Larry Garner: geborener Prediger des Blues (2008)

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Ort: Postojna
Konzertdatum: 23.10.2008
Besucherzahl: 300
Kartenpreis: 14 €

Am Donnerstag gastierte in Postojna im Rahmen des dortigen traditionellen Blues-Swingevents der wenig bekannte amerikanische Troubadour Larry Garner. Der louisianische Bluessprössling war diesmal zum ersten Mal in Slowenien zu Gast. Es handelt sich um einen beim heimischen Publikum kaum bekannten Musiknamen. Dennoch ließ die allgemeine elektrische Atmosphäre des Jamski Dvorec ahnen, dass uns ein weiterer unvergesslicher Abend bevorstand – der sich am Ende sogar als einer der Höhepunkte aller Rockline-Besuche beim Postojna Blues Festival herausstellte!

Larry Garner ist ein Musiker, der sich neben der Beherrschung eines breiten Genrespektrums durch etwas weitaus Wichtigeres auszeichnet: Eigenständigkeit. Larrys oft sehr predigerartig angelegte Kommunikation pflegt eine spezifische Blues-Intonation, die neben einem persönlich-bekenntnishaften Touch darin brilliert, eine heimelige Atmosphärik zu schaffen, die den Zuhörer schnell in ihren Bann zieht – auch wenn in ihrem Kern eine Zuneigung zu den rohen Wurzeln des Blues spürbar ist. Diese bleiben tief in Larrys Herz verankert, was freilich nicht bedeutet, dass sich der 56-jährige Onkel Garner gegen ein Flirten mit dem Reichtum aus Funk, R&B, Soul und bisweilen sogar Gospelklängen sperrt.

Larrys Auftritt war im Paket mit seiner sogenannten Originalbesetzung angekündigt, die durch eine merkwürdige Fügung des Schicksals einen alten Freund des Postojnaer Publikums in ihren Reihen hatte: den Meister der schwarz-weißen Tasten, Raphael Wressnig (und natürlich lugte irgendwo im Hintergrund, Bier in der Hand, auch der untersetzt gebaute Mike Sponza in Richtung Bühne). Die beiden Phantome des Postojnaer Untergrunds wachen eben stets aufmerksam über jedes Treiben im engeren Stadtzentrum und sorgen mit ihrem gut entwickelten NKWDschen Gespür für die Balance im kulturell-künstlerischen Angebot. Wie auch immer – der zweite Abend der diesjährigen Postojnaer Blues-Odyssee begann mit dem bereits bewährten Manöver: einer langen Improvisation, deren Zügel in Sachen Dynamik der wie immer gut aussehende Raphael fest in Händen hielt. Das scharf funkig angelegte Thema wurde brillant durch die wirkungsvolle Slapping-Bass-Technik des vielseitigen Shedrick Nellon gewürzt, und das alles mündete letztlich in einer gefälligen Ouvertüre des Abends – die aber noch keine Ahnung davon gab, wohin die Reise noch führen würde.

Der Hauptakteur des Abends, Larry Garner, trat mit Jook Joint Woman auf die Bühne und servierte damit auf Anhieb die ganze Magie seines musikalischen Ausdrucks. Larry bricht das Eis mit einem entspannten, stellenweise geradezu unerwartet samtigen Gesang, der weniger an Singen erinnert als an die Predigt eines heißen Sonntagsnachmittags. Mit seinem Gitarrenspiel, das wirklicher Minimalismus im besten Sinne des Wortes ist, und einem pikanten Südstaaten-Humor formt er so ein mächtiges Ausdrucksganzes, das beredt für einen Spitzenmusiker spricht, dessen lyrisches Erbe voller freudigen Schlemmerlebens eines auf seine Weise verträumten Romantikers steckt. Larrys persönliches Bekenntnis ist ein starkes, untrennbares Band aus Musik und Lyrik, das mit schlichter Direktheit kommuniziert. Einer der markantesten Einflüsse Garners bleibt der Gospel – und zweifellos die damit verbundene Predigernatur, die dem Musiker im Blut liegt. Ein seidenweich dargebrachtes Amazing Grace und das direkt danach folgende The Preacher Man kamen schnell zur Bestätigung dieser Erkenntnisse zu Hilfe.

Bottle Of Whiskey verankerte uns fest im Bereich des traditionellen Blues, dem wir allerdings eine Spur mehr Grobkörnigkeit vermissten – wie immer, wenn Raphael Wressnig zu den Tasten greift. Unserem österreichischen Freund liegt das kernige Blues-Rumpeln trotz aller unbestrittenen Virtuosität nicht sonderlich, doch der Mann tat sich mit einem gelungenen Durchknabbern des jedem wohlbekannten Motivs von What’s Going On hervor, das den improvisierten Höhepunkt des Abends markierte. Leider verpuffte die frenetische Energie desselben bald in Hoochie Coochie Man, denn der Melodik der Dame fehlte allzu offensichtlich der nötige Schmiss – was sich in der Abwesenheit eines vollwertigen Hammond-Orgel-Klangs, den Raphael für die Darbietung des Dixon-Klassikers gegen Klavierklang eingetauscht hatte, nicht verbergen ließ. Bei Larry ist die Geschichte eine völlig andere. Das Aufwachsen mit Blues-Klängen, genauer gesagt unter der Ägide eines Onkels, der von Jimmy Reed besessen war, spiegelt sich in seiner Emotionalität wider, die stets der gemeinsame interpretatorische Nenner des Abends blieb. Garner beschwor die Erinnerungen an die Großen der Blues-Musik weiter mit einem ekstatischen Going Down von Freddie King, während ihn bei Keep Playing The Blues die Gedanken zur Größe von Lightnin‘ Hopkins trugen. Die retrospektive musikalische Rekreation rundete der Meister zum Abschluss noch mit einem Tribut an die Blueskenner des alten Kontinents ab – und mit herzlichen Worten „hvala, da ste prišli na moj koncert“, selbstverständlich in nahezu perfektem Slowenisch gesprochen.

Text: Daniel Pavlica
Fotos: Mojca Perdih

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