Klavžar stöpselt in Logatec ein (2012)

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Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik

Ort: Logatec / Grajski park / Slowenien
Konzertdatum: 26.05.2012
Besucherzahl: 300
Kartenpreis: 3,00€ (im Vorverkauf) / 5,00€ (an der Abendkasse)

Maikonzert  und Brucovanje in einem Paket! Zum bereits 12. Mal in Folge findet im Grajski park in Gornji Logatec ein Rockevent statt, das auch weniger bekannten lokalen Bands die Chance bietet, sich zu beweisen – Bands, die dringend Auftritte bei Veranstaltungen brauchen, die zumindest nach allgemeiner Erwartung gut besucht sein sollten. Die Entscheidung, diesmal bei diesem kleinen Festival vorbeizuschauen, fiel am Nachmittag des Festivaltages selbst. Der Hauptgrund für diese Entscheidung war der Auftritt der Headliner des Konzertabends – der populären slowenischen Art-Rocker aus Novo Mesto,  Dan D.

Die Bühne ist an der südwestlichen Mauer des Herrenhauses aufgebaut, mit Blick auf das Grün des gepflegten Parks, der zum Kulturdenkmal gehört. Magisch!  Auf jeden Fall aber besonders. Die Jugend hat in erster Linie die Erschwinglichkeit der Getränke angezogen – vor allem jener, die beim Alkoholgehalt die Nase vorn haben. Die Jugend muss eben die Kultur des Alkoholkonsums einüben. Keine nervigen Eltern weit und breit – der ideale Moment. Billiger Alkohol. Was will man mehr.  

Das RockLine-Team traf relativ spät am Veranstaltungsort ein. Es hatte die Auftritte von Big Band Wonderbrass und danach der BHC aus Novo Mesto verpasst. Gerade als The Dreams – früh in ihrer Karriere bekannt als The Allman Brothers Band -Tributeband – lautstark einstiegen und den ersten Song ihres Auftritts anrissen, strahlte die Fläche vor der Bühne Leere aus. Die Leute hatten sich natürlich wieder an den Theken zusammengefunden. Es handelt sich um ein Oktett abgebrühter Musiker, die für ihr präzises Spiel von Blues-Standards bekannt sind. Die Band mit gleich drei Gitarristen hat alle drei Gitarren in ihren Neuinterpretationen der Klassiker auch wirklich ausgereizt – besonders beim Harmonisieren einzelner Parts. The Dreams sind ein durch und durch saftiges und schmackhaftes Konzerterlebnis, gemacht für ähnliche Spaßveranstaltungen, bei denen Abschalten und totale Entspannung an erster Stelle stehen. Studentenfete. Im Repertoire haben sie eine außergewöhnliche Palette von Standards, die sie endlos aus dem Ärmel ziehen können – und dabei trotzdem mit exzellenten Neuinterpretationen überraschen. Hut ab. »Thermofleece« gehört eigentlich nicht auf die Bühne, aber die frisch gesättigte Luft des kühlen Hinterlandes von Logatec, erzeugt von der nahegelegenen (vorerst noch) weitläufigen Gemeinschaft  der Dinarischen Tannen-Buchen-Wälder, zwingt dich eben dazu, dass du auch in Nächten Ende Mai so ausstaffiert bist, als hättest du das Fell eines Bären aus Kočevje an.

Mit Dan D ist nicht zu spaßen. Es handelt sich um ein Quintett, das jeden einzelnen musikalischen Ausdrucksschritt perfektionistisch ausarbeitet. In einer relativ langen Karriere von 16 Jahren,  gerade mal vier Alben. Jedes für sich eine Geschichte, jedes anders, jedes künstlerisch so unverwechselbar, dass du sofort erkennst: »Ja. Das sind Dan D – durch und durch!« Wenn ihr mich persönlich fragt: Als persönlichen Favoriten würde ich den letzten der vier wählen – »Ura letenja za ekstravagantne ptice«. Alle vier Alben spiegeln das schrittweise künstlerische Reifen der Band wider, die ihr einzigartiges musikalisches Gesicht mit einer flexiblen Zugänglichkeit für die Vermittlung musikalischer Information vorantreibt – im Licht eines künstlerischen Anspruchs, mit  dem Dan D die Qualitätslatte in der Übertragung musikalischer Botschaften kontinuierlich hochlegen.

Dan D sind Herren der Lage, denen man nichts vorwerfen kann, wenn sie auf der Bühne stehen. Ihr Perfektionismus lässt schlichtweg keine Patzer zu. Auch in Logatec haben sie für exzellenten Sound gesorgt – und für eine perfekte Verteilung aller Elemente darin. Tokac mit seinem kurzen, dem Dan D-Kodex entsprechend zerzausten Schopf hat mit seiner Band die zu diesem Zeitpunkt schon ordentlich  schwankende Jugend mit« Katere barve je tvoj dan«, dem Favoriten Plešeš und dem Titelsong des bereits zitierten Albums aufgerüttelt. Dan D wissen, wie man genießt. Das Repertoire hatten sie so aufgeteilt, dass sie im ersten Teil hauptsächlich Songs der ersten drei Alben spielten, für den zweiten Konzertteil jedoch die Nummern des letzten Albums »Ure letenja za ekstravagantne ptice« aufgespart hatten. Den ersten Teil des Konzerts beschloss ein Cover des Niet-Klassikers Lep dan za smrt – das Dan D, Hand aufs Herz, in einer deutlich durchdachteren Arrangement- und Bühnenfassung spielen als die heutige Besetzung von Niet. In einen der Übergänge dieses Songs schmuggelte die Band augenzwinkernd das Leitmotiv ihres  Favoriten Čas ein. Den ersten Teil des Konzerts  beschloss die Band mit Roke, als Tokac sich die zweite Gitarre mit clean Sound umschnallte. Das konnte im Grunde nur zweierlei bedeuten: entweder Google Me oder Moj problem. Sie entschieden sich zunächst für Letzteres. Der aufmüpfige Song zog das Publikum noch enger vor die Bühne, das noch mehr Krawall als zuvor machte.  Die Band faszinierte erneut mit ihrem Sound, in dem das souveräne, kraftvolle und kompakte Rhythmus-Backing des Clean-Gitarrensounds von Tokac gleichwertig im Klangbild mit der riff-geschärften Gitarre von Marko Turk atmete.

