Deadringer

0 11

Künstler: Razorback
Label: AOR Heaven Records
Veröffentlichung: 2007

Das ist ein typisches Beispiel für Hard Rock, der anheizt, anheizt und anheizt und einen nie zum Orgasmus kommen lässt! Bei der Besetzung, die unter dem Banner Razorback antritt, erwartet man nämlich deutlich mehr. In der Truppe haben sich nämlich der deutsche Gitarrist Rolf Munkes (Empire, Tony Martin Band), das Schlagzeug-„Mädchen für alles“ Mike „The Troll“ Terrana (Axel Rudi Pell, Masterplan), Bassist Chris Helm (einst bei Shylock und Lanzer) sowie am Mikro Stefan Berggren (Snakes In Paradise, Company of Snakes) zusammengefunden.

Nach dem Vorgänger „Criminal Justice“, auf dem die Jungs ihre Essenz unglücklich durch die Imitation moderner Ansätze verspielt haben und das erfolgreiche melodische/AOR-Gesicht des Debüts „Animal Anger“ komplett verschwunden ist, ist „Deadringer“ wieder genau die richtige Adresse. Klar, nach dem Reinfall mit „Criminal Justice“ hat kaum noch jemand gehofft, dass sich Razorback überhaupt wieder aufrappeln würden. Haben sie aber. Und sind, Gott sei Dank, zu dem zurückgekehrt, was sie offensichtlich am besten können.

Mit dem Ergebnis können wir allerdings nur teilweise zufrieden sein. Die Jungs überzeugen zwar als richtig gute Musiker im Bereich des melodischen Hard Rock, was die Beherrschung ihrer Instrumente angeht. Deutlich weniger überzeugend sind sie dagegen als Songschreiber. Es gibt Momente auf dem Album, die ihre Löcher und die musikalisch naive „Nacktheit“ nicht verstecken – so, als hätten die Jungs für die finale Gestalt der Melodien ihrer Refrains und Pre-Chorus-Parts locker deutlich bessere Optionen wählen können. Ein Beispiel dafür gibt es gleich zu Beginn mit dem Titelsong: bombastischer Riff, ordentliches Anheizen bis zum Refrain, der dann aber keinen atmosphärischen Höhepunkt liefert, bei dem sich einem die Nackenhaare aufstellen würden. Dieses Problem begleitet uns praktisch durch die gesamte Spielzeit, und man spürt, dass das Album noch einiges an Reserven versteckt. Vor allem vermisst man den Feinschliff bei den Gesangsharmonien, die sehr eindimensional wirken, und Mike Terrana spielt am Schlagzeug quasi die Rolle des kompletten Statisten. Schade, dass die Band das große Können dieses Kerls nicht nutzt, denn Munkes‘ Soli sind auf der anderen Seite das Beste, was wir auf „Deadringer“ geboten bekommen, aber ihre Wirkung verpufft einfach angesichts des allgemeinen Mangels an Einfallsreichtum der Macher von „Deadringer“. Kurzum: Das große Potenzial der Band für beeindruckende instrumentale Intros und Outros sowie Interludes ist da, bleibt aber ungenutzt. Deshalb hat das Album nicht die nötige Dynamik, weil sich Terrana nicht die Mühe macht, die Übergänge zu bauen, die wir von ihm gewohnt sind. Der Mann ist ein echtes Schlagzeugtier, für alle, die seinen Beitrag bei Rage kennen. Außerdem vermisst man ein fünftes Bandmitglied. Nämlich einen Keyboarder. Dem Album fehlt die nötige Stimmung. Steffan Berggren ist ein klassischer Besessener von Ronnie James Dio (Last Man Standing) und David Coverdale (Let Me Give My Lovin‘). Beide Songs in Klammern sind im Stil von Dio bzw. Whitesnake gehalten, sogar die Strophen steuern frech und rücksichtslos auf die genannten Vergleiche zu.

Offensichtlich sind Razorback eine Zweckgemeinschaft auf Zeit, die Mitglieder atmen nicht im Gleichtakt für die Band und geben nicht ihre 100%. Deshalb ist auf dem Album auch keine echte Chemie zu spüren! Die Jungs müssen künftig vor allem an den Arrangements der Refrains feilen, die der Kern jedes guten melodischen Hard Rock sind.

Schön, dass sie mit einem Teil des Materials auf das Debüt zurückgeschielt haben, aber wenn sie sich dem Erstling annähern wollen, braucht es in erster Linie ein Upgrade: neben dem Feilen an den Melodien der Refrains vor allem einen Keyboarder, etwas mehr instrumentalen Mut und damit eine Portion Theater und Witz durch das Zusammenspiel von Rhythmusgruppe und Gitarren, dazu bessere mehrstimmige Gesangsarrangements, die auf „Deadringer“ sehr leer und naiv klingen! Vor allem aber würde Razorback vielleicht eine Gehirnwäsche guttun, um sich von ihrer Besessenheit von Rock-Idolen zu befreien und künftig ein Fünkchen eigene Originalität zu zeigen.

Besetzung

Stefan Berggren – Gesang
Rolf Munkes – Gitarre
Chris Helm – Bass, Gitarre
Mike Terrana – Schlagzeug

Produktion

Rolf Munkes

Tracklist

1. Faint Distant Bell Ring
2. Deadringer
3. Last Man Standing
4. Take Me To The Other Side
5. Hero
6. Line Of Fire
7. Burden
8. Miracle Baby
9. Rock ’n‘ Roll Life In Hellsinki
10. Let Me Give My Lovin‘
11. Razor Blues

Spielzeit: 51.45

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Cookies, um Online-Dienste, Werbesysteme und Funktionen bereitzustellen, die ohne Cookies nicht angeboten werden könnten. Mit dem Besuch und der Nutzung der Website stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Akzeptieren Mehr erfahren

Datenschutz & Cookies