Manj je več

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Autor: Aleš Podbrežnik

Interpret: Budna, Samo
Label: Sedvex
VÖ: 2009
Laufzeit: 35:54
Wertung: 4.5/5

Obwohl die Spatzen es schon lange von den Dächern pfeifen, dass Kreslins Geiger und ehemaliger Kopf und Mitglied der famosen prleška-Band Posodi mu jürja, Samo Budna, an einem neuen Album arbeitet, ist sein erstes eigenständiges Studioalbum »Manj je več« – erschienen bereits 2009 – durch glückliche Umstände endlich in RockLines Rezensions-Mühle gelandet. Klar ist: Bei RockLine würde sich 2013 niemand die Mühe einer Rezension machen, wenn dieses Werk nicht wirklich anders wäre. Unverwechselbar. Kurzum: Das ist ein wirklich, wirklich schöner musikalischer Moment.

Wenn du aus dem Prekmurje-Raum stammst und Musiker bist, wird von dir heute geradezu erwartet, ein interessantes musikalisches Statement mit klarer und eigenständiger kreativer Tiefe abzuliefern. Bei Samo Budna ist das nicht anders. Der Typ, der sich durch zwei aktive Jahrzehnte im Musikbusiness gehärtet hat, hat seine musikalischen Stärken und Talente soweit verfeinert, dass er gespürt hat: »Es ist Zeit für mein eigenes Soloalbum!« Um sich scharte er eine bewährte Musikertruppe – und wenn »Manj je več« durch die Kopfhörer läuft, bekommst du das Gefühl, dass da eine ganze Band mitspielt. Dass es sich also um ein Bandalbum handelt. Autor aller Arrangements und der Musik sowie der Texte – mit Ausnahme des Stücks Komu boš rekla (ein Gedicht von Feri Lainšček) – ist Samo Budna.

Wie der Albumtitel schon sagt, ist »Manj je več« ein Werk kurzer, entspannter, aber prägnant expressiver musikalischer Gesten, die auf der wirkungsvollen Vermittlung von Emotionen in Samo Budnas Vokalinterpretation wogen. Mit seinem charismatischen Gesang wusste er schon in Zeiten der Band Posodi mi jürja wirkungsvoll zu bezaubern. Die Begleitband arbeitet tatsächlich nach dem Vorbild eben dieser Gruppe. Das Klangbild, das die Musikertruppe kreiert, wird optimal ausgeschöpft! Es ist ungemein verdichtet, dynamisch, abwechslungsreich – und das ist das Wichtigste. Die Bausteine dieses kompakten musikalischen Puzzles existieren in einer einzigartigen Symbiose spielerischer Ausführung.  Alle Elemente funkeln gleichberechtigt und kommen auf dem Album zur Geltung – niemand dominiert, niemand ist untergeordnet. Im Zentrum steht Samo Budnas hochkarätig charismatischer Gesang. Wo das Prekmurje ist, da wohnt gewöhnlich die Melancholie. Sie ist auf dem Album spürbar präsent. Besonders kontrastiert wird sie durch die Einbettung des traditionellen Prekmurje-Melos. Die Kulisse dafür halten neben Samo Budnas Melodielinien eigens hinzugefügte Arrangements für Mandoline, Streicher, Piano, Akkordeon und Mundharmonika aufrecht. Ein Beispiel dafür ist etwa Lahko se zgodi, wo die Kombination aus Streicher- und Pianosatz zusammen mit Samos feinfühligem Gesang die Aussagekraft der Verse besonders eindrucksvoll zum Leben erweckt – während man das Stück Tebi sonce sije getrost als eines der wirkungsvollsten Beispiele für die Verbindung von Folk-Musik mit Rock und Pop bezeichnen könnte. Alles auf dem Album klingt organisch, natürlich. Deshalb ist das ein sehr lebendiges Album.

