Legends From Now And Nowhere
Autor: Peter Podbrežnik
Band: Galloglass
Label: SPV Records
Veröffentlichung: 2003
Auf dem Aufkleber der Verpackung steht zwar, Galloglass klängen wie “ eine Mischung aus alten Helloween und frühen Blind Guardian und sogar wie die frühen Werke von Helstar und Fates Warning“, aber das ist alles meilenweit von der Wahrheit entfernt. Stimmt allerdings, dass sie sich nach Kräften darum bemühen, einige Soli und Übergänge zu simulieren, die für die genannten Metal-Urgesteine typisch sind. Galloglass haben sich die schlicht und ohne jede Scham ausgeliehen. Sound und Produktion gehen verdächtig in Richtung Rhapsody (vor allem die Songs „Dragon Revenge“, „The Quest“, „The Last Stand“). Keine Überraschung, denn das Album hat Olaf Reitmeier produziert (Luca Turilli, Kamelot). Jede weitere Ähnlichkeit mit den genannten Bands ist aber reiner Hohn, denn Galloglass müssen noch etliche Drachenköpfe abschlagen und Zwergengold zusammenrauben, bevor sie Walhall erreichen können.
Die Texte halten sich an die verzweifeltsten Power-Metal-Klischees (Ritter, Schwerter, Drachen und Magie). Nicht mal ein Konzept steckt drin, was sich für Fantasy-Texte ja eigentlich gehören würde, oder wenigstens eine halbwegs sinnvolle Botschaft, wie sie die meisten „klugen Märchen“ normalerweise haben. Nein, neben Galloglass klingen und lesen sich sogar die Texte von Rhapsody wie erlesene Poesie. Der Gesang ist zwar kristallklar und nicht so weinerlich wie bei irgendwelchen „Templer-Schürfern“ à la Hammerfall, aber trotzdem sehr blass. Er strahlt keinen Funken Energie aus und fällt oft aus dem Klangteppich heraus. Obwohl er sich die ganze Zeit aufplustert, schafft er es einfach nicht, aus seiner Durchschnittlichkeit auszubrechen. Und genau das ist ohnehin das störendste Element des ganzen Albums. Die technische Umsetzung der Instrumentalparts ist neben der guten Produktion zufriedenstellend, aber eine Kopie ist eben nie besser als das Original. Galloglass versuchen, einigen ihrer Parts im Rhapsody-Stil etwas folkrockige Magie einzuhauchen, doch das geht ihnen ziemlich unbeholfen von der Hand. Wie Rhapsody haben auch sie angeheuerte Instrumentalisten (an Violine und Flöte). Zu den einzelnen Stücken ist es eigentlich schade um jedes Wort.
Das epische „Remember The Fire“ ist schon tausendmal durchgekaut. „The Conjuring“ hat mich fast davon überzeugt, dass dieses Projekt vielleicht doch nicht so verkorkst ist, denn es ist von allen Stücken auf dem Album noch das eigenständigste. „Eye to Eye“ ist ein weiteres Klischee obendrauf, wenn man bedenkt, wie viele solcher Bands schon ähnliche Übergänge und Refrains benutzt haben. „The Quest“ ist ein Paradebeispiel dafür, wie man mit Flöte eine barocke Ballade zaubert und dabei die besten Elemente von Rhapsody klaut, mit Ausnahme des Gesangs, der unter aller Kritik ist. Das Gleiche gilt für „The Last Stand“, wo sie (erfolglos) versucht haben, die Stimmung mit Hilfe von Violinen ein bisschen aufzulockern.
Wenn das Album vorbei ist, verflüchtigen sich sämtliche Melodien im Nu aus den Ohren, weil alles so offensichtlich abgekupfert ist. Das Endergebnis ist verheerend. Als mildernden Umstand kann ich nur gelten lassen, dass es ihr Debüt ist. Deshalb drücke ich es mal ziemlich sanft aus: Es braucht noch viel, viel Arbeit, bis man sie ernst nehmen wird, abgesehen von Power-Metal-Schwärmern, für die wirklich jede Helloween-Kopie gut genug ist. Für den Anfang müsste ein besserer Sänger her, und sie sollten aufhören, bereits etablierte Metal-Bands zu kopieren. Also, lasst euch nicht von der verlogenen Werbung auf dem Aufkleber täuschen (wer hat sich eigentlich getraut, Galloglass mit Blind Guardian zu vergleichen, wo sie außer dem Fantasy-Cover rein gar nichts mit ihnen verbindet?). Ihr tut viel besser daran, euer Geld für etwas Besseres aufzuheben. Galloglass sind ein weiteres neues Metal-Märchen zur Guten Nacht, aber todlangweilig, tausendmal gehört und weniger legendär als die Bananenschale vom gestrigen Frühstück.
Besetzung
Carsten Franks – Gesang
Kai Mühlenbruch – Gitarre
Norbert Geisler – Gitarre
Dirk Zelmer – Bass
Arnd Lorenz – Schlagzeug
Produktion
Olaf Reitmeier
Tracklist
1. Dragons Revenge
2. Ancient Times
3. Wintertale
4. Remember The Fire
5. Legends From Now And Nevermore
6. Conjuring
7. Eye To Eye
8. Crusade Of The Damned
9. Quest
10. Last Stand
Spielzeit: 50:32