Lost Highway

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Interpret: Bon Jovi
Label: Mercury Records
Veröffentlichung: 2007
Spielzeit: 50.00
Bewertung: 2/5

Was trennt schlecht von noch schlechter? Im Fall von Bon Jovi ist das ganz sicher ihr neuester Beitrag zur weltweiten Rocker-Kulinarik, passend betitelt Lost Highway. Lost? Definitiv, aber ich glaube, die Jungs haben sich schon lange vor dieser jüngsten zuckersüßen Demonstration analer Lieferung quasi-rockiger Ideenhäppchen verlaufen. Kaum hat man sich langsam mit der Tatsache abgefunden, dass Bon Jovi auf das tiefstmögliche Niveau gesunken sind, dementieren Jon und seine Kompanie das wieder und wieder fröhlich mit einem besonders geschmacklosen Machwerk, das weniger an ein Dokument zweifelsfreier Qualitäten der Band erinnert als an ein weiteres in der Reihe gesichtsloser, inhaltlich komplett leerer Musikstücke, an die wir uns von Bon Jovi im letzten Jahrzehnt längst gründlich gewöhnt haben. Dabei muss man betonen, dass sich die Altherren bei all der Maschinerie, die sie seit Jahren „künstlich am Leben hält“, solche Spielereien natürlich leisten können. Ganz im Ernst, Leute! Realistisch betrachtet würde man heute kaum jemanden unter uns finden, der bezweifelt, dass Bon Jovi ihre kommende Tour ausverkaufen würden.

Was haben Bon Jovi uns also im Jahr 2007 Neues zu bieten? Absolut nichts! Lost Highway ist in jeder Hinsicht ein vorhersehbares Kommerzprodukt, vollgepackt mit zarten, sangbaren Balladen und Schlagern, ideal fürs sonntägliche Rumliegen im hohen Gras deines Lieblingsparks. Oder anders gesagt: noch eine Zurschaustellung der „sexuellen“ Manneskraft des Hengstes Jon Bon Jovi und der Ohnmacht des großen Richie Sambora, dessen Rolle auf Lost Highway auf ein beinahe unmerkliches Niveau zusammengestutzt wurde. Abgesehen von gelegentlichen Soli, die in nichts auf das große Potenzial des Gitarristen hinweisen, sieht Jon in Sambora für die Zukunft offenbar vor allem den Backgroundsänger, der brav seinen verzuckerten Gesangslinien folgt. Eine andere Entwicklung als bei You Want To Make A Memory oder den Country-angehauchten Seat Next To You und Whole Lot Of Leaving lassen die Songs einfach nicht erahnen. So umgibt die meisten Stücke des Albums eine ohrenfreundliche Umgebung, deren „aufregendste“ Momente mit dem Opener Lost Highway, dem hüpfenden Summertime und dem für diese Verhältnisse unvorstellbar krachigen We Got It Going On kommen, dem Zwilling von It’s My Life, dessen pathetischer Text an Jons dämliche „bad boy“-Lyrik erinnert. Kein Wunder, dass sich der Mann lieber an herzensfreundlichere Themen und Rhythmen hält, die all seine Interpretationsqualitäten umso besser zur Geltung bringen, wenn auch klischeehaft limonadig. Darauf baut sich auch das gesamte Bild dieses ansonsten produktionstechnisch sehr starken Albums auf, das leider erneut alles andere als nach Teamarbeit klingt. Vor allem stört, dass der kaum spürbare Beitrag der übrigen drei Bandmitglieder stark an eines von Jon Bon Jovis Soloprojekten erinnert, im Sinne von Destination Anywhere! Das, was uns David Bryan und Tico Torres neben dem bereits erwähnten Sambora auf Lost Highway bieten, ist wirklich keinen müden Groschen wert, denn ihre Anwesenheit ist praktisch nirgends auszumachen. Jon hat sich das gesamte Wirken der Band eben schon vor langer Zeit komplett untergeordnet, sie funktioniert ausschließlich nach den Ideen und Plänen des Sängers. Das fällt auf Lost Highway auf Schritt und Tritt auf. Wie sehr das dem Ruf von Bon Jovi nützt, wird die Zeit zeigen. Auf jeden Fall würde es dem Herrn in Zukunft guttun, wenigstens ein bisschen darüber nachzudenken, was der Sinn davon ist, solche Alben zu machen, die statt Qualität vor allem eine Ausrede für noch eine megalomane Welttournee liefern. Denn Lost Highway ist eben nur ein weiteres Album in der Serie langweiliger Bon-Jovi-Platten, das manch eine Liebhaberin leicht verzuckerten, romantischen Pop-Rocks zufriedenstellen und auf der anderen Seite all ihre älteren Fans zusätzlich frustrieren wird.

Besetzung

Jon Bon Jovi: Gesang
Richie Sambora: Gitarre, Backing Vocals
David Bryan: Keyboards, Backing Vocals
Tico Torres: Schlagzeug
—————–
Hugh McDonald: Bass
Bobby Bandiera: Gitarre

Produktion

Dann Huff & John Shanks

Tracklist

1.Lost Highway
2.Summertime
3.(You Want To) Make A Memory
4.Whole Lot Of Leaving
5.We Got It Going On
6.Any Other Day
7.Seat Next To You
8.Everybody’s Broken
9.We Ain’t Strangers Anymore
10.The Last Night
11.One Step Closer
12.I Love This Town

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