Mit vollem Dampf voraus – Steamroller heizte die Bluesiana ein – zum zweiten Mal (2014)

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Ort: Velden am Wörthersee / Bluesiana Rock Cafe / Österreich
Konzertdatum: 05.09.2014
Besucherzahl: 100
Kartenpreis: 36,00€ / 40,00€

Manchmal sind manche Dinge so gut, dass man sie sofort wiederholen muss. So war es auch beim Konzert von Steamroller in der Bluesiana. Auf die Einführung am Donnerstag folgte am Freitag die Reprise. „Same time, same place“, wie man jenseits des großen Teichs sagen würde.

Schon auf dem Weg zu meinem mit Abstand liebsten Club unter der Sonne, der Bluesiana, kreuzten uns immer wieder Motorradfahrer den Weg, die sich im Rahmen der European Bike Week in der ersten Septemberwoche am nahen Faaker See einquartiert hatten. Auf das bunte Treiben im sonst ruhigen Städtchen Velden deuteten auch die verstopften Straßen und die mit den verschiedensten Motorrädern vollgeparkten Parkplätze hin. Motorradfans hätte der Anblick davon sicher den Atem verschlagen, doch wir waren nach Velden gekommen, um etwas anderes zu sehen.

Beim Ankommen vor der Bluesiana hatten die ersten Musikbegeisterten den Club bereits betreten. Natürlich waren auch die Stammgäste da. Und auch die in der Nähe campenden Motorradfahrer. In der Nische direkt neben der Bühne saß auch ein alter Bekannter der Bluesiana, der kroatische Gitarrenvirtuose mit der samtweichen Stimme, Alen Brentini, der sich den Auftritt seines amerikanischen Kollegen ansehen wollte.

Steamroller muss musikkundigen Kennern nicht groß vorgestellt werden. Alle Bandmitglieder verbindet ein gemeinsamer Nenner: Whitesnake. Auch wenn derzeit nur noch Bassist und Vokalist Michael Devin zur Coverdales Truppe gehört. Dieses Jahr hatten wir in der Bluesiana zum ersten Mal die Ehre, Steamroller in ihrer Originalbesetzung mit Brian Tichy am Schlagzeug zu sehen. Die treibende Kraft der Band ist natürlich einer der besten Hard-Rock-Gitarristen der Welt, Doug Aldrich.

Die Jungs ließen uns ziemlich lange auf ihren Auftritt warten. Gegen halb zehn abends kehrten sie gerade noch von ihrem Abendspaziergang durch Velden ins Backstage zurück. Und es vergingen noch fast zwanzig Minuten, bevor Doug Aldrich auf der Bühne erschien – aber nur kurz, um sein Pedalboard und seine Gitarre aufzubauen und anzuschließen. Er winkte der versammelten Menge vor der Bühne zu und verschwand dann wieder backstage. Kurz nach zehn Uhr abends, als sich auf den Gesichtern der Besucher bereits erste Zeichen der Ungeduld zeigten, betrat die Band schließlich unter lautem Applaus die Bühne. Und die Ungeduld war im Nu verflogen.

In Gesprächen unter den Besuchern war zu hören, dass das Donnerstagkonzert das beste Steamroller-Konzert in der Bluesiana gewesen sei – weshalb die Erwartungen an diesem Abend noch höher waren. Können die Jungs an zwei aufeinanderfolgenden Tagen zweimal sich selbst übertreffen? Besitzerin Gudrun Kofler war überzeugt, dass das möglich ist, und gab der Band deshalb zwei Konzerttage. Und ich kann sagen, dass sie sich nicht geirrt hat.

Die Setlist war keine große Überraschung. Aller Wahrscheinlichkeit nach identisch mit der vom Donnerstag und außerdem sehr ähnlich der, die wir in der Bluesiana schon letztes und vorletztes Jahr gehört hatten. Sie starteten hart und laut mit dem Zeppelin-Klassiker Immigrant song und machten weiter mit dem ebenso druckvollen Never in my life. Michael Devin hatte so schon zu Beginn des Konzerts die Gelegenheit, seinen Gesang in seiner ganzen Größe und Lautstärke zu zeigen. Zweifellos ist er ein außergewöhnlicher Vokalist, auch wenn dieses Talent bei Whitesnake etwas in den Hintergrund rückt. Natürlich standen Doug und Brian beim Präsentieren ihrer Gesangstalente dem bärtigen Kerl in nichts nach. Wenn man nach dem Blickaustausch zwischen den Mitgliedern des Trios während des Auftritts urteilt und ihre Verpflichtungen in anderen Bands berücksichtigt, könnte man schließen, dass die Band wohl kaum Zeit für gemeinsame Proben dieser Arrangements hat – doch jeden noch so kleinen Fehler deckte das unglaubliche Zusammenspiel und das Talent jedes Einzelnen auf der Bühne zu. Trotz improvisierter Jam-Einlagen wurde alles mit chirurgischer Präzision gespielt, alle Songenden sauber ausgearbeitet und aufeinander abgestimmt. Auf diese Weise widmeten sie sich im weiteren Verlauf auch dem rhythmisch anspruchsvollen Stück der Allman Brothers – Whipping post, und beruhigten dann die Szene etwas mit Wonders I wish.

