King Bee

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Künstler: Waters, Muddy
Label: Blue Sky
Erscheinungsjahr: 1981
Spielzeit: 52.12
Wertung: 3.5/5

„King Bee“ ist das letzte Album von Muddy Waters. Das abschließende musikalische Dokument der Blues-Legende ist eigentlich eine Sammlung der originalen „King Bee“-Aufnahmen, die während der Albumproduktion entstanden sind – auf der Platte finden sich aber auch einige sogenannte „vergessene Stücke“, die aus der Zeit von Waters‘ erstem Blue Sky-Projekt „Hard Again“ stammen. Die Gründe für dieses Zusammenstückeln der endgültigen Albumgestalt liegen in der Unzufriedenheit des Produktionsperfektionisten Johnny Winter, die dieser gegenüber einem nicht unerheblichen Teil des im „King Bee“-Zeitraum entstandenen Materials hegte.

Die „Flitterwochen“, die Waters nach seinem Karriere-Comeback mit dem Label Blue Sky mit seiner Starband verbracht hatte, näherten sich mit dem Ausklingen der 70er Jahre langsam ihrem Ende. Mehr oder weniger übliche Spannungen in den zwischenmenschlichen Beziehungen wurden durch die Flammen des Misstrauens weiter geschürt, die sich zunehmend um zahlreiche geschäftliche Meinungsverschiedenheiten entzündeten. Diese führten Ende 1980, also nur wenige Monate nach Abschluss der Albumaufnahmen, zum Abgang des Großteils von Waters‘ Begleitband. Der Geist der Uneinigkeit ist auf dem Album stark präsent und spiegelt sich in der schwerfälligen musikalischen Ausführung einiger Stücke wider, die selbst für Waters‘ Verhältnisse in einem uncharakteristisch düsteren Ton ausklingen.

Das Klangbild des Albums ist erwartungsgemäß monolithisch, besser gesagt: stockkonservativ bluesverwurzelt. Damit ist natürlich gemeint, dass Waters trotz der Anwesenheit von Johnny Winter und der damit unvermeidlichen ‚zwischenrassischen‘, vor allem aber generationsübergreifenden Konfrontation zweier unterschiedlicher Verständnisse der Blues-Interpretation größtenteils dem musikalischen Ausdruck der Chicagoer Szene der 50er-Jahre treu bleibt, also dem Sound der zweiten Generation von Blues-Musikern, der er selbst auch angehörte. „King Bee“ schüttelt aus dem Ärmel eine Fülle dieser altschulischen Gedanken, eingehüllt in einfache, grob mit Perversionen verputzte musikalische Formen, die voller charakteristischem Schmackes erwartungsgemäß in Begleitung anschwellender intensiver Gefühlsregungen aufmarschieren. Gleich zu Beginn begeistert die beängstigende Potenz des Titelstücks „I’m a King Bee“ – eigentlich eine hervorragende Bearbeitung des Klassikers von Slim Harpo aus dem Jahr 1957, das zuvor bereits viele musikalische Verkleidungen getragen hatte, dessen ureigenem Esprit jedoch neben der berühmten Rolling Stones-Version am überzeugendsten in den Händen von Muddy Waters lebendig bleibt. Waters verwöhnt im Weiteren mit einem bunten Aufgebot an ursprünglichem Chicagoer Radau. „Too Young Too Know“, „Deep Down In Florida“, „Sad Sad Day“ und das flüchtige „No Escape From he Blues“ sind Stücke von offenem und unerbittlichem Charakter. Leider fallen beim Test der kompositorischen und interpretatorischen Originalität „Mean Old Frisco Blues“ sowie „(My Eyes) Keep Me In Trouble“ durch, die die Standards ihrer Vorgänger bei weitem nicht erreichen. Vor allem Letzteres klingt leer aus, wie ein Ausschnitt aus einer ziemlich langweiligen Improvisationsreihe.

Wie gesagt bietet „King Bee“ hier und da glänzende Beispiele zweier unterschiedlicher Techniken der Slide-Spielkunst – man könnte sogar sagen, dass es sich für ein paar unbezahlbare Momente unbeabsichtigt in eine Art Leitfaden durch die Wege der Evolution des Blues als Genre verwandelt, von der ursprünglichen altschulischen Magie hin zu deren späterer, technisch zweifellos beeindruckenderer weißer Interpretation. Zu deren Verteidigung tritt auf dem Album der gute alte Johnny Winter an, am überzeugendsten gerade auf „I Feel Like Going Home“, wo sein pedantischer Umgang mit der Akustikgitarre begeistert. Im Gegensatz dazu wirkt Muddys Ton ungelernt, also vor allem intuitiv, wodurch seine Interpretation an Spontaneität gewinnt und infolgedessen auch an Schärfe. Waters ergänzt den Gitarrenklang durchgehend mit unverkennbarer Vokalakrobatik, auf den ersten Blick wenig attraktiv, aber umso mächtiger in puncto Sinnlichkeit. Beide Ansätze vereinen sich an einigen Stellen erfolgreich, am deutlichsten beim überpotenzierten Blues-Rock-Hybrid „Champagne & Reefer“, wo neben der auffälligen Gitarren-Distortion die Aktivität des Mundharmonika-Zauberers Jerry Portnoy auf sich aufmerksam macht.

„King Bee“ ist weit entfernt von einem Musterbeispiel musikalischer Einzigartigkeit, wie sie die Figur von Muddy Waters an und für sich verkörpert – was aber nicht bedeutet, dass dem Album Material zum „Einprägen“ fehlt. Trotz der widrigen Umstände ist das Album eine wirkungsvolle Balance zwischen einem ausdrucksmäßig unverrückbaren und einem frischen Verständnis des Blues, das eine befriedigende Ernte intensiver musikalischer Funken bietet, die dem kantigen Charakter eines der größten Blues-Meister der Geschichte würdig ist.

Besetzung

Muddy Waters: Gesang, Slide-Gitarre
Johnny Winter: Slide-Gitarre
Luther „Guitar Jr.“ Johnson: Gitarre
Bob Margolin: Gitarre
„Pine Top“ Perkins: Klavier
Jerry Portnoy: Mundharmonika
Charles Calmese: Bass
Calvin Jones: Bass
Willie „Big Eyes“ Smith: Schlagzeug

Produktion

Johnny Winter

Trackliste

1. I’m a King Bee
2. Too Young Too Know
3. Mean Old Frisco Blues
4. Forever Lonely
5. I Feel Like Going Home
6. Champagne & Reefer
7. Sad Sad Day
8. (My Eyes) Keep Me In Trouble
9. Deep Down In Florida #2
10. No Escape From The Blues

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