Live
Interpret: Running Wild
Label: G.U.N. Records
Veröffentlichung: 2002
Bewertung: 3/5
Na, na, na… da muss ich echt grinsen! Nach „Ready For Boarding“ aus dem fernen Jahr 1988 gibt es endlich wieder eine neue offizielle Live-CD der legendären deutschen Heavy-Metal-Band. Zur völlig falschen Zeit. Die Hintergründe kennen wir leider nicht, wahrscheinlich liegt die Antwort im Vertrag zwischen Band und Label. Auf einer kurzen europäischen Tour im zeitigen Frühjahr (ausschließlich durch Deutschland) hat die Band Songs ihres neuesten und leider katastrophalen Machwerks „The Brotherhood“ promotet. Die Setlist ist entsprechend zugeschnitten, gleich fünf Nummern vom letzten Album haben es darauf geschafft. Der Sound ist trotzdem phänomenal, Rock’N’Rolf war gesanglich ohne Zweifel in Top-Form und hat alles, was er zu singen hatte, fantastisch rausgehauen. Die Gitarren haben den typisch wütenden Band-Sound, der Bass ist dynamisch, und mit dem neu rekrutierten „echten“ Drummer Matthias Liebetruth hat Rock’N’Rolf eine fantastische Lösung gefunden. Der Junge ist genau das, was Running Wild brauchen. Schnell und ausdrucksstark in den Übergängen und die ganze Zeit über so richtig flink auf der Double-Bass. Ja, ihr habt richtig gelesen, die Band ist keine „One-Man-Band“ mehr, im Booklet stehen unter der Running-Wild-Besetzung vier Mitglieder: Rolf Kasparek (Gitarre, Gesang), der „Zugereiste“ von Angel Dust Bernd Aufermann (Gitarre), Peter Pichel (Bass) und der bereits erwähnte Matthias am Schlagzeug.¨Rolf und Bernd haben sich beim Riffing, den Licks und den Terzmelodien wunderbar gefunden. Also Halleluja! Willkommen unter den Lebenden, Running Wild, und ich hoffe, ich habe mich damit nicht zu früh aus dem Fenster gelehnt.
Vor allem die älteren Nummern „Uaschitscun“, „Riding The Storm“, „Bad To The Bone“ und die beiden Fantastiker „Lead Or Gold“ und „Blazon Stone“ gefallen. Letzteren zünden sie direkt mit dem Hauptriff (ohne Intro). Songs vom „Masquerade“-Album sucht ihr vergeblich. Dafür hat man der Aufnahme des Konzerts in Osnabrück besondere Aufmerksamkeit geschenkt, denn das fantastische „Running Blood“ vom Death Or Glory-Album, das sie ein paar Tage zuvor auf derselben Tour z. B. in Kaufbauern gespielt haben, wurde auf der Setlist durch „Kiss Of Death“ von Rivalry ersetzt. Echt schade. Lieber hätte man „Kiss Of Death“ als Bonus drangehängt, statt dafür einen der besten Songs der Setlist zu opfern. Auf den Hauptteil des Konzerts folgen zwei Zugaben. Die erste besteht aus drei Nummern, nämlich dem historischen „Prisoners Of Our Time“ und „Purgatory“, dazwischen hat nach keinem erkennbaren Schlüssel auch die furchtbar langweilige Pleite „Soulstrippers“ vom letzten Album ihren Platz gefunden. In der zweiten Zugabe legen sie „Under Jolly Roger“ los, ohne den das Publikum sie zweifellos gelyncht hätte. Rolf spricht das Publikum die ganze Zeit auf Deutsch an.
Etwas stören die längeren Pausen zwischen den Songs, die Rolf für zahlreiche Kostümwechsel vom Husaren bis zum Piraten nutzt. Das killt die Stimmung, und in diesen Momenten wird auch das Publikum irgendwie still. Ansonsten beendet die Band den Hauptteil des Konzerts mit einer echten pyrotechnischen Verwüstung im einmalig klassischen Ausklang von „Victory“. Trotz aller Kritikpunkte enttäuscht dieses Livealbum keineswegs. In erster Linie rettet es der wirklich perfekte, voll aufgedrehte Bühnenauftritt der Band und der phänomenale Sound. Ein Sound, den nur Running Wild hinbekommen. Wieder einmal. Und diesmal live!
Besetzung
Rock’N’Rolf – Gitarre, Gesang
Bernd Aufermann – Gitarre
Peter Pichl – Bass
Matthias Liebetruth – Schlagzeug
Produktion
Rock’N’Rolf
Tracklist
CD 1.:
1. March Of The Final Battle (02:16)
2. Welcome To Hell (04:38)
3. Bad To The Bone (05:33)
4. Lead Or Gold (06:04)
5. Riding The Storm (05:15)
6. When Time Runs Out (06:07)
7. The Brotherhood (07:21)
8. Soulless (05:43)
9. Blazon Stone (05:21)
CD 2.:
1. Crossfire (04:58)
2. Metalmachine Solo (03:02)
3. Kiss Of Death (04:15)
4. Uaschitschun (05:32)
5. Unation (06:20)
6. Victory (06:25)
7. Prisoners Of Our Time (05:10)
8. Purgatory (06:23)
9. Soulstrippers (05:19)
10. Under Jolly Roger (04:41)
Gesamtspielzeit: 100:00:34