Megalomania

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Interpret: WildKard
Label: Escape Music
Veröffentlichung: 2007

Mami njami! WildKard! Unglaublich! Was ist denn das jetzt schon wieder für ein Rock-Wunder? Drei Mitglieder der längst aufgelösten AOR-Rocker Kick, die in den Achtzigern ordentlich für Furore gesorgt haben. Typische Vertreter der britischen Schule! „Megalomania“ ist ein Album mit Material, das schon vor fünfzehn Jahren entstanden ist, also Anfang der Neunziger im Rahmen von The Zero Hour Project. Fertiggestellt und veröffentlicht wurde es aber nie.

Endlich hat sich die Zeit gefunden, dass die alten Kater von Kick, nämlich Nick Workman (Gesang), Chris Jones (Gesang) und Mikey J. (Bass), im Studio zusammenkommen und die dicke Staubschicht wegpusten, die sich über die langen Jahre des Wartens auf ihre endgültige Geburt auf den Bändern angesammelt hat. Diesmal haben sie sich WildKard getauft. Zur Unterstützung haben sie geschulte und folgsame Namen skandinavischer Herkunft (Keyboards, Schlagzeug) geholt, die sie in Finnland aufgetrieben haben, wo das alte Material neu aufgenommen, bis ins letzte Detail geschliffen und aufgewertet wurde. Außerdem taucht unter den Gästen des Albums der Name Steve Newman auf. Newmans Einfluss ist im Endergebnis von „Megalomania“ definitiv zu spüren, sodass dieses Album bestimmt auch für Fans von Newman-Alben interessant ist

Kick lieferten eine hervorragende Produktion, die in den Achtzigern mit ihrer Ausgefeiltheit heiß in die Qualitätsspitze des damaligen Genres drängte! Warum es in den Neunzigern nicht zur Veröffentlichung kam, weiß nur der Teufel, aber vielleicht haben die Beteiligten gemerkt, dass die Zeit mit anderen Musiktrends sie damals schon überrollt hatte und dass die letzten Waggons für den klassischen AOR-Sound der Achtziger unwiderruflich abgefahren waren, wovon den Jungs nur eine schöne Erinnerung blieb, die zum Glück nicht verblasst ist. Sie haben sich nicht geirrt, falls sie wirklich so gedacht haben. Das Ding in den Neunzigern veröffentlicht wäre garantierter kommerzieller Selbstmord gewesen.

In den „reifen“ Jahren, wenn dir das Geld vielleicht nicht mehr so wichtig ist (oder doch?) und du nüchtern wirst, durch die Katharsis persönlicher Läuterung gehst, Drogen und Alkohol sein lässt (Gott bewahre, dass man noch „Mädels“ und Rock’n’Roll dazuzählt, dann bist du gebraten), und dir bewusst wirst, wie viele Qualitäten deine Musik hat, die du nie veröffentlichen konntest, dann ist das definitiv ein Geschenk für alle treuen Fans des klassischen AOR-Sounds. Der kommerzielle Selbstmord steht nicht infrage, denn Ziel der Veröffentlichung ist nicht der Verdienst (sonst wäre es definitiv einer). Es ist einfach eine Genugtuung, dass eine Sache, die es verdient, auch angemessen dokumentiert ist. „Megalomania“ ist nämlich eine echte verlorene Perle, die jungen Musikern auf der Suche nach der Perfektion des Studiosounds und der Kombination von Arrangements als Lehrstück dienen kann.

Produktion der Achtziger? Lohnt es sich, dafür Worte zu verlieren? Britische Schule? Klare Trennung zwischen der ersten Front (Gitarre und Keyboards) und der Rhythmusgruppe (Bass, Schlagzeug). Hochmelodischer, zentral platzierter Gesang, in jeder Sequenz souverän, meisterhaft ausgestattet mit Gesangsharmonien, die den Hauch von Drama weitertragen und große Stimmungen miterschaffen. Die Kommunikation zwischen Instrumenten und Gesang ist im Klangbild außergewöhnlich, und auch „Megalomania“ ist ein Album mit maximal ausgenutztem und gefülltem Klangspektrum. Der Hauch von Melancholie ist stark, denn das Werk stammt aus den Köpfen von Briten. Nicht nur das. Das Album wogt durch die Ultra-Dynamik der Frische der Riffs selbst, die allesamt kompakte, wiedererkennbare Songs aufbauen, die untereinander ein hohes Maß an Vielfalt besitzen. Das Album bietet eine bravouröse Kombination aus heiß entflammbaren AOR-Krachern: Letting Go, Something Strange, der Opener Falling Down (!!!), All I Have und End Of The World, echte AOR-Hymnen, in die sich jeder Fan dieses Genres unwiderruflich und im Nu verlieben wird. Besonders ragen dabei das hervorragende 7Days, das abschließende Right Here By My Side (mit giftigen Leppard-mäßigen Gesangschören im Refrain) und Something Strange heraus. Die Meisterschaft der Akteure von „Megalomania“ bestätigen die balladesk ausgerichteten, aber stets von konkret hervorgehobenen Rock-Riff-Spitzen umgebenen Whispers In The Dark, Wake Me Up When It’s Over und When Everything Has Changed, die ihre gierige erotische Umarmung nicht verbergen. Ungezuckert sehnsüchtig zu bleiben ist eine große Herausforderung, die die Briten offenbar immer ohne Mühe gemeistert haben. Hier zu Hause sind auf jeden Fall auch WildKard! Ein Album, das keine einzige Sekunde einknickt, ein Album mit hochwertiger Konsistenz über die gesamte Länge.

WildKard sind nah an Kick, mit einem Sound, der die Keyboards stärker betont, also klingt es trotzdem anders und ist nicht Kick. Und eigentlich ist es doch Kick. Reifer Kick im neuen Jahrtausend, der höchst überzeugend zeigt, dass sich noch klassische AOR-Juwelen verstecken, die die Zeit nicht auslöschen konnte und die auch heute ganz unerwartet aus der Vergangenheit in die Gegenwart reisen können, wo sie die muffige, ausweglose Einfallslosigkeit des modernen Hard Rock ordentlich aufmischen! Passt auf! AOR hat noch nicht das letzte Wort gesagt!

Besetzung

Nick Workman – Gesang
Chris Jones – Gitarre
Mikey J. – Bass

GASTMUSIKER:
Steve Newman – Keyboards
Olli Cunningham – Keyboards
Jonne Valtonen – Keyboards
Jaakko Niitemaa – Gitarre
Jimbo Mäkeläinen – Schlagzeug

Produktion

Chris Jones & Mikey J

Tracklist

1. Falling Down
2. All I Have
3. End Of The World
4. 7 Days
5. Whispers In The Dark
6. Wake Me Up When It’s Over
7. Something Strange
8. When Everything Has Changed
9. Letting Go
10. Right Here By My Side

Spielzeit: 43.40

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