3p

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Autor: Aleš Podbrežnik

Künstler: Hamo & Tribute 2 Love
Label: Eigenveröffentlichung
Erscheinungsjahr: 2017
Wertung: 3.5/5

Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass Matevž »Hamo« Šalehar jene Figur ist, der es gelungen ist, einen außergewöhnlichen zweiten Slalomdurchgang hinzulegen, mit dem er so gut wie alle Herzen für sich gewann und sich einen markanten Platz im aktuellen Bild der slowenischen Mainstream-Musik erkämpfte. Er hat eine solide Basis slowenischer Fans aufgebaut, in der die weibliche Altersgruppe zwischen 15 und 22 Jahren die Nase vorn hat, und gleichzeitig auch den breiten »Verstand« der klugen Köpfe der slowenischen Kritikerzunft für sich gewonnen, die berufen ist zu urteilen, was gute und nicht zuletzt schlechte Musik ist. Natürlich hat Matevž all das über die Jahre hart, hart erarbeitet und auf Basis wertvoller Erfahrungen eine bemerkenswerte diplomatische Sprache entwickelt und angenommen, mit der er stets erfolgreich auf dem schmalen Grat balancierte, der die Authentizität des musikalischen Artismus (künstlerische Integrität) und das gerade noch akzeptable Maß (an noch geschmackvoller Dosis) »Glanz und Kitsch« erfolgreich verbindet, womit er dem breiten Publikum gefallen möchte. Das heißt, er möchte kommerziell werden, oder direkt gesagt: »pop«. Das ist eine kleine Doktrin, deren Prüfung bisher nur wenige slowenische Künstler erfolgreich bestanden haben, denen es gelang, eine greifbare musikalische Art-Essenz in Pop-Strukturen zu verpacken. Summa summarum: Hamo und seine Crew sind zu einem Phänomen der Beliebtheit und klaren Unterstützung der breiteren slowenischen Öffentlichkeit herangewachsen, und deshalb müssen sie nicht auf vorgefertigte Verpackungsstrategien zurückgreifen, die musikalische Hohlheit, Oberflächlichkeit und gespielte Perfektion feilbieten, bei der sogar dein Furz nach Vanille riecht. Mit dieser Verlogenheit ist der slowenische Musik-Mainstream nach wie vor deutlich überladen – aber wen schert’s?  Die Konsumenten haben so oder so keine Zeit, die Spreu vom Weizen zu trennen.  

Die harte Arbeit hat Hamo und seine Crew zum dritten Studioalbum »3p« geführt. Nachdem die ersten beiden Alben die musikalische Nische der Gruppe zementiert hatten, hat sie sich für das dritte Album von den Fesseln des Images beider Vorgänger befreit, wenngleich klar ist, dass die Texte der neuen Platte dem Verständnisvermögen der kreischenden Mädels in der entsprechenden Altersgruppe am wenigsten entgegenkommen – die bleiben natürlich auch beim neuen Album die ersten und treuesten Verbündeten der Gruppe. Es ist besser, dass sie beim Eintauchen in ein gesundes Musikumfeld eher Hamo als Severina hören.  Das Cover ist dem entsprechend angepasst.

Wie der Albumtitel schon verrät, ist »3p« ein waschechtes 3-p-iges Album. Buchstäblich. Die Jungs haben einen Gang runtergeschaltet. Du nimmst die »Album-Tablette« (lies: du legst das Album in den »Plattenfon«) und bist sofort »3-pan«! Alle Songs entwickeln sich in äußerst bis regelrecht entspannten rhythmischen Grundstrukturen. Schön ist dabei, dass das Album gerade mal acht Songs enthält, was das Gefühl verstärkt, dass das Albumformat einen klar ausgearbeiteten Charakter, Kompaktheit und sofort spürbaren künstlerischen Fokus trägt. Im Mittelpunkt steht natürlich niemand anderes als Hamo, mit seiner inzwischen „allgemein bekanntgewordenen und grollenden Ansprache“ (beliebige Kehligkeitsgrade, wobei die Cocker’sche »stählerne Rauheit« völlig verflogen ist). Alles ist dem Suchen nach den nackten Freuden des Schaffens untergeordnet, die beim Übertragen ursprünglicher Gefühle auf einen neuen Tonträger entstehen. Das ist das Wesentliche, und diese Vibration des »Feelings« dominiert alles. Damit holen dich Hamo & Tribute 2 Love ganz schnell wieder auf ihre Seite.

Das Album ist keineswegs ein musikalischer Überflieger, wenn man es neben die Weltgeschichte des Rock’n’Roll und des Blues stellt. Es ist sogar schnell vergessen und bedeutungslos. Anders sieht’s aus, wenn du es am Maßstab der heimischen Musik misst. In dieser Hinsicht handelt es sich um ein sehr qualitatives Produkt, hinter dem ein Team außergewöhnlicher und erfahrener Musiker steht, die ihr Handwerk nicht nur durch Routine beherrschen, sondern durch eine kernige musikalische Vision, aus der man sofort ablesen kann, dass sie wissen, was sie tun, und was sie erschaffen wollen.