Im Klangbild dominierte erneut der wellenförmige, klar durchdringende, organisch warme Charakter von Sekulovičs Bass, der den Großteil der Klangplattform abdeckt, auf der die Frontlinie beider Gitarren, Grubars Keyboards und der zentrale Gesang von Tokac ihr musikalisches Vokabular bedenkenlos entfalten können. Nachdem Tokac eine  afrikanische Trommel in die Hände genommen hatte, überraschte die Band mit der Darbietung eines brandneuen Songs namens  »Tak kot ti« – in halbakustischer Manier, angeführt von einem fast schon schäferlichen Rhythmuspuls.

Vor allem Songs wie Put slonova, Love song oder Tiho – Letzterer mit Gastgesang von Borut Marolt aus der Band Niet – sind jene wertvollen Momente eines Dan D-Konzerts, in  denen Dan D ein ganz eigenes musikalisches Erlebnis zaubern, das im vollen atmosphärischen Klangraum atmet und in dem Tokacs vollblütig-empfindsamer Gesang am intensivsten aufleuchtet und in seiner durchdringenden Tiefe selbst den verborgensten Winkel der Zuhörer-Seele berührt. Marolts Kommen auf die Bühne war keine Gegengefälligkeit für Dan Ds Cover des Niet-Songs  Lep dan za smrt – sein Kommen hatte den schlichten Grund, dass Borut Marolt direkt gegenüber, in unmittelbarer Nähe des Grajski park wohnt. Therapie totaler Hypnose. In Tiho brachte Marolt also eine besondere Note auf die Bühne und hob den Song im Duett mit Tokac – mit seinem zeitweilig bewusst frenetisch eskalierenden, dabei aber männlich-donnernden Ansatz – zu einem einzigartigen Konzerterlebnis. Eigentlich zu einem der Höhepunkte des Bandauftritts. Es war das zweite Mal, dass Marolt mit Dan D auf die Bühne trat. Das erste Mal bei beiden ausverkauften Konzertspektakeln Mitte September 2009, mitten in den Ljubljanaer Križanke, als Dan D beide Konzerte für die spätere Doppel-CD-Veröffentlichung namens »Dan 202« aufnahmen.

Das intensive Dan D-Erlebnis schloss sich mit dem erwarteten Hit Voda in Kombination mit Male roke. Diese Nummer wurde rockig aufs Wesentliche reduziert und feurig gespielt – Dan D drückten dabei den Lautstärke-Gashebel bis zum Anschlag durch und trieben ihren ohnehin exzellenten und hypnotisch ansteckenden Auftritt in einen explosiven Abschluss. Das ideale Verhältnis aus rockiger Zähigkeit, Art-Pop-Sentiment und ausgewogenem Eklektizismus zeichnet Dan D heute als einzigartige musikalische Figur auf der slowenischen Szene, der man keine Parallele finden kann. Die Band, die in ihrer Karriere unzählige Konzerte gespielt hat – auch solche mit gigantischem Vorzeichen (natürlich im Rahmen der slowenischen Verhältnisse) –, hat mit dem Auftritt in Logatec vor ausgedünntem Publikum gezeigt, dass sie nicht in erster Linie wegen der Gage auf die Bühne geht, sondern um vollblütig in ihrer Musik zu leben – in der selbstgewachsenen Haltung ihrer ureigenen Rock-Identität.

Im weiteren Verlauf der langen Nacht, die sich schon kräftig in die frühen Morgenstunden neigte, betraten auch die Funk-, Blues- und Reggae-Fusionisten aus Idrija, Divje jezero, die Bühne und machten sofort klar, dass hier ein ausgezeichnetes musikalisches Paket am Werk ist – mit einer völlig außergewöhnlichen Ausdruckskultur auf der slowenischen Szene. Trotzdem fehlte uns da schon deutlich der Sprit, also entschlossen wir uns, einen Konzertbesuch bei dieser Band auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben.

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* Besonderer Dank gilt der ultra-Dan D-Fanin Tanja für ihre Herzlichkeit, bei der Rekonstruktion der Konzert-Setlist von Dan D, auf deren Grundlage auch diese Reportage das Konzerterlebnis für jeden Leser noch objektiver vermitteln kann.

Setliste

1. Plešeš
2. Katere barve je tvoj dan
3. Tvoje je vse
4. Jutranja
5. Help!
6. Za naju punca
7. Ko hodiš nad oblaki
8. Jutro je reklo
9. Lep dan za smrt/Čas
10. Roke
11. Moj problem
12. Oprostite ne razumem
13. Tak kot ti
14. Čas
15. Put slonova
16.Love song
17. Tiho
18. Google Me
19. Počasi
20. San San
21. Rožice
22. Voda/Male roke

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