Katarina Avbar im SiTi Teater! (2012)
Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik
Ort: Ljubljana / SiTi Teater / Slowenien
Konzertdatum: 23.10.2012
Besucherzahl: 120
Kartenpreis: 15,00€
Bis zu diesem Abend wusste ich nicht, dass der Saal Mercurius und das SiTi Teater über so einen wunderschönen Saal verfügen, der wie geschaffen ist für intimere Zusammenkünfte, die dem Genuss von Konzerten gewidmet sind, bei denen organisch klingende Harmonien regieren, die dem Einsatz von Akustik untergeordnet sind. Viele, die sich an diesem Abend im SiTi Teater befanden, wussten das bis zu diesem Abend ebenfalls nicht, denn auch sie waren zum ersten Mal hier.
Das Konzert der slowenischen Singer-Songwriterin Katarina Avbar, die im vergangenen November ihr Studio-Debüt »Beležnica« veröffentlichte, ist die Ankündigung eines neuen Konzertzyklus, in dem sich auf der Bühne des SiTi Teaters in den kommenden Monaten noch weitere bekannte Namen der slowenischen Singer-Songwriter-Szene sowie andere Künstler, die ihr musikalisches Erbe auf dem ausgiebigen Einsatz von Akustik aufbauen, mit eigenen Kompositionen vorstellen sollen.
Anders als beim Auftritt von Katarina Avbar in der zweiten Maihälfte dieses Jahres im Stari Gledaj mitten im alten Ljubljana fanden wir uns in einer völlig anderen Atmosphäre wieder, die den Besucher mit einem ganz neuen Konzerterlebnis herausforderte – obwohl wir von derselben Künstlerin sprechen. Die weite Bühne empfing das Duo Katarina Avbar und Peter Deklev etwa 20 Minuten nach acht Uhr abends. Erwartungsgemäß eröffneten die beiden Musiker, gehüllt in einen festlichen Vorhang aus dem Widerschein einiger Scheinwerfer an der Decke, den Auftritt mit dem Stück Med besedo in molkom. Schon die ersten vier Stücke reißen mit ihrer Kraft der Arrangements völlig mit – einer exzellenten Kombination aus Melodielinien –, vor allem aber mit der überzeugenden Stärke der ausgearbeiteten, sinnlichen und äußerst subtilen Interpretation der Verse von Katarina Avbar, die im Eröffnungsteil besonders in den Stücken Klobuk – mit außergewöhnlichen Refrainmelodielösungen von Katarina (unter Verwendung eines einzigen Wortes) – und danach in Tja begeisterte, das die Herzen mit seiner zerbrechlichen und feinfühligen Zartheit sowie seinem verhaltenen Sehnen besonders tief berührte.
Den mittleren Teil des Konzerts bereicherte die Ankunft von Schlagzeuger Robert Rebolj und Keyboarder Peter Kocan. Es folgte das wunderschöne Oz, das Katarina Avbar vor der Darbietung kommentierte – sie sprach von ihrer großen Begeisterung für die Filmmusik des legendären Films »Der Zauberer von Oz«. Nach der Oz-Nummer führte das Quartett das Stück V odsotnosti nečesa auf, das als eben erschienene zweite Single des Albums »Beležnica« schließlich auch für Katarina die Tür zur regelmäßigen Rotation im Radio öffnete; das Quartett beschloss das Beisammensein mit den Stücken Sence in prah und danach der ersten Single des Albums »Beležnica« – dem anschaulich-schelmischen Igor, in dem in den Versen Reimwörter auf »Rdeči križ« (Rotes Kreuz) nicht fehlen (genau deshalb erregte Katarina mit diesem Stück Aufmerksamkeit in der »Woche des Roten Kreuzes«)! Das Stück Igor sticht im Repertoire durch eine besonders markant ausgearbeitete dynamische Achse aus dem Kontrastgespann von rhythmischem Gerüst und intensiver Betonung der Verse Katarinas hervor, wobei sich die Sängerin dabei auch des Spiels mit dem ganzen Körper bediente! Das heißt: Katarina nutzt für den Gesang je nach Stücktyp gelegentlich auch den gesamten Körper. Auf diese Weise gewinnen die Verse noch größere Ausdruckskraft, und das geschriebene Wort der Poesie erwacht so auch tatsächlich auf der Bühne in seiner inhaltlichen Greifbarkeit. Genau dieses Element kam im Stari Gledaj, wo wir – mitsamt den Musikern – wie Sardinen zusammengepfercht waren, nicht so stark zur Geltung wie diesmal im SiTi Teater. Katarina ist jedenfalls eine alte Bekannte der Bühnen und kennt das Körperspiel daher sehr gut, das sie geschickt in die Darbietung von Poesie einbezieht – obwohl sie sich in der Rolle der Singer-Songwriterin auf Bühnen erst im letzten Jahr ernsthaft durchsetzt.
