Montevideo, bog te video im Cankarjev dom (2013)
Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Nina Grad
Ort: Cankarjev dom, Ljubljana
Konzertdatum: 02.11.2013
Besucherzahl: 1500
Warum sollte nicht auch Magnifico den Cankarjev dom ausprobieren? Neue Musik für den Film »Montevideo, bog te video«, über die Reise der jugoslawischen Fußballnationalmannschaft ins ferne Montevideo. Eine musikalische Geschichte, inszeniert auf eine Art, die in feierliche Räume vom Typ Cankarjev dom gehört. Und ihr gebietet niemand Geringeres als der hocherhabene Magnifico selbst.
Man kann sagen, dass Magnifico sich in dieser Hinsicht ziemlich eifrig an seinem etwas älteren Kollegen Goran Bregović orientiert hat. Er versteht es einfach, den Balkan-Melos und -Rhythmus auf eine Art neu zu verpacken, wie es slowenische Seelen lieben. Das gelingt ihm mit Leichtigkeit. Seit Jahren schon. Und Magnifico weiß genau, an welches Herzstück bei uns er klopfen muss, damit er voll zünden kann. Der Mann hat einfach etwas. Eine große Ausstrahlung, eine klare, ausdrucksstarke Vision, der er fruchtbar und konsequent nachstrebt. Und? Er hat halt ein Talent, das nicht jedem in die Wiege gelegt wird. Ein großes Talent.
Wenn man »auf den ersten Ball« denkt, ist es schwer, Magnifico hinter den Mauern der kulturellen Makellosigkeit des Cankarjev dom vorzustellen. Magnifico ist in seinem Schaffen sehr volksnah, sehr geerdet. Er ist so brillant und genial komisch, wie es nur selten jemand ist. Solche Entertainer fehlen uns in Slowenien einfach schmerzlich.
Aber treten wir einen Schritt zurück. Zum Anfang der Geschichte »Montevideo, bog te video«. Das ist nicht Robert Pešuts erstes Abenteuer dieser Art in der Welt der Filmmusikkomposition. Das hat er schon für den Film »Stereotip« und die Serie »Prepisani«, geschaffen – und damit das Ganze auch in der neuen Herausforderung des »Treffens mit Gott in Montevideo« so zündet, wie der Titel schon andeutet, muss man in erster Linie wieder Authentizität und Echtheit in der Interpretation der ursprünglichen Idee sicherstellen. Dafür ist die Entscheidung für eine Zusammenarbeit mit dem serbischen Militärorchester Stanislav Binički wie gemacht. Die goldene Mitte zwischen der bekannten Provokation von Magnificos schelmischem Geist und der Disziplin der Orchestrierung zu finden, ist eine besondere Herausforderung. Die Bühne war diesmal wirklich voll besetzt. Im Hintergrund ein ganzes Orchester unter der Leitung von Dirigent Igor Mitrovič, und vorne, links und rechts von Magnifico aufgereiht: sein treuer Bruder Schatzi am Schlagzeug, der leidenschaftliche Trompeter Ivan Pavlovič, dazu Saxofonist Matej Kuželj, Geiger Matija Krečič, Gitarrist der Band Eskobars Teo Collori und Bassist Jan Gregorka von Benč.
