Jure Lesar : Zemljin sin

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Label: Dallas Records
Erscheinungsjahr: 2018
Produktion: Denis Horvat & Jure Lesar
Albumlänge: 33.03
Genre: Singer / Songwritter


Jure Lesar ist ein Musiker großer Ideen. Mit seinem Debütalbum »Zemljin sin« nimmt er nun die Rolle des Singer-Songwriters an. Sein musikalischer Weg ist untrennbar mit der Band Eskobars verbunden, die mit dem Studioerstling „Eskobars“ (2010) und dem Studiofolgealbum »Ni dovolj!« (2014) auf der slowenischen Rockszene für ordentlich Staub gesorgt haben. Denn es war eine Band, die mit ihrer Arbeit qualitativ Außerordentliches bot und enormes Potenzial zeigte, noch Höheres zu erreichen. Nun, das ist nicht passiert. Eskobars verschwanden in die »Ruhephase«, Jures Kollege Teo Collori begann sich im Gypsy Swing auszuprobieren, Jure Lesar hingegen entschied sich, die Rolle des Singer-Songwriters auszuprobieren. »Zemljin sin« ist damit eigentlich die Fortsetzung einer Geschichte, die am Punkt des Wirkens seiner Band Eskobars ins Stocken geraten war.

Das Album »Zemljin sin« (einen Song mit diesem Namen findet ihr auf dem Debütalbum der Band Eskobars) spiegelt einen außergewöhnlichen künstlerischen Schritt nach vorne in der evolutionären Reifung von Jure Lesar als Künstler wider. In jeder Hinsicht. Als Poet, Komponist, auch als Produzent, wenn man so will. Auf seine musikalischen Talente hat der Kerl beim Komponieren der Musik für Eskobars klar aufmerksam gemacht, »Zemljin sin« aber verschiebt diese qualitative und bekenntnishafte Messlatte noch höher. Obwohl man das Album »Zemljin sin« im Allgemeinen als alternativ-rockige Leistung slowenischer geografischer Herkunft bezeichnen kann, liegt die Grundlage dieser Empfindungen in erster Linie in der vokalen Metrik mit melodischer Vokalführung. Wenn man noch etwas tiefer ins Detail geht, lässt sich unschwer erkennen, dass Jure irgendwo in der Nähe der slowenischen Küste beheimatet ist. Aufgrund der gelegentlich charakteristischen Aussprache (breite E-Laute), was aber auf der anderen Seite dankenswerterweise den eigenständigen Vokalcharakter des Sängers stärkt.

Im Übrigen bietet »Zemljin sin« ein ausgeprägtes Spektrum vieler ideeller Ausrichtungen und große kompositorische Lebendigkeit. Man kann von einem alternativen Rock-Album mit Indie-Note sprechen, das einerseits die Gunst der Radiofrequenzen sucht (Pop-Elemente), gleichzeitig aber von einer äußerst subtilen Ästhetik der Verknüpfung kompositorischer Züge geprägt ist, die dem Album den Charakter der Einzigartigkeit, Besonderheit und Eigenständigkeit verleihen. Daher passt auch die charakterliche (Unter-)Bezeichnung Art Rock.

Die neun Songs, die ihr auf dem Album findet, hat Jure lange, engagiert und beharrlich gefeilt und im Glanz feiner Filigranarbeit zusammengesetzt. Das Ergebnis davon ist ein sehr vollendetes Studioalbum. Es besitzt auch eine ausgeprägt natürliche und organische Klangwärme sowie eine außerordentlich geschickt ausgewogene Balance aller Bausteine der Klanglandschaft, wobei der mit Singer-Songwriter-Prägung versehene Gesang von Jure Lesar vollblütig in den Fokus tritt. Dieser besitzt in der Klangfarbe eine erkennbare Note mittlerer bis tieferer Intonation, begleitet von einem gelegentlich leicht nasalen Charakter (Oči očeta). Jure ist über die Jahre in der Vokalperformance noch überzeugender geworden, der Gesang hat sich etwas verdickt und ist eine Nuance samtiger geworden (Krila ptice). Reifer. Ebenso die Lyrik selbst, die überwiegend persönlich bekenntnishaft und von stark intuitiver Natur ist.

