More Modern Classics
Autor: Aleš Podbrežnik
Künstler: Weller, Paul
Label: Virgin Records
Erschienen: 2014
Laufzeit: 63:17
Bewertung: 4/5
Paul Weller ist eine echte Musiklegende. Er ist einer jener musikalischen Eigenbrötler, den man nur lieben oder hassen kann. Eine Mittelposition gibt es nicht. Wenn dir sein Ansatz gefällt, wird dir eigentlich alles gefallen, was er anpackt, denn sein Gesang und sein vokaler Ansatz sind die grundlegenden Dirigenten beziehungsweise Dominanten, die den Ausdruckscharakter seiner Werke lenken — Werke voller adventiven Experimentierens und musikalischer Metamorphose über die gesamte Karriere hinweg. Wenn du also Musikkritiker bist und Paul Weller dir unter die Haut gegangen ist, bist du auch sein Fan. Die Grenze zwischen Kritiker und Bewunderer verwischt sich da ganz schnell.
Viele Jahre sind vergangen seit jenem fernen Apriltag 1977, als Weller mit The Jam die wegweisende Single In the City veröffentlichte — ganze 31 Jahre seit dem Tag, an dem er der Welt die nächste Band The Style Council vorstellte, während seine Solokarriere sich bereits seit 24 Jahren erstreckt. Die Kompilation »More Modern Classics« kommt wie gerufen und repräsentiert einen Überblick über die Studioveröffentlichungen des geschätzten Godfathers des Mod, die zwischen 2000 und 2012 erschienen sind. Genau genommen sogar bis 2014, denn auf der Kompilation befinden sich auch zwei völlig neue Stücke.
Die Songs sind auf der Kompilation chronologisch aneinandergereiht, beginnend mit einer Vorstellung der Hits des Albums »Helliocentric« (2000), das durch das treibende He’s the Keeper (gewidmet dem verstorbenen The Small Faces/Faces-Mitglied Ronnie Lane) vertreten wird, gefolgt vom kontrastreich ruhigen, leichten und sehnsüchtigen Sweet Pea, My Sweet Pea. Der Nachfolger von Helliocentric aus dem Jahr 2002, nämlich »Illumination«, ist mit nur einem einzigen Stück vertreten: It’s Written in the Stars. Interessant, dass beide übrigen Singles dieses Albums — The Bottle und Leafy Mysteries — aus der Kompilation herausgefallen sind, vor allem die letztere, die in künstlerischer Hinsicht der herausragende Moment des Albums ist. Die Gitarren knirschen konkreter auf der »As It Is Now«-Erfolg From The Floorboards Up (die dritte Single dieses Albums, Here’s Good News, hat es nicht in die Auswahl für die Kompilation geschafft), während »Studio 150« mit Wishing On A Star die romantische Seite von Pauls musikalischer Wahrnehmung präsentiert — hier erleben Wellers feines Gespür für ansteckende Melodien und das gefühlvolle Vortragen süßlich verführerischer Verse eine außerordentlich kompakte Symbiose. Auf der Kompilation ist Wellers größere Zuneigung zu seinen neueren musikalischen Inhalten kaum zu überhören. Zu den ambitioniertesten Werken seiner Karriere zählt zweifellos das Album »22 Dreams«, das einen sprunghaften Schritt in Wellers Ausdruckscharakter darstellt (im Sinne einer mutigen Transition von Wellers bekanntem Artismus in klanglich experimentelle Gewässer) — was die letzten beiden Alben »Wake up the Nation« (2010) und »Sonik Kicks« (2012) nur bestätigt, vertieft und ausgeweitet haben. Weller hat auf diesen Alben tatsächlich eine künstlerische Haltung etabliert, die keinen Hit-Single sucht oder verlangt, sondern eine wirkungsvolle Kollision zwischen dem Ausprobieren des Unerprobten und der grundlegenden Haltung von Wellers wiedererkennbarem Artismus in den Vordergrund stellt.
Die Kompilation ist auch deshalb willkommen, weil sie sich nicht strikt nur auf die besten Momente der Studioalben aus den Jahren 2000 bis 2012 konzentriert, sondern vier Singles aufgenommen wurden, die sich auf keinem Album befinden: Wild Blue Yonder, Starlite, die letzte Single Flame-Out! sowie ein völlig neuer Track, der exklusiv auf dieser Kompilation erschien: Brand New Toy. Gerade dieses letzte Stück hebt sich wieder vom übrigen Material ab (vor allem von den drei Singles des Albums »Sonik Kicks«), was beweist, dass die musikalische Evolution Paul Wellers als Künstler noch keineswegs abgeschlossen ist. Das ist zugleich ein Versprechen, dass ein neues Studioalbum einen weiteren höchst interessanten Moment in der ohnehin schon außerordentlich reichen Karriere dieses unglaublich produktiven britischen Künstlers bringen wird. Sein unglaublich überzeugendes musikalisches Chamäleonwesen gilt als einer der größten Reize, wenn man seinen künstlerischen Handlungen folgt.
21 moderne Klassiker liefern dem Hörer also die reifere Ära der musikalischen Evolution Paul Wellers zu Gehör. Die wird vor allem all jenen Liebhabern seiner Musik willkommen sein, denen seine späteren Studioalben in der Plattensammlung fehlen — aber auch für all jene, die Weller noch nicht kennen, denn sie wird euch auf äußerst lebendige und wirkungsvolle Weise in das musikalische Abenteuer von Wellers einzigartiger und unwiederholbarer musikalischer Visionärschaft einführen.
Trackliste
1. He’s The Keeper
2. Sweet Pea, My Sweet Pea
3. It’s Written In the Stars
4. Wishing On A Star (Single Version)
5. From The Floorboards Up
6. Come On / Let’s Go
7. Wild Blue Yonder
8. Have You Made Up Your Mind
9. Echoes Round The Sun
10. All I Wanna Do (Is Be With You)
11. Push It Along
12. 22 Dreams
13. No Tears To Cry
14. Wake Up The Nation
15. Fast Car / Slow Traffic
16. Starlite
17. That Dangerous Age
18. When Your Garden’s Overgrown
19. The Attic
20. Flame-Out!
21. Brand New Toy