„Naj kdo reče, da so sanje“ (2012)
Ort: Cankarjev Dom / Ljubljana / Slowenien
Konzertdatum: 05.10.2012
Besucherzahl: 600
Kartenpreis: 28,00€
»Naj kdo reče, da so sanje, naj kdo reče, da še spim…« Ein Stück Text, den Avtomobili in ihrem Song ‚Palme gorijo‘ vom neuesten Studioalbum ‚Pozna pomlad‘ singen – und der im Kopf des genialen Autoren-Duos Marko und Mirko Vuksanovič wohl wie ein Mantra widerhallt. Wahrscheinlich hätten sich die beiden im fernen Jahr 1982, als sie die Band Avtomobili gründeten, nicht mal im Traum vorstellen können, dass sie dreißig Jahre und neun Studioalben später auf der Bühne der Linhartova dvorana, dem Heiligtum slowenischer Kultur, stehen und gemeinsam mit der aktuellen Besetzung 30 Jahre Bandgeschichte feiern würden.
Gerade dank des kreativen Reichtums und der Ausdauer der beiden Brüder können Avtomobili von sich behaupten, in ihrer dreißigjährigen Geschichte eigentlich nie aufgehört zu haben zu arbeiten. Sie verzeichnen eine Kontinuität, die selbst im Ausland eine echte Seltenheit ist. Klar, die personelle Zusammensetzung hat sich über die Jahre gründlich gewandelt – doch im musikalischen Ausdruck der Band hat diese Fluktuation nie zu einer wesentlichen Abkehr vom eingeschlagenen Entwicklungsweg geführt. Die Identität blieb erhalten, nur die Qualität stieg.
Avtomobili sind in erster Linie Musiker und Künstler. Ihre Musik ist mit Seele geschrieben und mit Gefühl gespielt, die Texte regen zum Nachdenken an. Vielleicht liegt darin der Grund für die unbegreifliche Nichtbeachtung dieses slowenischen Juwels – vor allem durch die kommerziellen Medien. Obwohl sie sich völlig zu Recht mit zwei Zlati petelin-Auszeichnungen (1994 und 1996) als beste slowenische Rockband schmücken, hätten sie deutlich mehr Respekt und Unterstützung verdient, als ihnen tatsächlich zuteilwird. „Gut, dass es sie gibt, die Avtomobili!“, war der Satz, der unmittelbar nach dem Konzert aus dem Mund des Musikgurus Jernej Vene zu hören war. Eine Tatsache, die wir als Nation viel stärker im Bewusstsein tragen sollten, als wir es wirklich tun.
Das Cankarjev Dom als Tempel slowenischer Kultur ist natürlich die einzig richtige Wahl für die Feier eines so ehrwürdigen Jubiläums. Dort gehören Avtomobili auch hin, denn mit ihrem bereits literarischen Wert leisten sie auch einen bedeutenden Beitrag zum slowenischen Kulturreichtum. Das zweistündige und zwanzig Minuten lange Konzert wurde vom Team von TV Slovenija aufgezeichnet, außerdem gab es eine Direktübertragung auf Radio Koper.
Avtomobili starteten die Jubiläumsfahrt in ihrem Stil. Schlicht, ohne Pomp, ohne große Festworte und überflüssige Reden. Sie sprachen so, wie sie es am besten können – mit Musik. Mit der ersten Single des neuesten Studiowerks ‚Poslušaj‘ begeisterten sie sofort die voll besetzte Linhartova dvorana. Schon das erste Gitarrensolo von Boštjan Andrejc verzauberte das Publikum geradezu. Beim nächsten Song ‚Drugačno nebo‘ gesellte sich Rok Škarabot ans Schlagzeug, der mit feinem Gespür die instrumentale Choreografie des Großteils der gespielten Stücke bereicherte. Den Song ‚Obsedela sva sama‘ vom Album Mesta železniških postaj überließen sie der Gastsängerin des Abends – der außergewöhnlichen Mezzosopranistin, die Marko Vuksanovič eine Engelsstimme nennt: Severa Gjurin. Mit ihrer vokalen Interpretation des Stücks hat sie uns mehr als begeistert, denn sie schaffte es, den Text auf sehr dramatische und zugleich äußerst subtile Weise zu vermitteln. Wunderschön erklang auch der Song ‚Skozi leta‘, den sie mit Marko als Duett sang.
Bei einem Block aus vier Songs – Ljubezen ne stanuje tu, Navaden dan, Argentina und Hvala za pisma – gesellte sich der exzellente Geiger Rok Golob zur Besetzung auf der Bühne und ersetzte in der instrumentalen Kulisse das Akkordeon. Das Akkordeon setzten Avtomobili mehrmals ein und bewiesen damit sehr wirkungsvoll, dass es in dieser Art von Musik ein vollkommen gleichwertiges Instrument sein kann. Der diesmalige Austausch des Akkordeons durch die Geige war ein echter Volltreffer. Vor allem in den Händen eines Interpreten wie Rok Golob. Wir waren Zeugen einer außergewöhnlichen Interpretation einer der schönsten slowenischen Balladen: ‚Hvala za pisma‘. Der meisterhafte Dialog zwischen Roks Geige und Boštjans Gitarre in den beiden Soli ließ uns buchstäblich eine Gänsehaut bekommen. Gespielt in perfekter Abstimmung, einfühlsam und mit einem unglaublichen, verfeinerten, atemanhalten Gespür für das Zusammenspiel beider Akteure.
