good Day To Die – Desert City Lights
11. Mahatma – Let Life
12. Father – Machina
13. One Piece Puzzle – Superveshmashina
14. Downfall – B.l.e.a.k.
15. E.N.D. – Pointless Revelation
16. Koziak – Down To Zero
17. Mental Harakiri – Marathon
18. F.E.B.R.A. – In Scar
19. Dead By Mistake – Treasure Every Moment