Mask Of Sanity

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Interpret: Sinner
Label: MTM Records
Release: 2007

Sinners neues Album „Mask Of Sanity“ ist ein klassisches Sinner-Album. Wofür Sinner in 25 Jahren Karriere mit ihrem Wesen standen, dem bleiben sie auch treu. Mat Sinner, unbestrittener Boss und Gründer der Band, mit bürgerlichem Namen – und für heimische Ohren deutlich freundlicher klingend – Mathias Lasch, ist ein unglaublich fleißiger Kerl. Er ist ständig als Agent auf der Suche nach Metal- und Hardrock-Newcomern, hilft ihnen bei der Produktion, steuert Ideen bei, kurz: der große Guru der deutschen Metal- und Hardrock-Szene. Sein tägliches Arbeitspensum ist offenbar so vollgepackt, dass das nicht mal das furchtbar einfallslose, ideell abgenudelte Cover und der Albumtitel verbergen können. Mat ist außerdem besonders bekannt für seine erfolgreiche Karriere als Bassist bei Primal Fear. Na ja, wenn wir zum Einstieg bei den „deutschen Adlern“ starten, was die Bewertung des neuen Sinner-Albums angeht, merken wir sofort: „Mask Of Sanity“ ist viel eher ein Hardrock- als ein Heavy-Metal-Album, und erst recht kein aggressives Heavy-Metal-Album im Stil der mittleren bis späteren Primal Fear („Black Sun“ bis „Seven Seal“). Die Produktion bleibt dagegen roh und lebendig, typisch und unverkennbar für Mat Sinners Produzentenarbeit überhaupt.

Sinner greifen schon lange nicht mehr mit der gesamten Artillerie an, die das Waffenarsenal des Heavy Metal hergibt. Mit dem Metal, der in der Ära von „Judgement Day“ (1996) und vor allem der unvergesslichen Metal-Bibel „Nature Of Evil“ (1998) – dieses Album sollte eigentlich in jedem Haushalt im Privatbesitz sein – das klassische Heavy-Hardrock-Gesicht der Band so grandios aufgewertet hat.

„Mask Of Sanity“, bereits das 14. Studioalbum der Band, ist in erster Linie dafür gemacht, dass Sinner damit ihren Namen am Leben halten und nicht von der gnadenlosen Metal-Landkarte verschwinden, die heute von harter Konkurrenz durchtränkt ist. Sinner spielen also „weicher“ – das heißt melodischer; wilde Knüppler wie noch auf „There Will Be Execution“ (2003) Finalizer sucht man eigentlich vergeblich. Die Ausnahmen sind Thunder Roar und Under The Gun, Songs, die den Angriff des erwähnten Finalizer in sich tragen und in deren Refrains Ralf Scheppers (Primal Fear) mit seiner kreischend unverkennbaren, stählernen „Priest“-Note für die Metal-Dosis sorgt – aber auch die erreichen nicht diese Schärfe. Da gibt es nämlich noch einen dritten Faktor, der wegen der größeren melodischen Komponente der Gitarren im Vergleich zu früheren Sinner-Alben stärker betont ist. Das sind die Keyboards.

„Mask Of Sanity“ flirtet bei alldem wieder mehr mit den Achtzigern. Und wenn das so ist, klingen die neuen Sinner eigentlich wieder mehr nach „Lizzy“. Thin Lizzy? Aha! In den Hardrock-Schablonen, die das neue Album stärker prägen, kommen wieder mehr die dreistimmigen Harmonien zur Geltung, die die Jungs treu über die Riffs „picken“ (zupfen) –  sonst eine Konstante, aber das Zweite, was (wieder) deutlicher an Thin Lizzy erinnert, ist Mats – für die generelle stählerne „rationale Kühle“ des Heavy Metal eigentlich untypisch typischer – warmer Gesang, mit dem er am Ende der Strophen „unanständig“, aber gelungen, die Linien durch die Nase zieht, was das Gift von Lynotts Stimme einbringt. Wie gefährlich nah Mat Sinners Stimme an den legendären Thin-Lizzy-Sänger herankommen kann, bestätigt die Coverversion des Thin-Lizzy-Klassikers Baby Please Don’t Go am Ende des Albums.

Das ist noch ein schönes, traditionelles Sinner-Album. Vollgepackt mit meisterhaft eingewobenen typischen Sinner-Melodien, der Männlichkeit von Matts Gesang, auf einem soliden Riff-Gerüst. Ein Album, das auf dem Feld der musikalischen Evolution rein gar nichts bedeutet. Nicht für die Band, nicht für den Hardrock und nicht für den Heavy Metal. „Mask Of Sanity“ ist ein Sinner-Album für Sinner-Fans. Kurz: ein sehr vorsichtiges, Low-Budget-Album, das nur das bietet, was Sinner am besten können und was sie heute offenbar noch draufhaben. Motivisch sparsam, genügsam und bedacht, ein typischer Spiegel der deutschen Hard-’n‘-Heavy-Rock-Kultur. Ein Album für alle Nostalgiker von Accept, Scorpions, den Engländern UFO, Thin Lizzy und natürlich der „frühen bis mittleren“ (1978 – 1982) Judas Priest. Was soll ich sagen, ich mag Sinner halt! Und keine Sorge. Die Jungs haben mit „Mask Of Sanity“ noch lange nicht vergessen, was ein echtes „bad to the bone“-Album ist!

Besetzung

Mat Sinner – Gesang & Bass
Tom Naumann – Gitarre
Christof Leim – Gitarre
Frank Roessler – Keyboards
Klaus Sperling – Schlagzeug

GASTMUSIKER:
Andy B. Franck – Gesang
Ralf Scheepers – Gesang
Martin Grimm – Gesang

Produktion

Mat Sinner

Trackliste

1. The Other Side
2. Diary Of Evil
3. Badlands
4. Black
5. Thunder Roar
6. The Sign
7. Revenge
8. Under The Gun
9. Can’t Stand The Heat
10. No Return
11. Last Man Standing
12. Baby Please Don’t Go

Spielzeit: 49.49

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