Amor

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Autor: Aleš Podbrežnik

Interpret: Dance Mamblita
Label: ZARŠ Records
Erschienen: 2013
Laufzeit: 35:12
Bewertung: 2/5

Dance Mamblita melden sich mit ihrem dritten eigenständigen Studioalbum zurück. Die Zeiten ändern sich, die Besetzungen auch. Das Duo ist inzwischen zum Trio herangewachsen. Boris Beštjak wurde am Schlagzeug von Maksimiljan Rojc ersetzt, und das Duo hat außerdem die Vokalistin Đuli Jenček in seine Reihen aufgenommen. Im Gegensatz zu den Zeiten müssen sich Bands aber nicht zwangsläufig evolutionär mit ihnen verändern. Motörhead spielen seit 35 Jahren ein und denselben Riff, AC/DC genauso, sogar Status Quo,…

Dance Mamblita haben schon immer auf Minimalismus gebaut. Und dabei bleiben sie. Der radikal abgespeckte Sound enthielt nur Schlagzeug, Bassgitarre und Gesang. Auch auf dem neuen Album »Amor« bleiben Dance Mamblita dieser Ausrichtung treu. Die musikalischen Wurzeln der Band lassen sich natürlich im Punk- und Hardcore-Erbe verorten. Dance Mamblita versuchen, die Nacktheit der Arrangements zu kaschieren. In dieser Hinsicht war die Zusammenarbeit mit dem Duo Portofado, bestehend aus den »reisenden« Mädels Angelica und Francesca, fast schon notwendig. Šik und Rojc sind nun mal weder Neil Peart noch Geddy Lee, weshalb ihre Ausdrucksrange extrem eingeschränkt ist. Sowohl im konzeptionellen, ausführenden als auch im arrangierenden Charakter. Auch wenn das Eröffnungsstück Vatreni mit seinen fast stonerartigen »Windungen« höhere Erwartungen weckt, ertränkt die weitere Entwicklung des Albums diese schnell! Vor allem wenn sich die beiden Musiker in lange instrumentale Passagen verwickeln, in denen sie ein und dieselbe Phrase durch mehrere repetitive Schleifen im Viervierteltakt drehen – denen ist nämlich kein Ende in Sicht. Wenn sie wenigstens konzeptionelle Verschiebungen in Sachen Improvisation enthielten. Nichts davon. Das bestätigt sofort der zweite Song des Albums Como va, der in seinen fünfeinhalb Minuten (auch denen ist kein Ende in Sicht) in seiner »Einsilbigkeit« extrem eintönig daherkommt. Der Song ist schlicht zu lang.

Dance Mamblita waren schon immer Zyniker. Und das bleiben sie auch. Die Vokaleinlagen sind in den Strophen fast einsilbig. Mit ihrer banalen Pavianhorden-Grölerei versuchen sie, beim Hörer halt auf spaßige Weise an die Gefühle zu klopfen. Das Album hingegen funktioniert zumindest in einer Hinsicht effektiv: Es trägt eine spontane Note. Offensichtlich wurde es auf Anhieb hingehauen. Zumindest das, wenn es trotz Garagensound nicht gelingt, aus seinem Spiel die nötige Spannung herauszuholen, mit der es einen »ernsthaften« Hörer bei sich halten könnte (die Messlatte der Toleranzschwelle für Ernsthaftigkeit ist diesmal wirklich tief gesetzt).

Es will sich durch eine einfache musikalische Sprache annähern, die versucht, seine Banalität mit Momenten grenzenloser Gaudi bei den Aufnahmesessions im Studio zu kompensieren. Darin ist es erfolgreich. Musikalisch gesehen wirkt das Album »Amor« in der Gesamtbilanz wie eine Sammlung roher Demo-Aufnahmen, die soweit fertig sind, dass man Arrangements für E-Gitarre darüberlegen könnte. Genau deshalb kann dieses Album für diejenigen, die »Abgedrehtheit« suchen, vielleicht sogar interessant sein, weil es wirkt, als wäre es nur halb fertig. Bis zum Song Barcelona passiert eigentlich nichts Besonderes, doch in diesem Song gelingt es der Band, ein Akkordeon-Arrangement bildhaft einzufügen, das in einem anderen Umfeld auch in der traditionellen Melodik des portugiesischen Fados hätte eingesetzt werden können. Zum Glück wiederholt die Band einen ähnlichen Trick in Dance Machine.

Am Ende rettet dieses Werk sogar der Fado-Ausflug des Duos Angelica und Francesca. Paradox genug, aber ihr Song Marujo Portugues / Rosinha dos limosa ist sogar der kreative Höhepunkt dieses konzeptionell ausgeplünderten und verarmten »alternativen« Rock-Albums.

Besetzung

Andrej Šik – Gesang, Bassgitarre
Maksimiljan Rojc – Gesang, Schlagzeug
Đuli Jenček – Gesang, Tamburin

GASTMUSIKER:
Portofado:
Angelica Froschi – Akkordeon
Francesca Colli – Gesang

 

Produktion

Samo Pavlica Linch & Andrej.Šik

Trackliste

1. Vatreni
2. Como va
3. Sometimes
4. Brije
5. Barcelona
6. Lepo naj ti bo
7. Dance Machine
8. Amor
9. Marujo Portugues / Rosinha dos limosa

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