Jutδr bo moj

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Künstler: Bališ
Label: VERLAG HOANZL
Veröffentlichung: 2004
Bewertung: 3.5/5

Bališ ist eine Rockband aus Kärnten, der wahre alternative Rettungsanker für das slowenische Volk, das nach dem (ach, wie ungern zerre ich die jüngere Vergangenheit ans Licht) berüchtigten Kärntner Plebiszit außerhalb der Grenzen seines unverwirklichten Mutterstaats geblieben ist und zu nichts als dem traditionellen Kulturerbe des Singens und Hörens von Volksliedern verdonnert wurde, die im Lauf der Geschichte der Kärntner Slowenen entstanden sind – ob unter der grünen Linde, in der warmen Bauernstube hinterm Ofen oder im Schweiße des Angesichts hinterm Pflug auf dem Acker, …

Okay, genug gelabert. Bališ verstehen keinen Spaß. Das ist eine verdammt hochwertige Rockband, die eine richtig erotische Mischung aus Rhythm and Blues, Rock’n’Roll und Boogie abfackelt. Drei Gitarren sorgen für diesen genau richtigen, abgewetzt-ledrigen Rocksound, dazu ein exzellenter Gesang, der die ganze Zeit mit vollen Eiern feuert. Die Band zimmert einen harten, soliden Sound, der durchgehend in leidenschaftlichem Rhythm’n’Blues-Drive schaukelt.

Der erste Track ihres neuen Studioalbums, dem zweiten insgesamt, Dohtr, puvej, haut dich direkt in die frühen Siebziger zu so was wie The Spencer Davis Group, natürlich mit moderner, also heutiger Produktion. Die Jungs lieben offensichtlich die Rolling Stones mehr als The Beatles und haben sich deshalb kunstvoll an eine Coverversion von Honkey Tonk Blues der Rolling Stones gewagt, in ihrer ureigenen „Obir-Mundart“ betitelt als Qolqr tolq vime. Aber ist es schon mal jemandem aufgefallen, dass sich Bands im Grunde in zwei Lager teilen lassen: die einen, die eher auf die Rolling Stones abfahren und deren Musik meist auf den klassischen Zutaten des Rock’n’Roll basiert, und auf der anderen Seite die, die The Beatles den Vorzug geben und es meist gern komplizierter machen und lieber mit Noten und rhythmischer Vielfalt um sich werfen (am Ende können dabei auch verschiedene Spielarten von Progressive Rock herauskommen)? Okay, das war jetzt sehr schlampig dahergesagt, aber es ist mir gerade eben eingefallen.

Ja, die Jungs von Bališ haben ihre Verse im Obir-Dialekt schön geschliffen, sie verschlucken schön die Vokale, auch Zischlaute sind kaum zu hören, und die Sprache klingt dadurch enorm melodisch und fügt sich geschmackvoll in den Bališ-Rockausdruck ein. Durch den Gesang klingt sie bei oberflächlichem Hören „auf den ersten Lauscher“ nicht selten wie Englisch. Der ganze Dank geht natürlich an das feine Gespür des Sängers, der überzeugend beweist, dass ihm Rockmusik im Blut liegt, und der die Gesangslinien in den Versen offenbar mit Raffinesse zu legen weiß. Das Tüpfelchen auf dem „i“ sind natürlich die Keyboards, die allen Songs ohne Ausnahme einen zusätzlichen klassischen Rock-Anstrich verpassen, gewachsen auf den Wurzeln der Sechziger und Siebziger! Besonders der Titeltrack trifft voll ins Schwarze, sowohl was den Feinschliff angeht, die solistischen Gitarrenverzierungen und den großartigen, glaubhaft gelebten Gesang, als auch natürlich die beeindruckenden Hammond-B3-Linien. Dass die Band perfekt eingespielt ist und gemeinsam für die Sache atmet, beweist die phänomenale Halb-Ballade N bo me več nazaj. Der Sound ist hier noch mal verdammt schwer und echt, trägt einen richtigen Schmerz in sich, geboren im Mississippi-Delta. Ni več dnarja baby hat den bekannten bleiernen „walking B.B. King blues beat drive“ und wird obendrein von einem Extra an Mundharmonika geschmückt.

Bališ sind also eine ganz eigene Entdeckung auf der Musikszene des Planeten Erde. Rockerisch „auf null“ geschliffen, klar fokussiert und überzeugend konsistent in ihrem Ausdruck. Echte Klassiker mit den Wurzeln in Rhythm&Blues und Rock’n’Roll, die eine richtige Adrenalinhektik und eine ganz eigene Stimmung aus Leidenschaft, ewiger Sehnsucht gebrochener Herzen und kompromisslosem Aufbegehren der Nackten im Sattel entfachen können. Ihr echten Rocker werdet sofort merken, dass Bališ eure Körperhaare ohne Umschweife in einen richtig erregten Erektionszustand versetzen, der so schnell nicht nachlässt!

Besetzung

Lipe – Gesang
Dani – Gitarre
Davo – Gitarre
Helmut – Gitarre
Jozej – Hammond B3 (Orgel), Piano
Izi – Bass
Mare – Schlagzeug

GASTMUSIKER:
Willi Resetarits – Mundharmonika (Songs 2, 5, 10), Gesang (Songs 2, 10)
Polio Brezina – Backing Vocals

Produktion

Helmut Bibl & Polio Brezina

Tracklist

1. Dohtδr puvej
2. Quolqr toq vime
3. Seks, drags, raknrol
4. Nis qoj sam
5. Jutr bo moj!
6. Sam boh bul tajfl ve
7. Nδ bo me več nazaj
8. Qdo te nuca
9. Mi smo z juha
10. Ni več hnarja
11. Naprej
12. nit alan*

* Bonustrack

Spielzeit des Albums: 54.49

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