Leave No Ashes

0 7

Künstler: Burning Brides
Label: V2
Veröffentlichung: 2004

Burning Brides sind noch ein paar Rock ’n‘ Roll-Kinder des neuen Jahrtausends. „Leave No Ashes“ ist ihr zweites Studioalbum nach „Fall Of The Plastic Empire“ (2001). Bei der Flut an allem möglichen Post-Grunge-, Post-Punk- und Post-Brit-Pop-Aufguss findet man sich heute kaum noch zurecht, gefangen in einem riesigen Hexenkessel an Informationen, der im Grunde nur eine einzige Information darstellt, so viel wird abgekupfert und nachgeplappert. Auch die Burning Brides könnte man in eine dieser Schubladen pressen und wäre damit alle weiteren Sorgen los. Im Kern geht’s um Rock ’n‘ Roll, in den die Band Einflüsse von Hardcore-Punk und Stoner Rock mischt, sogar einen Hauch Blues, sodass das Etikett „Sludge“ hier tatsächlich mal passt.

Das Trio ist laut und scheppernd. Die Produktion liefert einen ehrlichen, sprich garagigen Sound, und trotzdem haben Burning Brides ein bisschen vorübergehend dekorative „Melodik“ zu bieten (wir reden von der oberen Grenze der Melodik, die für punkoides Stoner-Geflirte gerade noch okay ist), die garantiert anstößig simpel gestrickt ist, anders darf sie auch nicht sein, und deshalb auf punktuelle Platzierungen innerhalb einzelner Songs runtergedampft wird, was das Ganze höchstens noch interessanter macht. Genau diese Melodie-Tupfer dämpfen das Gefühl eines höheren Dreckgrads, der der Band ohnehin keineswegs geschadet hätte. Das Gefühl von Bekifftheit ist dabei etwas, das man nicht überhören kann. Zum ersten Mal unwiderruflich stolpern wir in Alternative Teenage Suicide darüber, wo der Gesang im Refrain über einem Stoner-Feel-Riff versucht, das Kreischen der irren Besessenheit von Queens Of The Stone Age in besseren Zeiten einzufangen. Wenn dieser Song nach Stoner-Geflirte roch, dann beschwört der nächste, King Of The Demimonde, einen doomigen Black-Sabbath-Riff herauf, doch der mächtig kreischende Gesang erstickt jeden Gedanken an weitere Ähnlichkeit mit der Band im Keim. To Kill A Swan ist der zweite Beweis für die unwiderrufliche Verliebtheit der Band in Black Sabbath. Die Replik des Riffs vom Opener, der Rock ’n‘ Roll-Rüttelnummer Heart Full Of Black, in Century Song hat sogar ein auf Blues-Schmäh basierendes Gitarrensolo zum Ausklang, während Dance With The Devil weiter unaufhaltsam schmerzhaft mit linken Retro-Punk-Haken boxt. Die natürlich akustisch klingende Begleitung in Pleasure In Pain bestätigt einmal mehr, dass der Band der Blues nicht fremd ist, diesmal mit einem Südstaaten-„Feel“. Guten Morgen, Kuhgemuhe!

Als Kuriosum sei erwähnt, dass sich die Platte im zweiten Teil beruhigt. Der erste Teil ist also spürbar aufgedreht und energetisch verschwenderisch, während die Band in der zweiten Albumhälfte die Pferde zügelt, das aber kühn mit einem beneidenswerten Zuwachs an theatralischer Atmosphäre ausgleicht. Grundbaustein dieses Gefühls ist Last Man Standing, wo neben dem autoritär dilettantischen Gesang die Keyboards dominieren, und die Platte schläft zum Schluss obendrein komplett ein, bei einer interessanten Nachbildung des Gitarrenmotivs von House Of The Rising Sun von The Animals, in das die Band sogar etwas altbackene Hammond-Kosmetik à la Procol Harum einbaut (der Song Wampire Waltz) . Die Band stützt sich dabei meisterhaft auf einen Gesang, der moralisch gebrochen, entwertet und schwarz wirkt und ausgiebig ächzt (mit dem Messer im Rücken).

Burning Brides sind ausgezeichnete Musiker. Sie wirken kompakt, auf dieselbe Frequenz eingestimmt, verbissen und deshalb echt. Dabei verbinden sie kühn unterschiedliche musikalische Einflüsse und codieren sie in ihre ganz eigene Version des Musikverständnisses. „Leave No Ashes“ festigt die Band in der Szene. Es ist die evolutionäre Weiterentwicklung des Debüts, sowohl in der Motiv- als auch in der Atmosphärenvielfalt. Die Band wirkt damit noch entschlossener und verliert trotz des Gefühls größerer Kontrolle hinter dem Produzentenpult, was den Sound betrifft, der einen Hauch präziser und zugleich noch härter ist als auf dem Studiodebüt, in nichts das Gefühl elterlicher Fürsorge für die Kreation eines potenten „Rock ’n‘ Roll-Drives“, in den sie einen überzeugenden Hauch rebellisch-dramatischer, aber frecher Aufsässigkeit einbringt. Trotzdem sind Burning Brides zu hübsch für Punker, kompositorisch und atmosphärisch zu simpel für Hardrocker und bei Weitem zu weich und zu fröhlich für Metaller. Die Debatte darüber, wie echt die auf Band gebannte Aufsässigkeit ist und wie viel davon die Bandmitglieder im Alltag des neuen Jahrtausends tatsächlich leben, zumal Burning Brides ja Amerikaner sind, führt nirgendwohin. Daraus würde höchstwahrscheinlich nur das Pathos der Heulsusigkeit verwöhnter Kinder reicher Eltern entstehen.

Besetzung

Dimitri Coats – Gesang, Gitarre
Melanie Campbell – Bass
Jason Kourkounis – Schlagzeug

Produktion

George Drakoulias

Tracklist

1. Heart Full Of Black
2. Come Alive
3. Alternative Teenage Suicide
4. King Of The Demimonde
5. Century Song
6. Dance With The Devil
7. Leave No Ashes
8. To Kill A Swan
9. Pleasure In The Pain
10. From You
11. Last Man Standing
12. Vampire Waltz

Spielzeit: 45.01

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