Im gesamten Repertoire fehlten natürlich auch die spielfreudigen komischen Einlagen nicht, um die sich vor allem Schlagzeuger Brian Tichy kümmerte. Nichts konnte ihn aufhalten – egal ob er spontan einen Text auf Kosten des kratzenden Sounds von Aldrichs Gitarreneffekt improvisierte oder sich auf Kosten von Michael Devin lustig machte. Alle 3 bis 4 Songs unterbrach die Band ihr Spiel mit dem sogenannten »Velden song«, dessen Rhythmus am ehesten an die fröhliche Melodie österreichischer Volksmusik erinnerte. Natürlich ernteten sie jedes Mal schallendes Gelächter des Publikums und zustimmenden Applaus.

Den Zeppelins zollten die Jungs noch einmal mit Stairway to heaven Tribut, und auch das lebhafte Space truckin‘ fehlte im Repertoire nicht – wobei Brian Tichy das Fell seines Snares zu zerreißen schaffte. Der schnelle Snare-Wechsel verlief ohne Unterbrechung, und die Jungs begriffen sofort, dass es wohl Zeit für ein Schlagzeug-Solo war, solange die übrigen Felle Tichys kräftigen Schlägen noch standhielten. Tichy begeisterte die Besucher während des Konzerts aber nicht nur mit komischen Einlagen und wirbelnden Sticks, sondern bewies auch, dass er zu Recht einer der gefragtesten Schlagzeuger der Welt ist. Aldrich und Devin stießen ihrem Kollegen bald mit ihren Instrumenten dazu, und gemeinsam liefen sie routiniert durch States boro blues, Helter Skelter, I shot the sheriff und Claptons Klassiker Cocaine. Dass es in der Bluesiana oft sehr heiß ist, wissen wir Besucher – vor allem aber spüren es die Musiker unter den Scheinwerfern auf der Bühne. Als Brian Tichy in den Gesprächen zwischen den Bandmitgliedern erwähnte, dass ihm der Sauerstoff fehle, griff Michael Devin seine Worte sofort auf, und aus seiner Kehle erklang eine Strophe von Sweets Love is like oxygen. Doug schloss sich Michael beim Gesang an und bemühte sich auch mit der Gitarre, doch instrumentell fanden sie erst gegen Ende des Songs zusammen, als Brian mit dem Schlagzeug dazustieß. Das Publikum starrte fasziniert auf die spielfreudigen Musiker und sang mit. Das Publikum amüsierte sich wegen all dieser »Bonbons« zwischen den Songs prächtig, und manchmal war es schon schwer, die Kommentare von unter der Bühne im Zaum zu halten und zur Setlist zurückzukehren. Aber das nahm ihnen niemand übel.

Natürlich vergaßen die Jungs auf der Bühne auch den berühmten David Coverdale nicht. Unter lautstarker Unterstützung des Publikums sangen sie Crying in the rain, dann war aus dem Publikum das Skandieren von Dios Namen zu hören. Aldrichs Truppe konnte das Publikum natürlich nicht enttäuschen, und so spielte das Trio Man on the silver mountain und mischte es mit Holy diver zusammen. Die Uhr zeigte bereits Mitternacht, doch die Jungs zeigten keine Spur von Müdigkeit. Mit einer gehörigen Portion improvisierter Extras widmeten sie sich dem unverzichtbaren Smoke on the water, danach sangen sie gemeinsam mit dem Publikum vor der Bühne noch Still of the night. Nach dem Dank ans Publikum und an Besitzerin Gudrun Kofler sowie dem Aufruf, dass das Publikum und die Einheimischen diesen wundervollen Club weiter unterstützen mögen, griffen die Jungs ein letztes Mal zu ihren Instrumenten und stimmten mit einer wunderbaren Mischung aus schweren und sanften Rhythmen und Riffs Love me two times zusammen mit Light my fire an. Nach dem lauten Abschluss des Songs folgte der Abschied.

Ein bekanntes Szenario mit unbekannten Einlagen voller Frische, Überraschungen, Lockerheit und Humor. Nur wenige weltbekannte Musiker sind bereit, sich auf der Bühne so gehen zu lassen, wie es die Mitglieder von Steamroller zwei Tage hintereinander getan haben. Eine abgespulte Setlist, bekannte Spielweisen – und dennoch ein besonderes Erlebnis auf und vor der Bühne. Wäre es das wert, sie auch drei Abende hintereinander zu sehen? Ohne jeden Zweifel. 

Den Rockline-Konzertbericht vom ersten Konzert von Steamroller in der Bluesiana am 04.09.2014 könnt ihr HIER lesen!

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