Das Album trägt einige Momente kompakter Rhythmik. Mehrfach lässt sich ein fester und ansprechender Drive nicht überhören, der zum Tanzen einlädt, wie etwa in den Songs Drugačen oder Oči očeta festgehalten. Der Track Zemljin sin II trägt in seiner erweckenden und aufwallenden Glut so manchen Anknüpfungspunkt zur Folk-Musik. Der Hauch der Melodik des slowenischen Istriens hat ihn erfasst, was sich jedoch erst beim mehrmaligen Hören offenbart. Das Album schließt das Kabarett-Chanson Šala ab, und auch in dieser Rolle fühlt sich Jure Lesar außerordentlich wohl und findet sich bestens zurecht. Der Track wäre in einem Duett mit Balladero interessant. In Bezug auf das Genre verdankt das Album »Zemljin sin« etwas Inspiration den Einflüssen des Britpop und Indie Rock der Neunziger, doch das sind flüchtige Orientierungspunkte für den Leser, was er selbst aus der Substanz des Albums »herauslesen« kann. Der Charakter des Albums ist nämlich eigenständig und trägt eine eigene künstlerische Haltung. Der Eröffnungstrack Čisto blizu sanj ist eine hervorragende Einleitung, ein ausgezeichneter einleitender Katalysator. Kurz, aber äußerst subtil gewebt (die Klangkulisse ist außerordentlich voll und reich und weckt ein theatralisches Gefühl von Verträumtheit), führt er den Hörer in eine besondere musikalische Geschichte ein, die vor ihm liegt. Die Tracks tragen eine Steigerung der Stimmung mit einem Crescendo in den Refrainmelodien, wie es besonders eindringlich im Song Krila ptice betont wird. Verspieltheit bringen dem Album einer nach dem anderen die rock’n’rollige Sticheleie Uspešen mož sowie das spielerische und kribbelnde Funky-Akustik-Abenteuer im Song Mestno kolo, wo die Einwürfe der Slide-Gitarre gekonnt den Klangraum füllen, und das bereits erwähnte Oči očeta.

Jure hat die musikalische Landschaft durch die Integration des Klangs von Hammond-Orgeln, Clavinet und sogar Mellotron veredelt, was dem Album einen irgendwie fernen, aber dennoch vertrauten und warmen Beiton des Sentiments der klassischen Rockkultur der Siebziger verleiht, sogar der Zeiten, als The Beatles über den Planeten streiften. Besonders nahe kommt er den zitierten Musikgrößen im intimen Ko zmanjka moči, wo neben der äußerst gefälligen Vokalperformance vor allem der verträumte Charakter des Arrangements der Violinen und des Klaviers übernimmt.

»Zemljin sin« ist ein sehr gutes Album. Daran besteht kein Zweifel. Ideell und arrangiert äußerst gefällig lebendig. Voller prägnanter musikalischer Substanz und überzeugender kompositorischer Züge. Daher entwickelt es sich kontinuierlich dynamisch, wenn es der eigengewachsenen und erkennbaren Charakterkultur der Reifung von Jure Lesar folgt. Es handelt sich also um ein Album, das einen neuen, glänzenden Stein in das Mosaik des slowenischen Rock-Pulses einbringt. Mit seiner charakterlichen Besonderheit und Vollkommenheit nimmt es im verdichteten Raum der slowenischen Musikkünstler einen ganz eigenen Platz ein, voller greifbarer Eigenständigkeit — seine Qualität und Ausgefeiltheit deuten darauf hin, dass Jure Lesar in Zukunft mit Sicherheit noch die eine oder andere äußerst gefällige Fortsetzung der Geschichte vorlegen wird, die er mit dem Album »Zemljin sin« angelegt hat.

Autor: Aleš Podbrežnik
Wertung: 9.0 / 10

Trackliste:
1. Čisto blizu sanj
2. Krila ptice
3. Drugačen
4. Uspešen mož
5. Mestno kolo
6. Oči očeta
7. Ko zmanjka moči
8. Zemljin sin II
9. Šala

Besetzung:
Jure Lesar – Gesang, Akustikgitarre, E-Gitarre, Bass, Slide-Gitarre auf „Krila ptice“ und Čisto blizu sanj, Klavier auf „Ko zmanjka moči“, Hammond auf „Zemljin sin II“, Synth auf „Čisto blizu sanj“, Mellotron auf „Šala“, Backing Vocals
Denis Horvat – Klavier, Hammond, Bassgitarre auf „Mestno kolo“ und „Zemljin sin II“, Clavinet auf „Uspešen mož“, Backing Vocals
David Morgan – Schlagzeug, Perkussion
Zoran Čalić – Slide-Gitarre auf “ Mestno kolo“, E-Gitarre auf „Drugačen“ und „Oči očeta“,
Jan Fanedl – E-Gitarre auf „Ko zmanjka moči“ und „Šala“
Luka Mrdakovič – Bass auf „Drugačen“ und „Šala“
Lucy Passante – Violine und Viola auf „Ko zmanjka moči“
Mitja Rozman – Didgeridoo auf „Mestno kolo“

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