Never In A Million Years
Künstler: Wetton & Downes
Label: Frontiers Records
Veröffentlichung: 2006
Wertung: 1.5/5
Die Melodic-Rock-Ikonen John Wetton und Geoff Downes veröffentlichen als Icon – passender Name, ein neues Livealbum, diesmal „unter Strom“. Mit diesen Releases tasten die beiden einfach den Boden für die lange angekündigte Reunion-Tour von Asia durch Europa ab. Asia ist 25 Jahre alt, und genauso alt ist auch ein ordentliches Bündel der Songs auf diesem Livescheibchen namens „Never In A Million Years“.
Auch wenn ihr Icon-Debüt „Icon“ (2005) mit ein paar reifen, ziemlich gefälligen und gut dosierten AOR-Nummern punkten konnte, schaffen es die übrigen Releases einfach nicht, größere Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, und auch dieses Livescheibchen, das hier vor uns liegt, fällt in dieser Hinsicht auf ganzer Linie durch. Übrigens erscheint das neue Icon-Studioalbum in drei Wochen, und das Studio ist eigentlich der einzig maßgebliche Gradmesser dafür, wie viel kreative Frische sowohl in Wetton als auch in Downes überhaupt noch steckt und was man von einem möglichen neuen Studiowerk der „Classic Line-up Reunion“ von Asia überhaupt erwarten darf.
Nach der schaurigen Veröffentlichung der akustischen Live-DVD und -CD „Acoustic TV Broadcast“ folgt ihr nun auch noch ein „elektrisches“ Livealbum. Die Aufnahme darauf ist ziemlich roh. Als solche beweist sie, dass sich die Jungs entweder nicht viel Zeit für die Studio-Nachbearbeitung nach dem Konzert genommen haben oder sich um den Sound der rohen Aufnahme schlicht keine Gedanken gemacht haben. Wettons Gesang bestätigt wieder einmal, wie sehr er seine einstige Kraft und Höhe verloren hat. Über die ganze Platte hinweg blamiert sich der Mann buchstäblich mit der Wucht seines Gesangs. Die Stimme ist verblasst, die Klangfarbe kaum noch erkennbar, und dass dem Gesang die Kraft fehlt, steckt in der Direktheit des hinkenden Vortrags, bei dem Wetton die Melodie kaum noch hält, um nicht zu sagen, dass er sie ein paarmal ganz offen richtig übel „verhunzt“.
Den Songs fehlen so der echte Puls und die Glut, wie sie früher die Livealben mit dem guten alten John Wetton ausstrahlten, ob solo, mit U.K., mit King Crimson oder mit Asia. Die Instrumentalisten haben ihren Job maximal erledigt. Na ja, Mitchell wird nie Howe sein, und Christey nie Palmer, aber wer vermisst schon eine Asia-Kopie? Alles, was wir verlangen, ist Glut, Durchschlagskraft in der Performance und die passende Rock-Voltzahl, bei der dir die Ameisen im Nacken kribbeln. Genau die fehlt hier aber schlicht schon wieder. Man merkt auch, dass Wetton schon lange nicht mehr an seiner Stimme gearbeitet und trainiert hat, und Bassspielen und Singen gleichzeitig bereitet ihm einige Probleme, die sich vor allem in der Ungenauigkeit des Gesangs zeigen, denn der Mann ist nicht imstande, sich gleichzeitig wenigstens einer zufriedenstellenden Instrumentalleistung und den Gesangsaufgaben zu widmen.
Es gibt ein paar helle Momente, und das sind genau die balladeske Nummer I Lay Down von Wettons Soloalbum „Rock Of Faith“ sowie der Schlusstrack The Smile Has Left Your Eyes. Das schon ziemlich beruhigte Livealbum, allein wegen der Songauswahl, bekommt durch die ordentlich gespielten The Heat Goes On, Let Me Go und Open Your Eyes etwas frischen Wind, die aber wegen Wettons „abgekämpfter“ Stimme einfach nicht zum Leuchten kommen. Was das Livescheibchen also nicht verbergen kann, wird, hoffen wir zumindest, das neue Icon-Studioalbum verbergen, das um den 20. November 2006 erscheint. Nach dem Hören dieses energetisch hinkenden Rock-Livemitschnitts tut eine Portion Iron Maiden und „Live After Death“ (1985) richtig gut, damit der Kopf wieder zurück ins AOR-Gleichgewicht findet. „Never In A Million Years“ könnte auch „Never In A Two Million Years“ heißen, und trotzdem würde es immer noch keiner vermissen, natürlich mit Ausnahme der ein, zwei Einzigen. Sammler und Die-Hard-Fans.
Besetzung
John Wetton – Gesang & Bass
Geoffrey Downes – Keyboards
John Mitchell – Gitarre
Steve Christey – Schlagzeug
Produktion
John Wetton & Geoffrey Downes
Tracklist
1. Pane Bruno
2. The Heat Goes On
3. Only Time Will Tell
4. Voice Of America
5. I Lay Down
6. Days Like These
7. Bolero
8. Meet Me At Midnight
9. Never In A Million Years
10. We Move As One
11. Paradox
12. Let Me Go
13. Don’t Cry
14. Open Your Eyes
15. The Smile Has Left Your Eyes
Spieldauer: 60.27