Master haben Orto bombardiert! (2009)
Autor: Rok Klemše
Fotos: Aleš Podbrežnik
Ort: Orto Bar / Ljubljana / Slowenien
Konzertdatum: 26.01.2009
Besucherzahl: 50
Kartenpreis: 18,00€
Kaum sind wir richtig ins neue Jahr gestartet, biegen sich unsere Konzertbühnen schon ordentlich unter dem Gewicht einer stattlichen Anzahl ausländischer und heimischer Heavy-Metal-Bands – der Löwenanteil davon auf Konzerten unter dem Taktstock der unermüdlichen Umazani dihurčki. Diesmal haben sie den Old-School-Death-Metal-Fans ein Lächeln ins Gesicht gezaubert – mit der Tournee Strike Your Idols Down 2009 und den legendären amerikanisch-tschechischen Death-Metallern Master, angeführt vom Paten des Death Metal persönlich, Paul Speckmann. Master wurden auf der Tournee von drei Vorgruppen begleitet: den Hardcore-Typen Deaf Noise, den Death-Metallern Vermin und der Melodic-Death-Kombo Pariah. Aller Respekt vor den Vorgruppen, die schließlich ihr Brot verdienen müssen wie jeder andere auch – aber ein schlechteres Vorprogramm für eine Band wie Master wäre kaum zu finden gewesen. Mit schlicht Schlechtem bis bestenfalls Durchschnittlichem, das sich da oben viel zu lange hingezogen hat, will ich euch lieber nicht quälen – so umgehe ich auch am elegantesten die Kritik, die sich die drei Vorprogramme verdient hätten, hehe.
Gegen elf Uhr haben wir dann endlich die oft zu Unrecht übersehenen Giganten des Death Metal zu Gesicht bekommen, angeführt vom legendären Paul Speckmann. Speckmann gründete seine erste Band, Death Strike, bereits im fernen Jahr 1983, die sich zwei Jahre später in Master umbenannte. Die Band gilt damit neben Death, Possessed und Morbid Angel als eine der allerersten Death-Metal-Bands überhaupt, und Speckmann darf man getrost zur heiligen Dreifaltigkeit der Death-Metal-Paten zählen – neben Chuck Schuldiner, Jeff Beccari und Dave Vincent. Kurz nach der Gründung von Master verließ Speckmann wegen Enttäuschungen mit Labels und anderer Umstände die USA und ließ sich in Tschechien nieder. Master löste er sogar für eine Zeit lang auf und spielte in anderen Bands, 1998 kehrten sie dann mit dem Album Faith Is in Season zurück. Vor zwei Jahren veröffentlichten sie noch die ausgezeichnete Comeback-Scheibe Slaves to Society, und in diesem Jahr kehrten sie zum dritten Mal auf unsere Bühnen zurück. Und von den ersten Momenten, als Master die Bühne betraten, bis zur letzten Sekunde des letzten Songs war das eine glasklare Old-School-Death-Metal-Lektion vom Feinsten. Bei Paul spürt man den starken Einfluss von Bands wie Venom und Motorhead – der Bass knallt ohne Gnade, und wenn er sich vor das leicht erhöhte Mikrofon duckt, sieht er aus wie eine Art Death-Metal-Pietà. Bei Master gibt es kein Erbarmen, denn die Formel ist einfach, aber verdammt wirkungsvoll: kurze bis mittellange Songs, ansteckende Riffs, chaotische Death-Metal-Soli, Polka-Rhythmus-Schlagzeug und verzerrtes Bass-Geklapper. Und über allem thront Pauls giftiges, brutales Gegröle. Master präsentierten einen kompletten Querschnitt durch ihre Karriere, mit Songs von der ersten bis zur letzten Platte – vom Klassiker Master bis hin zum eröffnenden Brecher von Slaves to Society, The Final Skull.
Wenn du Masters Bombenangriff live erlebst – der sich locker mit der Bombardierung Dresdens vergleichen lässt –, spürst du sofort den starken Geist des authentischen Death Metal der Achtziger. Und daran, dass Master viel zu selten im gleichen Atemzug wie die anderen Pioniere des Genres genannt werden. Aber vielleicht ist es auch besser so, dass Master dort bleiben, wo sie sind – im Underground… und in diesem Underground sind sie nichts weniger als Meister.
Fotos: Aleš Podbrežnik
Setlist
1. What Kind Of A God 2. The Line To Kill 3. Master 4. Shoot To Kill 5. Slaves To Society 6. Judgement Of Will 7. All We’ve Become 8. Collection Of Soul 9. Return To Vietnam 10. Unknown Soldier 11. Funeral Bitch 12. The Gold Mine 13. The Final Skull 14. Cut Thru The Filth 15. Let’s Start A War 16. Whatever Wherever Forever 17. Special Skills —Zugabe— 18. Pay To Die 19. Follow Jesus
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