Metaldays 2017 – das Sonntagsaufwärmen!
Autor: Rok Klemše
Ort: Tolmin / Slowenien
Konzertdatum: 23.07.2017
Wir können von Glück sagen, dass wir ihn haben. Metaldays! Eines der größten europäischen Metal-Festivals, das diesmal bereits zum dreizehnten Mal stattfand (zwar zuvor unter einem anderen, wohlbekannten Namen, aber das spielt keine Rolle), ist mit seiner einzigartigen Location und dem vielfältigen Line-up zu einem »a must«-Event für die heimische und internationale Metal-Gemeinde geworden. Auf diesen Metaldays wartet man so ungeduldig wie auf die Geburt des ersten Kindes, den Einzug ins neue Haus oder die Hochzeit. Ich übertreibe natürlich, aber ganz weit von der Wahrheit bin ich damit auch nicht. Metaldays hat dieses Jahr wieder einige Neuerungen gebracht, über die wir noch berichten werden – die größte (und willkommenste) Neuheit war aber eine dritte Bühne namens New Forces. Auf ihr traten bereits ab Samstag Newcomer-Bands auf, die sich gleichzeitig auch um einen Slot auf einer der beiden großen Bühnen bei der nächsten Festivalausgabe »bewarben«. Leider machte das Wetter der Bühne bereits am Montag brutal einen Strich durch die Rechnung – ein Unwetter fegte sie wie ein Kartenhaus zusammen –, doch der Fleiß, die Organisiertheit und der Einsatz aller Beteiligten ermöglichten es, dass wirklich alle angekündigten Bands dort auftraten. Leider haben wir die dritte Bühne an den folgenden Tagen wegen einiger unglücklicher Überschneidungen nicht besonders oft besucht, den Schritt der Veranstalter begrüßen und unterstützen wir aber in jedem Fall. Die New Forces-Bühne glänzte nämlich ganz besonders in ihrer Rolle als Schauplatz zweier »warm-up«-Abende.
Die Sonntagsbesucher wurden auf der New Forces-Bühne von vier neuen Acts aufgewärmt; nach der Eingewöhnung ans Tolminer und Festival-Ambiente haben wir die Hälfte davon erwischt. Als Erste betraten die jungen französischen Prog/Technical-Death-Metaller Fractal Universe die respektabel große und gut ausgestattete Bühne und präsentierten in einer halben Stunde ihr in diesem Jahr erschienenes Debütalbum Engram of Decline. Darauf vereint das Quartett aus Nancy offensichtliche Einflüsse von Bands wie Obscura, Gojira, The Faceless und Alkaloid – umwerfend Neues haben sie also nicht zu sagen, aber was sie sagen, sagen sie laut, souverän und selbstbewusst. Die Franzosen servierten so ein echtes Ratatouille aus gebrochenen Gitarrenriffs und melodischen Passagen, die Rhythmusfraktion prügelte das Publikum gnadenlos mit Baguettes, und Fractal Universe überzeugten auch mit außergewöhnlichem Zusammenspiel, sauber hingefeuerten Soli und komplexen Arrangements. Bei dem überraschend guten Sound, für den auf der dritten Bühne während des gesamten Festivals Meister Zega (Mothermound) sorgte, überzeugten Fractal Universe ein tatsächlich sehr dicht gedrängtes Publikum und gewannen auf slowenischem Boden zweifellos den einen oder anderen neuen Fan.
Weitaus mehr Fans haben auf heimischem Boden jedoch die einheimischen Sober Assault – und das war auch deutlich zu spüren. Dabei füllten nicht nur Freunde der Band und das heimische Publikum den Bereich vor der Bühne, denn das Gelände war rappelvoll und es sollen sich dort angeblich fast tausend Menschen versammelt haben! Sober Assault ließen sich von ihrer bisher größten Konzertherausforderung nicht einschüchtern und erledigten ihren Job mit Bravour. Erneut glänzte unter dem Vorzeichen eines ausgezeichneten Klangbilds das Gitarrenduo David »Ginger« Vodopivec/Enej Lamovšek, und auch die donnernde Rhythmusfraktion stand dem in nichts nach – sie dröhnte wie Kanonen in den Bergen des Isonzo vor hundert Jahren. Enej ist auch durch den konzertanten Fleiß der Band zur echten Vocal-Bestie geworden, die zwischen den Songs zwar verstummt, wenn Bassist Rok Novak die Publikumsansprache übernimmt – aber das macht nichts. Sober Assault walzten das zahlreiche Publikum nämlich mit knackigem Riffing nieder, das dem gitarristischen Crunchen von Exodus nahesteht und Anleihen beim melodischen Death Metal à la Hypocrisy nimmt. Die Jungs haben den Sonntags-»Headliner«-Slot mehr als gerechtfertigt und sich als Belohnung völlig zu Recht einen Auftritt auf der großen Bühne beim Metaldays 2018 gesichert! Nach dem Ende des Konzerttreibens folgte am Sonntag im größten Teil des Campingbereichs wohl noch der letzte Angriff auf die verbliebenen Reste der Nüchternheit.
Fotos: Klemen Udovč
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