Metal-Dreipack im Rollbar (2012)
Autor: Urban Bolta
Ort: Ljubljana / Rollbar / Slowenien
Konzertdatum: 09.03.2012
Besucherzahl: 120
Kartenpreis: 0,00 €
Das Ljubljaner Einkaufszentrum BTC ist nicht gerade ein häufiger Wallfahrtsort slowenischer Metaller, aber ab und zu passiert auch das. An diesem Freitag lud der Rollbar gegenüber vom Kolosej zu einem kostenlosen Konzert ein – und trotz eines durchaus interessanten Bandup-Lineups und Promotion durch alle erreichbaren Kanäle blieb der Besuch dank des ungewöhnlichen Veranstaltungsorts hinter den Erwartungen zurück. Aber egal!
In diesem Club hatte ich vor einem Jahr schon die Urgesteine des slowenischen Heavy Metal Lene kosti gesehen, daher war mir die Location keine Unbekannte. Aber Achtung – das Bühnenambiente war diesmal komplett verändert! Die Konzertbesucher verfolgten die Auftritte auf der Kartingbahn, eingezäunt von Absperrungen, während die Bands an Tischen oben placiert waren – also gut drei Meter höher. Das Gelände erinnerte aus Besucherperspektive stark an Szenen aus amerikanischen Knastfilmen. Während sich einige über Nackenschmerzen beklagten (die Bühne war wirklich verdammt hoch), begrüßte ich das einzigartige Ambiente dieses Abends ausdrücklich.
Den Auftakt machten die Sondergäste des Abends, Decrepancy aus Serbien. Sie vertreten eine extreme Spielart des Metals und trugen damit auch den Titel des aggressivsten Bands des Abends. Decrepancy spielen old-school Death Metal, fügen ihrem Ausdrucksstil durch vielgliedrige Strukturen aber auch Anklänge anderer Metal-Subgenres bei. Das dumpfe Gegrunze über der rasenden Rhythmussektion schielte Richtung Grind, mit einem Haufen Breakdowns setzten die serbischen Metaller auf einen Hauch aktueller Metal-Strömungen, dazu kamen gelegentliche Elemente technischer Verrücktheit – leider zu wenig ausgefeilt, um sie mit den Meistern dieser Disziplin wie Atheist oder gar Death vergleichen zu können. Decrepancy sammelten eine ganze Reihe nach Metal-Stoff lechzender Fans ein und erledigten ihre Rolle als Vorband routiniert.
Als Zweite traten Veto auf, die Nova-Gorica-Vertreter des alternativen Erbes, die trotz inzwischen recht langer Szene-Erfahrung aufgrund mangelnden Medieninteresses in den vergangenen Jahren unter Metallern keine nennenswerte Resonanz fanden. Aber Veto lassen sich nicht unterkriegen! Sie brachten aus dem Görzer Umland einen Bus voller alkoholisierter Unterstützer mit und schmissen im „Ljubljaner Alcatraz“ eine richtig kleine Fête! Veto gehen die Sache extrem professionell an! Sie traten mit zerstörerischer Kraft auf und nutzten die geräumige Bühne bestens aus, wobei Frontmann Matej mit angeborenen Moves im Stil von Phil Anselmo vorneweg marschierte. Veto präsentierten ihre Metal-Vision, die der ihrer Domžaler Freunde I Scream verwandt ist. Den modernen Alternative-Metal-Sound mit federnden Rhythmen und schrillen Vocals kreuzen die Primorianer mit eingängigeren Melodien und gelegentlichen Hip-Hop-Einschüben. Das Flirten mit Nu Metal bleibt jedoch rein kosmetisch – Veto sind eine Schwermetall-Maschine aus rasant wechselnden Tempi und tausend Screams.
Es war schon Mitternacht, als als Dritte Negligence auftraten. Das sind jene Leute aus Jesenice, die einen Vertrag mit Metal Blade in der Tasche haben und die, kämen sie etwa aus Amerika, ihr musikalisches Talent längst in raschelndes Grünzeug verwandelt hätten. Aber zum Glück dreht sich ja nicht alles ums Geld! Negligence spielten vor einem beachtlich gefüllten Rollbar-Publikum und reisten durch beide Studioalben – »Options Of A Trapped Mind« (2007) und »Coordinates of Confusion« (2011). Die Bühnenerfahrung ist deutlich spürbar (letzten Herbst absolvierten sie zum Beispiel eine Polenrundreise mit Artillery), und diesmal nutzte vor allem Alex die Situation aus, indem er immer wieder über die Absperrung in die Tiefe spähte. Ružo am Schlagzeug und Lipnik am Bass bewiesen erneut, warum sie wahrscheinlich die beste Rhythmussektion im Land stellen; auch das Gitarrenduo Jey / Aljo hat sich mit der Zeit seit dem Gitarristenwechsel eingespielt. Die Zeit wird zeigen, ob das Duo auch auf kreativem Niveau hoch genug ist, um das große Loch zu füllen, das Dyzys an der Gitarre hinterlassen hat. Die beste Thrash-Metal-Band weit und breit glänzte mit einem ausgefeilten Auftritt und souveräner Bühnenpräsenz – auf den Schwingen von Alexs Headbanging nutzten sie die volle Kraft der Bühnensprache konsequent aus.
Das Paket aus drei Metal-Bands aus verschiedenen Ecken war wie gemacht für Fans der extremeren Metal-Gangart – leider erlebte die Veranstaltung trotz auf dem Papier interessanter Namen keinen angemessenen Zuspruch. Die Lächeln auf den Gesichtern der Anwesenden zeugten aber dennoch davon, dass der neueste in der Reihe der Konzertfreitage die Mehrheit der Anwesenden zufriedengestellt hat.
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