MetalDays Warmup (2014)

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Autor: Rok Klemše
Fotos: Nina Grad

Ort: Orto bar / Ljubljana
Konzertdatum: 20.06.2014

Jetzt können wir die Tage bis zu den Metaldays 2014,  die, wie es aussieht, die bisher erfolgreichste Auflage des Festivals werden, tatsächlich herunterzählen. Noch gut drei Wochen, und schon können wir wieder den Hintern in die Soča tauchen, die Kehlen in was anderes und die Ohren erneut in ein buntes und breites Aufgebot an Bands, die in fünf Tagen auf zwei Bühnen auftreten werden – in der Hölle über dem Paradies. Bis dahin fehlt aber noch knapp ein Monat, und letzten Freitag öffnete die Hölle – ebenfalls auf zwei Bühnen – im Orto bar in Ljubljana. In Ljubljana machte das amerikanische Duo Battlecross und Huntress Station, und im Rahmen der offiziellen Warm Up Party gesellten sich noch sechs heimische Bands dazu, die sich untereinander um einen Platz auf den Metaldays 2015 »schlugen« (wobei von echter Rivalität keine Rede sein kann – die Bands pflegten einen kollegialen Geist und verfolgten gegenseitig die Auftritte).

Das Eis gebrochen haben als Erste die Technical-Death/Thrash-Metaller Cordura, die vor gut einem Monat ihr Debüt Astral Projection veröffentlichten. Die Jungs zeigten beeindruckendes technisches Können und einen ausgefeilten Umgang mit den Instrumenten, überraschten mit einigen wirklich starken Parts, vor allem wegen deren außerordentlicher Komplexität. Überzeugt hat vor allem Timos verlässliches Riff-Sägen, eine starke Rhythmusfraktion sowie Nejčs energischer und vielseitiger Gesang, der klingt so viel, so viel besser als Cesars auf dem Album. Cordura wirken live stellenweise sogar besser als auf Platte – am schönsten bei Parts wie dem nach »Schuldiner« klingenden Solo und dem Tapping-Duell zwischen Bass und Gitarre. Trotz der guten Performance fehlt Cordura noch etwas Routine. Wenn sie genug davon gesammelt haben, können sie auf der Bühne wirklich explodieren.

Den Staffelstab übergaben Cordura an die Melodic-Death-Metaller Era of Hate aus Gorenjska, die sich stark am schwedischen Melodic Death Metal à la Amon Amarth orientieren. Man sieht den Jungs an, dass sie ihre Instrumente durchaus beherrschen, doch die Riffs sind größtenteils trocken, generisch und langweilig, und die Songs geben häufig das Gefühl, nur eine zufällig zusammengewürfelte Ansammlung von Versatzstücken zu sein. Nein, das verleiht Era of Hate keinen progressiven Beigeschmack, nur den von anderswo bereits Gehörtem – vor allem die Gitarrenlinien, die eigentlich die Träger der Musik sein sollten, hinken in dieser Hinsicht erheblich. Gesanglich wird solide Arbeit geleistet, leider wird auch der Gesang schnell eintönig, da er ständig in denselben Lagen schreit. Era of Hate sind auf der Bühne zwar sehr souverän und selbstbewusst, der Musik fehlt aber leider deutlich mehr kompositorische Tiefe.

Auf der unteren Bühne hatten inzwischen die Death-Metal-Fleischer Vasectomy aus Prekmurje schon die Skalpelle gewetzt – lange hatten wir sie in Ljubljana nicht mehr gesehen. Eine treue Fangemeinde erwartete die Jungs vor der Bühne, und obwohl sie nicht gerade zahlreich waren, gehorchten sie brav den Befehlen des energischen Frontmanns nach Circle Pits und sogar Wall of Death. Vasectomy begeisterten mit schlichtem, aber wuchtigem und roh klingendem Death Metal, der der schwedischen Schule nahesteht. Die Gitarrenriffs sind abwechslungsreich und fleischermäßig brutal, auch wenn ihnen etwas mehr Tiefe und ein schärferer Sound fehlen; durch das Fehlen der Bassgitarre vermisst man stellenweise die kraftvollere Durchschlagskraft und Fettigkeit. Die Schwächen schaffen es aber kaum, in den Vordergrund zu drängen – vor allem dank Patriks brutalem vokalen Angriff und der ausgezeichneten, kraftvollen Kommunikation mit dem Publikum. »She was a whore. So I killed her!«

