Lady In Gold
Autor: Aleš Podbrežnik
Künstler: Blues Pills
Label: Nuclear Blast
Erscheinungsjahr: 2016
Laufzeit: 40:08
Wertung: 3.5/5
Blues Pills, die neue musikalische Entdeckung unverhüllter Tendenzen eines klassisch-rock-basierten Revivalismus, unterfüttert mit einer entschlossenen Blues-Soul-Beimischung, haben im August 2016 ihr zweites Studioalbum namens »Lady In Gold« vorgelegt. Vom dämonischen Charme, dem psychedelisch-erotogenen Geflecht aus Teuflischem, Okkultem und Wahnsinn hat sich die Band auch mit dem neuen Studioalbum »Lady In Gold« keineswegs losgesagt. Der Albumtitel ist ein abgewandelter Ausdruck für »die Sensenfrau«, also den Tod. Damit meidet die Band die abgedroschenen, ausgeleierten Phrasen, die seit jeher Fragen über Leben und Tod aufwerfen – und genau das bildet den Ausgangspunkt der Inspiration hinter den neuen Songs.
Auch das neue Album hat die „Mutter der psychedelischen Kunst“, die niederländische Künstlerin Marijke Koger-Dunham, gestaltet, die einst Kostüme und auch die Gestaltung der Alben für The Beatles und Cream kreierte sowie Bemalung auf den Gitarren von George Harrison und Eric Clapton anfertigte. Blues Pills und Marijke haben das originale Bild (Kunstwerk) für die Verwendung als Albumcover lediglich farblich leicht angepasst.
Auch wenn die außergewöhnliche stimmliche Finesse und die charismatische Durchschlagskraft der »ungestümen« Sängerin Elin auf dem neuen Album makellos bleibt und ihre vokale Interpretation den gesamten Brennpunkt des künstlerischen Ausdrucks der Band bewahrt, haben Blues Pills im Vergleich zum gleichnamigen Debütalbum aus dem Jahr 2014 diesmal mit einem etwas anderen musikalischen Inhalt aufgewartet.
Die Band hat diesmal Keyboards deutlich stärker in die Arrangements der neuen Songs eingewoben. Klänge von Mellotron, elektrischem Klavier, Hammond-Orgel und auch klassischem Klavier dringen dort prägnanter durch, und gleichzeitig hat die Band in der Produktion nach einem noch ausgewogeneren Klangbild gesucht. Die Gitarren sind damit in den Hintergrund gerückt und das neue Album bietet an keiner Stelle die knirschende, leicht schmutzige Rauheit, die vor allem auf dem durchdringenden Lärm prägnanter Gitarrenphrasen basierte, wie man das noch auf dem Debütalbum wahrnehmen konnte. Jedenfalls gibt es weniger psychedelisch-theatralische Gitarren-Einlagen als auf dem Debüt – einem solchen Moment entgeht die instrumentale Gitarrenpassage im abschließenden Elements And Things jedenfalls nicht. Die rhythmischen Strukturen sind ebenfalls zusätzlich vereinfacht, noch eindimensionaler – wenn nicht gar tanzbarer – geschnitten, worauf bereits der einleitende Titeltrack des Albums sowie später Gone So Long hinweisen. Die Band hat bei der Gestaltung des finalen Klangbilds der Songs diesmal auch dem Arrangement zusätzlicher Vokalharmonien mehr Aufmerksamkeit gewidmet, die den verfügbaren Raum in den Hauptphrasen der Refrains und / oder Vorrefrains füllen. Auch nähert sich Elin den improvisierten Einwürfen bedachtsamer als auf dem Debütalbum – dennoch blitzt ihre Begeisterung für Aretha Franklin bei stimmigen Soul-Akrobatiken stellenweise umso stärker auf. Die Band erzeugt sogar Momente, die nach Gospel riechen können (Bad Talkers) oder nach Motown (Rejection). »Lady In Gold« ist definitiv im künstlerischen Sinne ein Schritt auf das Terrain neuer musikalischer Horizonte der Band und in dieser Hinsicht ein stilistischer Absprung vom Debütalbum. Das bedeutet noch nicht, dass die Band die Schlagkraft der Riff-Rauheit des Debüts vollständig gestrichen hat – trotz der weicheren Produktion sind ihr stilistisch besonders zugetan Burned Out sowie der ausgesprochen »angespitzte« Tanz der Dämonen im vorzüglichen Won’t Go Back.
Stilistisches Experimentieren auf der Suche nach einem unverwechselbaren und einzigartigen musikalischen Ausweis ist stets eine anspruchsvolle Aufgabe. Besonders in einer Zeit, in der der musikalische Raum auf diesem Planeten extrem verdichtet ist. »Lady In Gold« ist in dieser Hinsicht so etwas wie ein zweischneidiges Schwert. Es handelt sich nach wie vor um eine außerordentlich qualitätsvolle Leistung ohne einen einzigen ausdrucksstarken Moment, den nicht schon irgendwann irgendjemand erfunden und präsentiert hätte – auf der anderen Seite zeigt es den Mut einer Band, die sich tief bewusst ist, dass nur solche Experimente sie in einer gesunden künstlerischen Entwicklung halten können. Ob dieses Album nur ein evolutionärer Zwischenstopp der Band ist, auf den eine stärkere stilistische Transformation folgt, wird die Zukunft zeigen.
Blues Pills – Lady In Gold (offizielles Video):
Besetzung
Elin Larsson – Gesang
Dorian Sorriaux – Gitarre
Zach Anderson – Bassgitarre
André Kvarnström – Schlagzeug
MITWIRKENDE MUSIKER:
Tobias Winterkorn – Mellotron
Rickard Nygren – Orgel
Per Larsson – Klavier
Don Alsterberg – Xylophon
VOKALCHÖRE:
Carl Lindvall
Elin Larsson
Ellinor Svensson
Sofie Lee Johansson
Produktion
Don Alsterberg
Trackliste
1. Lady In Gold
2. Little Boy Preacher
3. Burned Out
4. I Felt A Change
5. Gone So Long
6. Bad Talkers
7. You Gotta Try
8. Won’t Go Back
9. Rejection
10. Elements And Things