Alles war hervorragend einstudiert. Doch Magnifico sorgte bald mit seinen berühmten Witzen und brillanten Humoresken dafür, dass man nicht zu einer Séance des tödlichen Ernstes verdammt war, die in ihrer Ausführung strenge Stille verlangt, da den Musikern sonst die ganze Konzentration abhanden kommen kann. Keine Sorge also, dass Magnifico an diesem Abend zufällig am Klavier säße und Werke von Rachmaninow spielte. Wenn die Weißen die Indianer zählten, zählen wir bei uns die Zigeuner (Zum zum kolo). Na ja, dieses Niveau ist uns schon etwas vertrauter, oder? Einige Momente drehten sich, die jene Jugo-Nostalgie heraufbeschworen, jenes einzigartige und unwiederholbare Sentiment, das die fernen Zeiten längst vergangener Vergangenheit widerhallten. Das Ganze schwamm gerne in Richtung eines »Altstadt-Chansonniers« oder kitzelte auf der anderen Seite mit einer Verflechtung von Latino- und Čoček-Rhythmen, geschickt durchdrungen von den typischen Leitmelodien neu verpackter »Balkanesken« und des »mexikanischen« Melos. Das Ende des ersten – »ernsteren Teils« verkündete das längst ins Volkslied übergegangene Ubiću te, bei dem das Publikum erstmals in ausgelassenes Mitsingen der Verse und Klatschen ausbrach. Na, dieser »Funkenflug« aber wurde von einer gut 15 Minuten dauernden, einzigartigen musikalischen Erfahrung in fokussierte Aufmerksamkeit umgelenkt. Die Erfahrung mit der magischen Luz Casal. Die Spanierin, die im Film »Visoke pete« des berühmten spanischen Regisseurs Pedro Almodóvar bekannt wurde, hat uns mit ihrem zitternd-zerbrechlichen Vokal buchstäblich erschüttert. Mit ihrem »jungfräulichen Drama« hat sie die volle Gallusova dvorana zutiefst berührt. Die zauberhafte Casal hat sich durch das eigene Piensa en mi, (ihren großen Hit), dann weiter durch das in eine spanische Fassung umverpackte Madrugadas – den meisten als Pukni zoro bekannt – und das Stück Al Viento, das den Slowenen in der Gestalt des Liedes Pastirče mlado viel vertrauter ist, tief mit ihrem ursprünglichen und einzigartigen Vokal-Stempel verankert.
Der »ernste« Teil der Vorstellung, soweit man bei Magnifico überhaupt von »Ernst« reden kann, lag hinter uns. Es folgte ein erwarteter und vollblutiger Spaziergang durch den Rucksack exzellent neu arrangierter Magnifico-Standards, wobei er selbstverständlich alle seine wichtigsten Evergreen-Hits zum Besten gab. Mit der Unterstützung des Orchesters und den Farbnuancen der Begleitung, die ursprünglich von der Vollständigkeit der organischen Klanglandschaft – also der Akustik – erzeugt wurde, wirkten diese »volkstümlich gewordenen Klassiker« völlig eigenartig in diesem neuen und noch nie erprobten Licht. In dieser Hinsicht entfaltete sich das Konzert-Miteinander in einer gesteigerten Entwicklung mit abschließendem Crescendo im großen Finale, wo Magnifico mit der ganzen Crew auf donnernde stehende Ovationen traf, die die Musiker lautstark zurück auf die Bühne riefen.
Das Publikum bekam noch zwei »gewichtige« Zugaben; besonders mitreißend war das neue Veliki voz, das Magnifico seinem Großvater Dušan – einem Saloniki-Kämpfer – widmete, während er Zum zum kolo und Ubiću te wiederholen musste, da sich herausstellte, dass er nicht mehr Neubearbeitungen seiner Originale in Verbindung mit dem Orchester Stanislav Binički hatte einstudieren können.
Wie auch immer. Dem Kerl ist also der große Wurf gelungen. Überzeugend und mit dem ihm eigenen kühnen Stil hat er nun endlich auch den slowenischen Kulturtempel eingenommen!
Setlist
1. Ljubav u C-duru
2. Srpska posla
3. Zum zum kolo
4. Pinja kolada
5. iThink
6. Evo me narode
7. Cha cha del Rio Drina
8. Dali si videla dušo
9. Mexico
10. Ubiću te
11. Piensa en mi (mit Luz Casal)
12. Madrugadas (mit Luz Casal)
13. Al Viento (mit Luz Casal)
14. Bum bum
15. Samo malo
16. Marija Ana
17. Silvija
18. Gdo je čefur
19, Gospod, težko sem ponižen
20. In ko enkrat bom umrl
21. Hir aj kam, hir aj go
22. Halo gospodična
—Zugabe—
23. Veliki voz
24. Pukni zoro
25. Zum zum kolo
26. Ubiću te
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