Auf das Stück Igor folgte die Fortsetzung des Konzerts im Duo-Format mit Katarina und Peter! Vor dem Stück Ali veste informierte Katarina die Anwesenden darüber, dass der Textautor dieses Stücks Bojan Tomažič sei, und fügte hinzu, dass sie vergessen habe, vor dem Stück Klobuk darauf hinzuweisen, dass auch der Text von Klobuk von einem anderen Autor stammt – nämlich von Aleš Štegar. Im Stück Ali veste bekam Peter dann auch mehr Raum für sein typisches Gitarren-Jonglieren, das dieses Stück unmerklich, aber äußerst geschickt in einem harmonischen, verlängerten Improvisationsbridge in das Stück ALI- Ali führte. Letzteres erforderte noch einen etwas längeren Improvisationseinschub – eigentlich musste Peter hier mit seinem scharfsinnigen Forscherdrang das Stück eben in einen verlängerten Schluss führen, der ursprünglich nicht geplant war. Das Publikum begleitete den Schluss des Stücks mit donnerndem Beifallssturm der Begeisterung, und auf der Bühne erschien wieder Katarina, die während ihrer Abwesenheit ihr Bühnenoutfit vollständig gewechselt hatte. Es folgte Ne reci nič, diesmal ohne Vesna Zornik (Katalena), und eine begeisternd geglückte Interpretation des Duos Katarina und Peter im Stück Somewhere Over the Rainbow, dem allbekannten Evergreen aus dem Film »Der Zauberer von Oz«. Nach dem charmant entspannten Abschlussstück Pesek v oči, als beide theatralisch mit baumelnden Beinen auf dem Bühnenrand saßen, fand die anschauliche Präsentation des noch anschaulicheren Debüts von Katarina – »Beležnica« – schließlich ihr Ende. Zumindest ihr regulärer Teil.
Der Auftritt erhielt donnernde Ovationen, und das Publikum forderte die obligatorische Zugabe. Das Quartett erschien noch einmal auf der Bühne und führte Igor noch einmal in voller Länge auf – beim zweiten Mal erklang es noch lebhafter, mit noch größerem Stimmungskontrast zwischen schwarzem Humor und dem dramatischen Moment. Auch bei der zweiten Interpretation begleitete die Gruppe auf der Bühne die Puppe »Igor«, von der Katarina scherzhaft sagte, man habe bei einer Ausgabe des Festivals Kantfest verkündet, sie erinnere an den legendären slowenischen Singer-Songwriter Jani Kovačič.
Ein herzlicher und intensiv glitzernder Abend, durchtränkt von der anschaulichen klanglichen und emotionalen Palette des tiefen intimen Bekenntnisses von Katarina und ihrer auf dem Album »Beležnica« eingefangenen Poesie, ist letztlich in vollem Umfang aufgegangen. Die große und weitläufige Bühne, der gute Besuch – der folglich auch eine spürbare Energiereaktion auslöste, das exzellente Soundbild im perfekten Gleichgewicht aller Bausteine des Klangbilds, für das Boban – sonst legendäres Inventar des Clubs Orto Bar, gesorgt hat, sind Faktoren, die in der Gesamtbilanz das ausgezeichnete Wohlbefinden von Katarina und ihrer Begleitung mitbestimmten; deshalb erklang das Konzert noch intensiver als im Stari Gledaj und berührte alle Anwesenden durch die Interpretation der Poesie mit dem Bühnenspiel und den Botschaften des Albums »Beležnica« noch stärker, tiefer und noch eindringlicher.
Setlist
- Med besedo in molkom
- Kdaj pa kdaj se zgodi
- Klobuk
- Tja
- Ti in jaz
- Oz
- V odsotnosti nečesa
- Sence in prah
- Igor
- Ali veste
- ALI – ali
- Ne reci nič
- Somewhere Over The Rainbow
- Pesek v oči
—Zugabe— - Igor
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