Black Ice

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Interpret: AC/DC
Label: Columbia Records
Erscheinungsjahr: 2008

Die unbestrittenen Champions des Hard-Rock-Donners, die australischen Onkel, die – falls ihr’s noch nicht wisst – auf den Namen AC/DC hören, kehren Ende 2008 endlich zurück, diesmal mit dem sensationellen Black Ice. Man könnte sagen: endlich! Stiff Upper Lip erwies sich nämlich an AC/DC-Maßstäben gemessen als viel zu laues Album, und seit seinem Erscheinen waren wir Liebhaber der charakterverstärkten Sauflieder 8 Jahre lang zu einem entbehrungsreichen Umherirren in einem irgendwie sterilen „germ free“-Vakuum verdammt. Zwar hat uns der „ausgewogener und aus hygienischer wie auch inhaltlicher Sicht zweifellos unanfechtbarer Musikraum“ unter dem Taktstock der Großgeister megalomanischer Konzerne zwischendurch mit so manchen U2- und Bon Jovi-Märchen zu unterhalten versucht, aber Hand aufs Herz: der Seele eines rechtgläubigen Rockers haben die so viel genutzt wie eine Feuchtigkeitscreme der Elastizität von Niki Laudas Gesichtszügen. Aber wer wartet, kommt ans Ziel. Die Qual hat dieses Jahr endlich ein Ende, denn AC/DC breiten mit Black Ice wieder die Flügel aus, und soweit man nach dem Gehörten urteilen kann, ist vom so oft beschworenen Fall der Rock-&-Roll-Ikonen weit und breit nichts zu spüren.

Black Ice ist das heiß ersehnte Comeback der australischen Rock-&-Roll-Dinosaurier in Topform, die mit seltenen Ausbrüchen ernsthafter Bierrebellion dem traditionellen Krach und der Direktheit des Drei-Akkord-Riffings treu bleiben. Das produktionstechnisch zeitgemäß ausgearbeitete Werk glänzt mit einer für AC/DC ungewöhnlichen stimmungsmäßigen Vielfalt, die großzügig zur Abwechslung seines Gesamtbilds beiträgt. Angus und Kompanie treffen gleich beim ersten Versuch ins Schwarze. Rock & Roll Train vereint genau alle wesentlichen Elemente des Sounds der klassischen AC/DC. Aber der Spaß fängt hier erst richtig an. Skies on Fire, Big Jack, Smash n Grab sind Knaller voller hochoktanigem Rock-&-Roll-Gefunkel, typisch für die Post-Scott-Ära der Band, die dem mächtigsten AC/DC-Arsenal dicht auf den Fersen liegt. War Machine ist eine Vasektomie, auf volle Pulle serviert, ohne die sonst obligatorischen hypnotischen Hilfsmittel, die das Gift von Angus‘ Geschepper mildern würden – er wirkt in absoluter Bestform. War Machine wird euch nicht kalt lassen, wenn schon aus keinem anderen Grund, dann sicher wegen des raffiniert eingewobenen Dynamikbereichs, durch den der Song an Vitalität gewinnt, die wir von AC/DC in der Vergangenheit nicht gewohnt waren.

Der weitere Verlauf serviert das gewohnte, deshalb aber nicht weniger willkommene Hard-Rock-Geballer, das nicht übermäßig von der altbekannten Formel abweicht. Wheels spielt die Karte der ansteckenden Melodie nach dem Vorbild von You Shook Me All Night Long, während Spoilin‘ for a Fight als nächster direkter Tritt von Angus in die Zähne daherkommt. Money Made und Anything Goes sind dank ihres versöhnlicheren Charakters und des leichteren Ansatzes – der bei wählerischeren AC/DC-Verehrern unweigerlich durch die Nasenhaare kriecht – die einzigen ernsteren Kandidaten für die Nominierung zum entbehrlichsten Moment des Albums. Aber keine Panik! Über das Grau dieser Songs lugt schnell die giftige Atmosphäre von Rock & Roll Dream hervor, das sogar mit Johnsons beneidenswerten Vokalakrobatiken daherkommt! Schockierend ist das nicht, aber auch nicht halb so sehr wie der beängstigende Blues-Rocker Stormy May Day, wo wir Angus sogar beim äußerst gelungenen Einsatz der Slide-Gitarre erwischen. Bei einem so erstklassigen Aufgebot an schnörkellosen Neuheiten würde Black Ice das Fehlen der eher durchschnittlichen Motive wie She Likes Rock & Roll, Decibel und letztendlich auch des Titelstücks – das von allen Genannten noch die meisten Sympathien auf sich zieht – zweifellos schnell verschmerzen.

Black Ice ist keineswegs ein nostalgischer Trip einer Gruppe gealterter Rock-Gäule, sondern ein überzeugendes Zeugnis außergewöhnlicher musikalischer Vitalität, mit dem AC/DC wieder zu einer der Hauptattraktionen, wenn nicht gar zur Hauptattraktion des bevorstehenden Konzertjahres werden. Das Warten war lang und quälend, aber ohne den geringsten Zweifel kann ich sagen, dass die guten 8 Jahre des Lechzens nach diesem einzigartigen „Voltage“-Unterfangen jeden einzelnen Moment der Frustration wert waren. AC/DC haben die Zweifel der Skeptischsten auf die bestmögliche Art beseitigt – mit einem mächtigen Rock-Manifest, das wie in alten guten Zeiten stolz als selbstgenügsamer Botschafter der Grunddefinitionen des Rock & Roll dasteht!

Besetzung

Brian Johnson: Gesang
Angus Young: Gitarre
Malcolm Young: Gitarre
Cliff Williams: Bass
Phil Rudd: Schlagzeug

Produktion

Brendan O’Brien

Trackliste

1. Rock ’n Roll Train
2. Skies on Fire
3. Big Jack
4. Anything Goes
5. War Machine
6. Smash n Grab
7. Spoilin‘ for a Fight
8. Wheels
9. Decibel
10. Stormy May Day
11. She Likes Rock n Roll
12. Money Made
13. Rock n Roll Dream
14. Rocking All the Way
15. Black Ice

Albumlänge: 55.30

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