Melvin Taylor Bluestrio in Maribor (2006)
Ort: Maribor, Jazz klub Satchmo
Konzertdatum: 11.05.2007
Besucherzahl: 200
Eintrittspreis: 12,00€ / 15,00€
Der Auftritt selbst lief routiniert und, für meinen Geschmack, ein gutes Stück zu locker bzw. zu losgelassen ab. Melvin steht mit seiner Gitarre (einer leicht umgebauten halbakustischen Jazzgitarre von Ibanez) immer im Zentrum des Geschehens, die anderen beiden folgen ihm treu und reagieren auf jeden noch so kleinen Wink. Seine Launen sind unermesslich, denn der Mann improvisiert, wie schon erwähnt, die ganze Zeit, und so weißt du nie, was dich im nächsten Moment erwartet. Seine würzige Mischung aus urbanem Jazz und Blues bekommt dadurch eine ganz neue Note. Die zweite, etwas störende Sache, die nicht nur mir aufgefallen ist, sondern auch dem restlichen Publikum, war der beträchtliche Pegel des Virtuosen selbst: Er stieß nämlich beharrlich an und kippte ein für alle gut sichtbares Gemisch aus Whiskey und heimischem Laško-Bier. Offenbar hat sich Melvin bei seinem längeren Aufenthalt bei uns auch tiefere Bekanntschaften zugelegt, denn davon überzeugte uns das hartnäckige Flirten mit bestimmten Leuten aus dem Publikum und das endlose Erwähnen von „grandma`s cookies“ und grünen Pilzen, die sich Melvin meiner Meinung nach diesmal gar nicht hätte reinziehen müssen.
Über die Setlist bzw. die Songauswahl lässt sich schwer reden, denn bei Melvins ständigem Improvisieren und den Übergängen und Verbindungen zwischen den einzelnen Stücken ist es unmöglich, einen Song genau auszumachen. Fasst man das zusammen, kann man nur sagen, dass die Songs, die er komplett gespielt hat, gut waren, die übrigen nur teilweise angedeutet oder so gespielt wurden, wie zum Beispiel die Van Halen-Stücke… einfach komisch. Seine Spieltechnik wirkt live noch beeindruckender, seine Geschwindigkeit geradezu schockierend. Der Mann ist ein Meister darin, über den Hals zu flitzen, auch wenn das bei zu vielen Wiederholungen aus der Nähe im Club schon ein bisschen langweilig werden kann. Bei der Geschwindigkeit auf dem cleanen Gitarrensound geht wegen des weichen Anschlags die Hörbarkeit der einzelnen gespielten Töne verloren, was folglich irgendwie halbherzig klingt – und genau das passierte diesmal Melvin.
Und siehe da, als wäre das noch nicht alles, gönnte sich der Mann mitten im Konzert nach gut einer Stunde Spielzeit eine ganze halbe Stunde Pause (angeblich auch am ersten Abend) und verschwand unter allgemeinem Erstaunen aller Anwesenden mit der Bemerkung, er müsse einem Freund auf dem Klo die Hand reichen, von der Bühne. Die Zeit verstrich, und Melvin schaute ein paarmal hinter den Kulissen hervor, aber es passierte nichts. Uns im Publikum beschlich wegen dieser Aktion das Gefühl, wir wären nicht auf einem Konzert von Melvin Taylor, sondern bei einem dieser sommerlichen „Gigs“ irgendwo auf einer Terrasse an der Küste, wo diese Praxis des Nachtankens ein fester Bestandteil ist. Wie auch immer, nach guten dreißig Minuten tauchte das Trio wieder auf der Bühne auf, und diesmal erklärte uns Melvin in einer unverständlichen und betrunkenen Sprache, dass er mitten in der Revolution im Jahr 1959 geboren wurde und so weiter. Was er damit genau sagen wollte, weiß meiner Meinung nach nicht mal er selbst, aber bei alldem machte er einen sichtbar verwirrten Eindruck, was sich auch in der Darbietung seiner Songs bemerkbar machte. Das Konzert näherte sich gefühlt dem Ende, und gottseidank brachte Melvin es dank seiner Rhythmusgruppe ohne größeren Zwischenfall sicher zum Abschluss. Was genau mit Melvin los war oder ist, bleibt wohl ein Rätsel, Fakt ist aber, dass der Blues eine Musik der gemischten Gefühle ist und deshalb manchmal auch die weniger angenehmen an die Oberfläche schwimmen, und offenbar wurde Melvin Taylor in Maribor von denen heimgesucht – wir hoffen nur, dass er in Nova Gorica besser zurechtkommt. Bis dahin bleibt uns nur die Erinnerung an das angenehme Beisammensein im Klub Satchmo, dem besondere Ehre gebührt, denn ohne ihn würde so mancher klingende Name einfach einen Bogen um unsere schöne Landschaft machen.
Text und Foto: Thomas Breznik
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