Die Rhythmussektion ist fest, geschmeidig – und ihr Ausdruck ist aktiv. Der rhythmische Vortrieb der Drums färbt nämlich durchgehend wirkungsvoll die warm-samtige, lebhafte Haltung der Melodielinien der Bassgitarre. Dazu gibt es als ausgleichendes Element einen außergewöhnlichen Klangteppich aus Synthesizern, Hammond-Orgelklang und Piano (lies: »Klarič ist der King!«), dazwischen drängen sich klar platzierte Gitarrenphrasen in die Stücke, die im Narrativ von »Manj je več« ein Rockgefühl herausarbeiten. Der unbestrittene erste Anziehungspunkt des Albums ist aber Samo Budnas Gesang, der durchgehend tief empfunden ist. Er ist melancholisch angelegt, scheu, aber auch in sich gekehrt. Also persönlich bekennend. In seiner überzeugenden Art, die Aussagekraft der Verse zum Leben zu erwecken – vor allem durch die ausgesprochen schöne Vokalfärbung – ist er buchstäblich ansteckend und hält als solcher den Hörer schon wirkungsvoll bei der Stange, von der ersten bis zur letzten Minute des Albums.

Aber längst nicht alles ist in Melancholiesentiment getaucht. Zate nocoj ist das Stück, das leidenschaftlich sehnend auf dem Album leuchtet. Im Schein der Erwartung. Mit diesem Stück nähert sich Budna einer wirkungsvoll konstruierten Verbindung aus Strophe und Refrain, die das Stück schrittweise bis zum Höhepunkt im Refrain-Crescendo steigert – und damit zu echter Radio-Tauglichkeit. Ein geborener Hit-Single! Die Streicher-Arrangements halten in diesem Stück die musikalischen Wurzeln ihres Schöpfers wirkungsvoll lebendig!

Gut 35 Minuten Musik, neun gleichwertige musikalische Bekenntnisse, die qualitativ an keiner einzigen Stelle absacken. Samo Budna ist es auf seinem ersten eigenständigen Studioalbum gelungen, das wesentliche Element jeder Musikgeschichte mit Happy End wirkungsvoll zu verkörpern. Das Album ist durchdrungen von der eigenständigen Tiefe des handwerklichen Könnens des Autors beim musikalischen Arrangieren. Wenn du ihm zuhörst, ist sofort klar, warum es in seiner Schwingung so nah an den Werken Vlado Kreslins klingt – aber auch an denen des jüngeren Dominik Bagola, obwohl Letzterer »alternativ« unterwegs ist, was man von Samo Budna keinesfalls sagen kann. Doch dieses energetische Band, das mit der geografischen Herkunft zusammenhängt, kommt im Melos selbst durchgehend klar zum Ausdruck. Und genau deshalb ist das Album »Manj je več« so anziehend. Weil es besonders und anders ist – man könnte sogar sagen, es ist in gewissem Maße ursprünglich elementar. Jedenfalls durch und durch von unverwechselbarem Geist. Ein außerordentlich schönes Werk. Ein Werk starker kreativer Ausstrahlung!

Besetzung

Samo Budna – Gesang, Mundharmonika, Violine, Akustikgitarre, Akkordeon, Hintergrundgesang
Borut Horvat – Schlagzeug, Hintergrundgesang
Sašo Lamut – Akustikgitarre
Peter Beznec- Bassgitarre, Hintergrundgesang
Davor Klarič – Piano, Hammond, Rhodes
Robi Pikl – elektrische & akustische Gitarre

GASTMUSIKER:
Miro Tomassini – Mandoline auf den Tracks Nr. 1 und 2
Žiga Golob – Kontrabass auf den Tracks 1 und 9
Blaž Celarec – Perkussion
Maja Naveršnik – Violine
Tina Krajnik – Violine
Andreja Zupanc – Violine
Rok Golob – Violine, Streicherarrangement für Track Nr. 5

Produktion

Peter Ošlaj, Rok Podbevšek, Samo Budna & Janez Križaj

Trackliste

1. Dober dan
2. Zate nocoj
3. Festival kiča
4. Komu boš rekla
5. Lahko se zgodi
6. Manj je več
7. Ta večer
8. Greva v tišino
9. Tebi sonce sije

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