Live at the Moonlight Club

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Interpret: Specials, The
Label: EMI Records
Veröffentlichung: 1992
Laufzeit: 30.06
Wertung: 4/5

The Specials sind die Fahnenträger des sogenannten 2 Tone-Genres, das im Grunde ein Hybride aus Ska, Punk und Reggae ist, grob vermischt mit Elementen populärer Musik. Den Begriff 2 Tone prägte höchstpersönlich The Specials-Mitglied Jerry Dammers, der wie viele seiner Zeitgenossen seine Jugendjahre damit verbrachte, die heißblütigen jamaikanischen Klänge und Rhythmen aufzusaugen. Der sprühende musikalische Ausdruck, den die Ska-Chronologie  eifersüchtig unter der Bezeichnung „zweite Welle“ führt, ist auf der britischen Inselszene aus den finsteren Tiefen der Risse jener tektonischen Szenenverwerfungen aufgekeimt, die in der zweiten Hälfte der 70er entstanden! Die Geburt des Genres, unmittelbar nach dem Ende des verheerenden  Punk-Feldzugs, war ein zusätzlicher Schub für die Entwicklung der rasant verfallenden Musikszene. Seine Hauptwaffe aber war eben jenes Septett aufmüpfiger Typen gemischter Herkunft aus Coventry, auch bekannt als The Specials.

Live at the Moonlight Club ist ein Dokument, das besondere Aufmerksamkeit verdient. Vollgepackt mit einfachen Gefühlen und einem fast schon stumpfsinnig abgehackten musikalischen Minimalismus, zeigt es anschaulich die Rohheit des Bühnenbilds der Frühphase der Band. Damals waren The Specials gewiss besondere, wenn nicht gar wahnsinnige junge Kerle, fest entschlossen, die etablierten Strömungen der Popmusik in neue, unerforschte Bahnen zu lenken. Die Jungs begeistern auf dem Album durchgehend mit einer stark herausgearbeiteten witzigen Note, die dem ungewöhnlichen, ska-diktierten Klangbild zusätzliche Energie verleiht. The Specials pflegen eine spezifische Gesangshaltung, deren unnatürliche Textur das untrainierte Ohr vielleicht an den vielstimmigen Ansturm kaum merklich aufgebrachter Leeds United-Hooligans erinnern dürfte.

Zudem präsentieren sich die Jungs trotz aller Schlichtheit und Unerfahrenheit als fruchtbare musikalische Innovatoren, denen eine meisterhafte Revitalisierung der Hauptkomponenten des originalen jamaikanischen Ska-Sounds gelungen ist. Ihr Sound bleibt der Energie und dem Humor der Vorbilder treu, und während sie die Tradition respektieren, haben The Specials der musikalischen Evolution ihren ganz eigenen Stempel aufgedrückt – durch die Einbringung einer aggressiveren, dem Punk verwandten Haltung, diverser elektrifizierter Schlaginstrumente und letztendlich auch durch die geschickte Implementierung ausgefeilterer Blechbläserarrangements.

Live at the Moonlight Club ist ein unaufhörlich hopsendes Klangwesen, zusammengesetzt aus alten Ska-Standards und Eigenkreationen – typisch für das ungezähmte Herz und die Seele der 2 Tone-Bewegung jener Zeit. Die beängstigende Intensität und rohe Kraft der Darbietung, die das Album pflegt, hat sich auf Betreiben von Perlen wie Too Hot des jamaikanischen Ska-Champs Prince Buster aufgebaut, gefolgt von der dynamischen Interpretation des Songs Monkey Man der Vokalreggae-Pioniere Toots & The Maytals, und dann wären da noch deren Kollegen Pioneers, deren Flagge durch einen behutsamen Abstieg durch Long Shot (Kick The Bucket) hochgehalten wird. Natürlich haben The Specials auch eigene Beiträge zur weltweiten Musikküche zu bieten. Too Much Too Young, Black Expression und Little Bitch erweisen sich als zähe und von schamlosem Zynismus durchdrungene musikalische „Lobgesänge“ auf eine Gesellschaft am Rande des sicheren Kollapses. Schönfärberei gibt’s hier keine. Gesellschaftliches Engagement, das auf direkter Kritik sozialer Verhältnisse basiert, leichte Rhythmen karibischen Ursprungs, aufgewertet durch Fantasie und illustriert durch die abgewetzte Hand eines hageren Vertreters der englischen Arbeiterklasse – all das waren einst The Specials. Herolde der Geburt eines neuen Glaubens, der einen seiner Grundsteine genau mit Live at the Moonlight Club legte! Empfehlenswert!

Besetzung

Terry Hall: Gesang
Lynval Golding: Gitarre, Gesang
Roddy Byers: Gitarre
Horace Panter: Bass
Jerry Dammers: Keyboards
Neville Staple: Perkussion, Gesang
John Bradbury: Schlagzeug

Produktion

The Specials

Tracklist

1. It’s Up To You
2. Do The Dog
3. Monkey Man
4. Blank Expression
5. Nite Klub
6. Concrete Jungle
7. Too Hot
8. Too Much Too Young
9. Little Bitch
10. Long Shot (Kick The Bucket)

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