Metal Witch II (2011)
Autor: Aleš Podbrežnik
Ort: Športni park Svoboda / Ljubljana Vič
Datum des Konzerts: 18.06.2011
Besucherzahl: 250
Kartenpreis: 0,00€ (Eintritt frei!)
Dieses Event kam wie ein Blitz aus heiterem Himmel! Metal Witch! Zum zweiten Mal hintereinander! Warum zum Teufel Witch? Weil das in Ljubljana stattfindet. Und dort, in dem ewig gleichen Ljubljana, unserer geliebten Hauptstadt des slowenischen „Gequakes“, liegt unter anderem auch Vič! Der Veranstalter ist die Band Aperion selbst. Wenn du die Dinge in die eigene Hand nimmst, weißt du, dass dich niemand bei gegebenen Versprechen im Stich lassen kann, und so lässt sich die Sache wirklich 100% korrekt und reibungslos durchziehen. Und das galt auch für den diesjährigen Metal Witch. Die Veranstaltung war nämlich in jeder Hinsicht ein Erfolg – es hätten nur etwas mehr Leute kommen können, aber so sind wir in letzter Zeit durch das übersättigte Angebot sowieso daran gewöhnt, dass Konzerte nun mal schlechter besucht sind. Ich rede von echten Konzerten. Von Künstlern, deren musikalischer Inhalt greifbar ist!
Eben jener Aperion, der in diesem Jahr endlich sein exzellentes Studiodebüt „Act Of Hybris“ das Licht der Welt erblicken ließ. Damit sind Aperion vehement in die Reihe europäischer Bands eingetreten, die sich einer eigenständigen artistischen Handschrift aus der Vermischung von Metal-, Gothic-, pastoralen und sinfonischen Musikelementen rühmen können.
Es war schließlich ein klarer Juninachmittag, und auf dem Gelände des Športni park Svoboda nahe den Studentenwohnheimen an der Gerbičeva in Ljubljana hatte sich eine Schar Neugieriger sowie treuer Unterstützer einer interessanten Bandauswahl versammelt, die schon für sich allein zum Besuch einlud.
Als Erste auf der Liste der Auftretenden standen die jungen Metaller aus Novo Mesto: Necrotic. Erster Name, erste Überraschung. Modern, zerfetzend, melodisch giftig, extremes Metal! Die Jungs bauen auf der Brutalisierung und dem Groove einer abwechslungsreichen Rhythmuslinie! Es ist nicht schwer zu schlussfolgern, dass es sich um eine Band handelt, die technisch außergewöhnlich gut aufgestellt ist. Die Songs sind vielschichtig. Das Riff-Gehacke wird von einem Übergang ins mittlere atmosphärische Schaukeln abgelöst, dann folgt eine neue unerwartete Wendung ins wilde Riff-Wiehern und so weiter… My Apostasy ist ein Beispiel für das Songwriting der Band, das dem Hörer diese multifacettierte Anlage des Hybrids aus melodischem Death Metal mit Einsprengseln black-metallischer Exotik am direktesten und unmittelbarsten näherbringt. Die Jungs brauchen natürlich Auftritte. Das erwachende Gelände verabschiedete sie mit lautem Applaus, denn die Jungs hatten schon zu Beginn mit Vehemenz und Souveränität die Schärfe des diesjährigen Metal Witch steil nach oben geschraubt. Der Einsatz der Siebensaiter-Gitarre deutet auf die Suche nach Masse in der Klangwand hin, was vor allem im treibenden Marsch Icon Of Impurity optimal entfaltet wurde – zweifelsohne einem der artistischen Höhepunkte der Band in diesem Moment. Der Gesang würde noch von etwas mehr Gift und Düsternis im Growl-Akzent profitieren, was die Aufgabe der Band für die Zukunft ist. Necrotic sind nach dem Erlebten beim Metal Witch eine äußerst mutige und vielversprechende Einheit, die den slowenischen Musikraum und vor allem die slowenische Metal-Szene bereichert hat. Weiter so, Jungs. Nehmt so bald wie möglich euer Studiodebüt auf und veröffentlicht es.
Brezno sind von einem Sextett zum Oktett angewachsen. Die Sängerin und Flötistin Ines Osina, die die Ljubljana Folk-Metaller kürzlich verlassen hat, begleitete die Band vom Publikum aus. Brezno spielten ihr bewährtes Material, darunter auch Glasnika und den aufgedrehten Folk-Metal-Marsch V nebo. Man merkt, dass die neue Sängerin Sara nicht über die gleich breite Reichweite bei der Gestaltung der Gesangsmelodien verfügt, zudem ist spürbar, dass die erneuerte Band noch ein bisschen zu sich selbst findet, was die etwas verringerte Lockerheit des weiblichen Teils des Oktetts bestätigte, der auf der Achse Flöte, Geige, Gesang und Hintergrundgesang verkrampft und statisch wirkte. Ansonsten ist der Band in nichts vorzuwerfen. Exzellenter Support vom Mischpult, der eine souveräne Präsentation der Band ermöglichte! Sie gab ihr aktuelles Bühnenmaximum. Die Band braucht jetzt so schnell wie möglich ein Studiodebüt und so viele Auftritte wie möglich, um sich in der neuen Besetzung optimal einzuspielen und damit die Bande im Team wachsen können.