Im oberen Stockwerk führte die mit Abstand erfahrenste Band des Abends den Metal-Marathon fort: Sabaium aus der Štajerska. Die Band ist seit mehr als fünfzehn Jahren ununterbrochen aktiv, und das merkt man auf der Bühne auch – die Band schlug mit exzellentem Sound und außergewöhnlicher Performance ein, tatsächlich habe ich Sabaium noch nie in so guter Form erlebt. Das Verdienst gebührt in erster Linie dem charismatischen Gesang von Milko Kraner, dessen cleanen Vocals die knurrenden Stimmen von Jure und David hervorragend ergänzten, und stellenweise überraschte Milko auch mit einem erstaunlich brutalen Growl. Sabaium haben sich auch bei der Songauswahl Mühe gegeben und positiv überrascht mit einer fantastischen Darbietung alter Klassiker wie Black Heart vom Debüt Embrace With Silence sowie Tiha pesem von Beyond…, und hohe Erwartungen lässt – wenn ich mich nicht irre – auch der neue Song Forgotten Shadow offen.

Auf Thrash-Rhythmen drehten Panikk das untere Stockwerk bereits auf – sie fliegen immer noch hoch auf den Schwingen ihres Debüts Unbearable Conditions, und haben kürzlich auch einen neuen Schlagzeuger in ihre Reihen aufgenommen: Črt Valentić (Mephistophelian), mit dem sie diesmal auch zum ersten Mal live auftraten. Mit Črt klingt Panikk noch zerstörerischer, denn das Schlagzeugspiel ist auf ein höheres Niveau gehoben worden, und trotz etwas schlechterem Sound überzeugten die Jungs erneut mit dem Durchwüten fetter und massiver Groove-Parts. Der selbstbewusste Gapa ist mittlerweile ein wirklich überzeugender Frontmann, und auf der Bühne sprüht er nur so vor Energie. Genauso wie die aggressiven Gitarrenlinien und meisterhaften Basslinien.  

Im oberen Stockwerk trat als letzte der heimischen Bands noch die Groove/Thrash-Formation Rise aus Tržič auf, die erst begonnen hat, Konzertkilometer zu sammeln. Trotzdem sind sie auf der Bühne bereits vollkommen selbstbewusst, aber es fehlt ihnen noch etwas Erfahrung, und sie sollten die allzu offensichtlichen Einflüsse von Bands wie Metallica abschütteln. Und mit Songs wie Činčila und seinem Text tun sie sich wirklich keinen Gefallen.

Im Keller war inzwischen die Zeit für den Auftritt der ersten amerikanischen Band angebrochen: die Death/Thrash-Maniacs Battlecross, deren Auftritt sich nur mit einem Wort beschreiben lässt – Schuuuuss! Die Jungs spuckten von der Bühne eine unglaubliche Menge Energie, die Riffs flogen ständig in alle Richtungen, und die Rhythmusfraktion walzte alles vor sich nieder. Hinter den Drums saß nämlich der tierische Schlagzeuger Shannon Lucas (ex-The Black Dahlia Murder), der ein breites Repertoire an Schlagzeugtechniken zeigte, und Bassist Don Slater begeisterte nicht nur durch sein Äußeres (Skullet und epische Koteletten), sondern auch durch sein abwechslungsreiches und dynamisches Spiel. Das Gitarristen-Duo Hiran/Tony lieferte vielfältige und melodische Riffage, und Vokalist Gumby glänzte mit abwechslungsreichem Schreien und Growlen sowie ausgezeichneten Ansprachen und der Bitte, dass ihm das Publikum unten in der Kneipe Schnäpse spendieren möge.

Zum Abschluss betraten noch die amerikanischen Heavy Metaller Huntress mit Jill Janus an der Spitze die obere Bühne. Die Erwartungen waren hoch, bekommen haben wir eher wenig. Oder besser gesagt so: Instrumental agiert die Band wie eine gut geölte Maschine, die Riffs fließen, die Soli sind gut durchdacht, der Bass wummert, und die Drums ergänzen das Ganze flüssig. Haken schlägt es beim Gesang von Jill Janus, die auf dem Album überzeugend klingt, live aber zu einem unverdaulichen Haufen Geschrei mutiert. Dabei will Jill auch noch quasi gruselig wirken – mit billigem Make-up und blöden Grimassen, doch das alles wirkt lächerlich und unüberzeugend. Huntress spielten zwar den Großteil des aktuellen Albums Starbound Beast mit Zenith und I Want To Fuck Your to Death, packten noch Kracher vom Debüt dazu – den Titeltrack Spell Eater und Eight of Swords – aber angesichts des Gezeigten wird es wohl beim Plattenhören bleiben.

Was ist also das Ergebnis des Freitagabends? Dass Huntress live nichts taugen, dass unsere Bands es locker auch mit etablierten ausländischen Bands aufnehmen können, und dass die Gewinner der Wahl, die nächstes Jahr automatisch auf den Metaldays auftreten werden – laut Publikum und Jury – Panikk sind!

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