Izhod

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Autor: Aleš Podbrežnik

Künstler: Big Foot Mama
Label: Dallas Records
Erscheinungsjahr: 2012
Laufzeit: 40:53
Wertung: 4/5

Big Foot Mama melden sich nach fünf Jahren mit einem neuen Studioalbum zurück, dem siebten ihrer Karriere, mit dem Namen Izhod. Ein Abstand von fünf Jahren zwischen zwei Alben ist eine lange Zeitspanne, die eine Menge neugieriger Fragen aufwirft. Was ist in diesen fünf Jahren passiert? Was hat der Entwicklungsweg der Band in den letzten fünf Jahren in die musikalische Substanz des neuen Werks eingebrannt? Und so weiter…

Big Foot Mama präsentieren sich mit dem neuen Album in reifem Produktionslicht. Der neue Sound ist im Ton organischer Wärme geschmiedet und stellt das Herzstück nackter Rockigkeit in der richtigen Adrenalin-Dosis heraus, sodass der gesamte typisch unverkennbare Charakter der trivial verdichteten direkten Ausdruckskraft dieser Band gewahrt bleibt, die in ihrem musikalischen Erbe nicht viel Philosophie verträgt. Dazu kommt jene charakteristische Pop-Stimmung, die auf diesem Album erfolgreicher als je zuvor die musikalische Essenz gezielt in Richtung eines »jangle«-Gitarrensounds bringt und mit einer Kombination aus kompakter Melodiösität und rockiger Verführungskraft eine großherzige Offenheit gegenüber dem Radio-Airplay aufrechterhält (Užitek na »replay«, mit unterlegtem Tanz-»Beat« im »Clap-Rock«-Effekt, oder der Song Bruno).

»Izhod« ist im Gegensatz zu dem hedonistisch ausgerichteten Rock-’n‘-Roll-Trubel, den sein Vorgänger »Važno, da zadane« (2007) verkörpert, ein Tick zurückhaltender, persönlich-bekenntnishaft ausgerichtet und tiefer in die Seelen des Quintetts blickend. Es wirkt sogar auf einzelnen Stücken einen Tick düster (Iskra, Pot iz trnja, das akustische und sinnlich zerbrechlich angelegte Kratek stik). Stilistisch bleiben Big Foot Mama dort, wo sie waren, weshalb auch für »Izhod« die allgemeine Erkenntnis gilt, dass dies ein typisches Big Foot Mama-Album von Kopf bis Fuß ist. Das neue Album jagt aber nicht zwingend dem Hit nach, dessen Effekt der Künstlichkeit bei Big Foot Mama in der Vergangenheit sehr störend sein konnte, auch wenn er damit die Seelen der Teenager-Mädchen erfolgreich kaufte. 

Der Sound ist mutig »kondensiert«, wie nie zuvor. Die Kontraste sind klar, die Basslinie pulsiert und reißt in klarer Rhetorik eines unpretentiösen und gefälligen melodischen Nutzens, wie er für den musikalischen Ausdruck von Big Foot Mama gefordert wird.  Gerade die Gitarrenarbeit beweist in den Arrangements und Strukturen der hinzugefügten Verzierungen, dass die Jungs künstlerisch gereift sind. Da ist die Wahl des saftigen Tretens auf dem Wah-Wah-Effekt (in den Übergängen des Songs Smet) sowie eine ganze Menge anderer minimalistischer Ornamente (der »Stereo-Chorus«-Effekt des streichelnden Gitarrenspiels im  Intro des verträumten Pot iz trnja). Pot iz trnja ist ein ernstes, düsteres Stück, das eine mitreißende Melodie im Refrain trägt, wie gemacht für das Konzertrepertoire, ebenso wie für eine Single-Veröffentlichung, und sucht nicht die aufdringliche Eingängigkeit des obligatorischen »Wanna-be«-Hits Ona je samo za mene vom vorherigen Album. Dieser düstere Schleier des Songs Pot iz trnja oder der schlicht ausgezeichneten Opener-Nummer Iskra birgt einige mögliche Parallelen zum Sentiment der »The Cult«-artigen Erotogenität. Die Hauptträger dieser Gefühle sind die Lösungen der Gitarren-Arrangements. Skočirs Stimme hat sich über die Jahre verdickt und gewinnt an interpretatorischer, vielschichtiger Greifbarkeit. Big Foot Mama bewahren auf dem Album »Izhod« auch jenes bekannte Gesicht des Sarkasmus, das sich durch ihre Karriere zieht. So etwa das kitzelig-freche Nor sigurno ne oder gegen Ende das verschmitzt charmante Bruno. An zorniger Wut mit einem hohen Maß an hochoktanigem Lärm mangelt es dem Album natürlich keineswegs (Iskra, Lepa laž, Naj lajajo).

Big Foot Mama sind heute Herren, die musikalisch gereift sind. Inhaltlich bleiben sie triviale Rocker, die keinen Einstein erfinden, es nie getan haben und es nie tun werden. Sie sind ihrer Rock-’n‘-Roll-Frisur treu, die unter den populären slowenischen Bands ihr Erbe am nächsten an die vorkambrischen Klänge des ersten Rock-’n‘-Roll-Exzesses heranbringt, wie ihn einst The Rolling Stones definierten. Natürlich ist all das im slowenischen Prinzip des Verständnisses der Rock-’n‘-Roll-Botschaft gefangen, was die Band Big Foot Mama stets auf einen besonderen Platz im musikalischen Mosaik des slowenischen Mainstreams gestellt hat.

Big Foot Mama bleiben mit dem Album »Izhod« im Mittelpunkt des Rock-Pulses in Slowenien. »Izhod« bewahrt die typischen Grundzüge der Rock-’n‘-Roll-Predigt der Band, wirkt dabei aber ernst, reif und in den Arrangement-Lösungen prägnant sowie abwechslungsreich definiert, wie kein anderes Big Foot Mama-Album bis heute.

Besetzung

Grega Skočir – Gesang
Daniel Gregorič – Gitarre
Zoran Čalić – Gitarre
Alen Steržaj – Bassgitarre
Jože Habula – Schlagzeug

GASTMUSIKER:
Nina Kay – Gesangsduett auf Track Nr. 12
Žarko Pak – Gitarre auf Track Nr. 6
Martin Janežič „Buco“ – Percussion, Hintergrundgesang
Borut Antončič – Hintergrundgesang auf Track Nr. 5
Lea Likar – Hintergrundgesang auf Track Nr. 9

Produktion

Žarko Pak

Trackliste

1. Iskre
2. Slab spomin
3. Tiha voda
4. Smet
5. Pot iz trnja
6. Nor sigurno ne
7. Lepa laž
8. Užitek na „replay“
9. Umazan dež
10. Naj lajajo
11. Bruno
12. Kratek stik

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