Shanti Nilayas sind absolute Sonderlinge im slowenischen Musikraum. Man kann sie nur lieben oder hassen. Eine Mitte gibt es nicht. Moderne Metaller, die in sich das Erbe der Post-Punker/Darker à la Sisters Of Mercy, der Industrial-Freaks Laibach und/oder Rammstein vereinen und auf ein Bühnenbild setzen, das ihnen einen Gothic-Anstrich verleiht, geprägt durch eine spezifische Stimme. Diese erzeugt einen vibrierenden, tiefen, gedämpften, nahezu „hohlen“ Charakter der Gesangsinterpretation, für dessen Eroberung und Aneignung man schon ein gewisses „Einstein“-Gen braucht. Aber wenn er erst mal deiner ist, läuft der Rest wie geschmiert. Wenn es um Bands wie unsere Helden Shanti Nilaya geht – und wenn ich das etwas provokativ auf Gothic-Metal-Groove-Schminke à la Combichrist, 69 Crazy Eyes ausweite – sind in der Regel auch Keyboard-Matrizen und Programm-Loops im Hintergrund dabei, die den konzertanten Klangraum der Band erweitern und vertiefen. Die eher verträumten, ruhigeren und in grenzenloser Beklemmung trauernden Shanti Nilaya drücken sich auf Slowenisch aus, was ihnen den zusätzlichen Nimbus von Sonderlingen verleiht. Krizantema ist in dieser Hinsicht ein ausgezeichneter Song, der das besondere Musikformat der Band bestätigt. Die Besetzung besitzt einen ausgearbeiteten Auftritt und versucht professionell vorzugehen, um das eigene Ausdruckswesen ihres Artismus so klar und direkt wie möglich zu betonen. Dazu gehört auch das provokante schwarze Bühnenkostüm. Wenn ihr etwas Besonderes und Andersartiges sucht, sind Shanti Nilaya die richtige Adresse. Der Song Gospodar Sanj hatte sich bis zu diesem Tag auch beim Publikum gut eingeprägt, und am Ende schlichen sich einige Rufe ein, dass die Jungs diesen Song nochmal wiederholen sollen. Angesichts der Eigenheiten des Gesangs fehlte etwas mehr Kraft und Support vom Mischpult, doch leider war mehr nicht drin. Der Gesang braucht wegen seiner Besonderheiten schlicht eine größere Präsenz im Mix des Konzert-Klangbilds der Band, damit Eis und Kälte der Musik von Shanti Nilaya das Herz des Zuhörers umfangen können.
Aperion als Hauptträger des Konzertabends wachsen und entwickeln sich beständig. „Act Of Hybris“ ist eine Veröffentlichung, auf die sie zu Recht stolz sein können. Sie ist lange gereift. In dieser Zeit haben sich auch Aperion profiliert und stellen heute einen Namen dar, der sich einer klar erkennbaren musikalischen Ausdrucksidentität rühmen kann. Sängerin Zala brachte mit ihrem exzellenten Operetten-Sopran natürlich jene nötige Qualität mit, damit die Band ihr Repertoire mit neuem, großem Glanz abliefern konnte.
Aperion boten einen außerordentlich selbstsicheren Auftritt. Etwas störte nur das Bühnenspiel, das Zala gelegentlich etwas in den Hintergrund „verbannte“, während wir die angespannte Armmuskulatur von Cellist Samo und Bratschist Martin in der vordersten Reihe beobachten konnten. Also: Eine Sängerin wie Zala sollte künftig unbedingt in den Vordergrund des Bühnenperformances gestellt werden. Und falls ihr in den instrumentalen Parts unwohl sein sollte, mögen ihr die Jungs ein Tamburin in die Hand drücken. Die Band zündete mit der exzellenten Ballade Uspavanka, dazu gab es noch Ü, Fe+, dann Maya, die großartige Verbindung slowenischer Volksmusiktradition und Metal im Song Dajte, und die Band fasste ihren Auftritt mit dem düsteren Black Flies zusammen, gewürzt mit dem Einsatz des Didgeridoos. Gitarrist Črt hat sich in dieser Phase der aktiven Bühnentätigkeit der Band zu einem echten Frontmann entwickelt, der die Songs souverän mit Zwischenkommentaren verbindet, die das Publikum vor der Bühne wach hielten. Entscheidend war natürlich der ausgearbeitete, überzeugende Auftritt der Band insgesamt. Exzellentes Zusammenspiel der Bausteine eines zwar anspruchsvoll zusammengesetzten und reichen Klangbildes des Artismus der Band. Liebhaber der natürlichen Klangcollagen von Aperion ignorieren beharrlich den Einsatz von Synthesizern, was sie ebenfalls besonders und anders macht.
Das gelungene Mini-Festival endete exakt um Mitternacht. Großen Respekt dem Veranstalter – der Band Aperion! Sie gab genau jenen Bands die Möglichkeit zur Präsentation, die das am dringendsten brauchen und die angesichts der Stiefmütterlichkeit der slowenischen Clubszene nur schwer an ihre Auftritte kommen. So eine Kombination aus vier Bands, wie sie der diesjährige Metal Witch präsentierte, könnte eine Reihe von Auftritten quer durch ganz Slowenien tragen. Natürlich hypothetisch. Für eine echte Mini-Konzerttournee mit fünf oder sechs Auftritten. Das musikalische Miteinander aller vier Bands ist in dieser Zusammenstellung außerordentlich reizvoll.
Fotos:
Martin Prezelj (Brezno, Shanti Nilaya),
Uroš Škerjanc (Necrotic, Aperion),
Dare Brenko (Aperion)
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