Die Interpretation des Songs ‚Midva‘ überließen Avtomobili den nächsten Gästen des Abends – dem Duo aus der Band Pliš. Vokalistin Aleksandra Ilievski und ihr Begleiter an der Akustikgitarre Marko Gregorič bewiesen mit ihrer Interpretation, dass die slowenische Musik um eine große neue Hoffnung reicher ist, mit der man in Zukunft noch sehr rechnen darf.
Am neugierigsten waren wir, wie sich Rapper Zlatko, der sich in letzter Zeit zu einem der angesehensten slowenischen Rapper entwickelt hat, ins musikalische Konzept von Avtomobili einfügen würde. Es stellte sich heraus, dass der Song ‚Cene rastejo‘, den Avtomobili bei ihren Konzerten nicht allzu oft spielen, wie geschaffen für diese Kombination war. Der Song erschien auf dem Album Krenimo (1988) und wurde seinerzeit als ‚Cjene rastu‘ auf Serbokroatisch aufgenommen. Die Aktualität der heutigen Zeit rappte Zlatko aus dem Ärmel, in seinem leicht wiedererkennbaren Stil. Mit angemessener Kritik am bestehenden Gesellschaftszustand – nicht nur dem materiellen. Das Besondere und die große Stärke von Zlatkos Texten liegt darin, dass er bei aller Kritik an der entwerteten Gesellschaft, in der wir leben, nie die Werte vergisst, die im Leben jedes Menschen am wichtigsten sein sollten: wer du bist und wie du zu dir selbst und anderen stehst.
Den offiziellen Teil beschlossen Avtomobili mit dem Song ‚Pozna pomlad‘, worin eine große Aussagekraft zu spüren ist. Die aktuelle Besetzung der Band ist wirklich eine Frühlings-Besetzung. In jeder gespielten Note spürt man die Harmonie zwischen den einzelnen Mitgliedern. Der sanfte Klangteppich der Keyboards dient als weicher Untergrund, auf dem der samtene Gesang wandelt und wo die Meisterwerke eines großen Gitarrentalents regieren. Der Bassgitarrist – der kreative und außerordentlich selbstbewusste David Šuligoj – fügt Vielfalt und Dynamik hinzu, der Drummer David Morgan mit ausgefeilten und feinfühligen Rhythmen folgt. David bewies im Song ‚Netopir‘ mit einem wunderbaren Schlagzeugsolo, dass er nicht nur die Beherrschung des Drumsets zeigen kann, sondern auch unmissverständlich klar macht, wie viel energisches Temperament in ihm steckt. Abgesehen vom technischen und künstlerischen Können der Band ist in dieser Besetzung noch etwas mehr zu spüren. Eine große Verbundenheit, Freundschaft und musikalische Verwandtschaft. Diese Besetzung ist ein außergewöhnliches kreatives Potenzial, das die Frische dieses Moments mit Projekten, die mit Sicherheit noch folgen werden, in einen außerordentlich fruchtbaren Sommer führen kann. Eine Gruppe so talentierter und kreativ inspirierter Musiker wird an diesem Punkt weder innehalten können noch dürfen. Diese Frische, dieser Enthusiasmus, diese Freude und Exaltation, die man zwischen ihnen spürt, ist schlicht unglaublich. Und ansteckend. Das außergewöhnliche Autoren-Duo Vuksanovič hat mit dem Gitarrenvirtuosen Boštjan und der außergewöhnlich kreativen, starken und selbstbewussten Rhythmussektion aus zwei Davids ein unglaubliches Kapital gewonnen. Für die Zukunft.
Als Zugabe hatten Avtomobili noch Gospodar und V mrzlih dvoranah für uns. Die Ausdauer des Publikums mit lautem Applaus am Ende wurde noch mit dem Song Nekaj let belohnt.
Was bleibt zum Schluss zu sagen?
Alles Gute, Avtomobili, und danke für den wunderschönen Abend, den ihr uns bereitet habt. Danke für die außergewöhnliche Palette an Werken, mit der ihr uns seit dreißig Jahren verwöhnt. Möge eure Reise durch die Schönheit und Magie, die nur Musik besitzt, noch lange andauern.
Setliste
1. Poslušaj
2. Drugačno nebo
3. Kaj si hotel
4. Gorica
5. Palme gorijo
6. Obsedela sva sama (Severa Gjurin)
7. Skozi leta (duet s Severo Gjurin)
8. Ona nosi uniformo
9. Prljavi jezik
10. Ljubezen ne stanuje tu (violina Rok Golob)
11. Navaden dan (violina Rok Golob)
12. Argentina (violina Rok Golob)
13. Hvala za pisma (violina Rok Golob)
14. Netopir
15. Midva (Pliš)
16. Sama
17. Proti luni
18. Cene rastejo (feat. Zlatko)
19. April
20. Enkrat v življenju
21. Enakonočje
22. Pozna pomlad
———-Zugabe———–
23. Gospodar
24. V mrzlih dvoranah
———-Zugabe 2———
25. Nekaj let
Bildergalerie



























