Erwartungsgemäß trägt das Album ein klar implementiertes Blues-Element in sich, das jedoch von einer Musikalität mit klar ausgearbeitetem Charakter slowenischer geografischer Herkunft kommandiert wird. Es trägt ein organisches, lebendiges, »knuspriges« Knistern und »dreidimensional« hervorragend ausgefüllte Klangbilder (die Produktion ist nämlich ausgezeichnet). Die klangliche Wärme unterstreicht natürlich die analoge Natur des Vinyltonträgers. In der Gruppe herrscht eine effektive Arbeitschemie und gegenseitiges Gespür, weshalb das Produkt durch die Interpretation mit vollen Lungen atmet und völlig »konzertant« wirkt. Dabei ist Zabluzu ein neuer Volltreffer, denn die Komposition ist geradezu für die Ausstrahlung auf allen wichtigeren slowenischen Radiofrequenzen geschaffen. Hamo testet sich diesmal auch ausgiebiger in der Rolle des Chansonniers, wobei das überraschend herausragende Stück namens Uspavanka heraussticht, wo sein »Grollen« und beinahe »Murmeln« Assoziationen an Vlado Kreslin weckt. Dieser »Chansonnier«-Moment wird am Schluss durch das überaus beeindruckende Telo wieder geweckt, wo ein Klavier Matevžs Gesang in Intro und Outro Unterstützung bietet.

Hamo überzeugt in der Lyrik wieder überaus wirkungsvoll. Emotionen und Leidenschaften – das Ding funktioniert. Stellenweise (Zabluzu, Govori mi grdo) wird der Gesang mit dem Halleffekt altmodischer, wenn man so will »Presley’scher« Produktion veredelt, der sich in das verträumte, aber rhythmisch kokett aufgeladene Bild der Songs einschleicht, was die Note rockiger Retroklassik vertieft. In diese entspannte Atmosphäre fügt sich hervorragend, wenn nicht sogar zwingend und charmant, die stämmige Wärme des samtigen Hammond-Sounds ein, den das neue Dokument diesmal in zusätzlichem Überfluss transportiert. Die Gitarrenspielzüge sind im Vergleich zu den Keyboards keineswegs weniger sophistiziert, zugleich aber ausdrucksmäßig konzise minimiert.  Hamos Gesang behält bei allen Schritten des Arrangierens stets die zentrale Position. Obwohl die Gruppe an so mancher Stelle einen aufregenden Jam entwickeln könnte, tut sie das bewusst nicht, da das vorrangige Ziel dieses Albums die Aufrechterhaltung eines hohen Maßes an Hörbarkeit ist. Für den Purismus musikalischer Gourmets, die das Ungewöhnliche, das Skurrile, die ständige Selbstherausforderung des internalisierten musikalischen Genies suchen, so wie es die künstlerische Freiheit erzeugt, wird »3p« mit Sicherheit ein äußerst langweiliges Produkt sein.

»3p« ist nicht nur das Album, das Hamo & Tribute 2 Love erschaffen wollten. Es ist auch das Album, das sie erschaffen mussten, da es in künstlerischer Hinsicht klar anders ist als die beiden Vorgänger, zugleich aber die ausgearbeitete persönliche musikalische Visitenkarte der Gruppe beibehält, wobei sie der Falle möglicher konzeptueller Abgenutztheit und des Selbstrecyclings entkommen sind. Das Axiom »u izi«, bei einem hervorragend verpackten Arrangieransatz nach dem Vorbild »weniger ist mehr«, ist diesmal entschieden verstärkt und im künstlerischen Abstand von »3p« zu beiden vorherigen Studiodokumenten äußerst willkommen.  Vor allem aber tut es gut, dass es wenige Songs sind, dass es darauf keinen »Diebstahl« der Spielzeit gibt (kein Qualitätsschwanken zwischen den Tracks). Deshalb trägt das Album eine ausgearbeitete Essenz stets spürbarer musikalischer Inhalte und Fokus. Eines ist sicher. Ein solches Album werden Hamo & Tribute 2 Love in ihrer Karriere nicht mehr wiederholen. Nicht weil sie es nicht könnten, sondern schlicht weil sie es nicht wollen werden, da sie in ihrer zukünftigen musikalischen Vision bereits jetzt mit Herausforderungen anderer künstlerischer Natur liebäugeln. Die Evolution geht also weiter. »3p« ist nur ihr vorübergehender Haltepunkt und zugleich ein neuer, erfolgreich abgemessener Schritt auf dem Weg der künstlerischen Reifung der Gruppe.

Hamo & Tribute To Love – Telo (offizielles Lyric-Video):

Besetzung

Matevž „Hamo“ Šalehar – Gesang, Gitarre
Denis Horvat – Keyboards
Uroš „Spretan“ Primožič – Gitarre
Uroš „Hipi“ Škerl Kramberger – Bassgitarre
Martin „Buco“ Janežič – Schlagzeug

Produktion

Drago Popovič, Denis Horvat & Matevž „Hamo“ Šalehar

Trackliste

1. Vreme za lubezen
2. Zabluzu
3. Govori mi grdo
4. Uspavanka
5. Gospod
6. Ona gre
7. Ti in mraz
8. Telo

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