In Tenebra

0 7

Izvajalec: Aleph
Založba: Fuel Records
Izid: 2007
Ocena: 1.5/5

Aleph sind eine italienische Band, die es seit etwa zehn Jahren gibt. Das Album „In Tenebra“, das mir in die Hände und auf die Ohren gekommen ist, ist das Ergebnis einer langen Entstehungszeit. So wie die Jahre seit der Bandgründung vergingen, so sind auch die Songs gewachsen. Und es ist schon unglaublich, dass Aleph Progressive-Leute sein sollen, obwohl sie nicht nach Prog klingen und eigentlich auch nicht progressiv spielen. Gebrochene Rhythmen in den Übergängen, Kontrarhythmen zwischen Gitarrenriff und Rhythmusgruppe, ausgedehnte Dialoge zwischen Keyboards und Gitarre und so weiter wirst du hier kaum finden…. Nein. Die Sache läuft etwas anders. Die Songs sind echte Schlangenungetüme, zusammengesetzt aus unzähligen Motiven, was ihnen einen Hauch von Progressivität verleiht. Je älter die Band wurde, desto mehr sind also auch die Songs gealtert – und zwar so, dass die Jungs ihnen Motiv um Motiv angeheftet haben.

Hier werden Elemente verschiedener Musikstile vermengt, von Power Metal über klassischen Speed/Thrash Metal und sogar Gothic-Elemente bis hin zu Death Metal. Das Ganze wird von extremem Gesang überzogen, der brutal keifend über dem Material liegt. Beim nächsten Vergleich werden sich die Verehrer von Chuck Schuldiner sicher auf den Schlips getreten fühlen, aber am Ende der Verse zieht der Sänger in manchen seiner Linien tatsächlich genau in Richtung des erwähnten Death-Metal-Pioniers.

Es wirkt, als hätte die Zeit das Album „In Tenebra“ ein wenig überrollt und als hätte es eigentlich in der zweiten Hälfte der Neunziger erscheinen müssen, als das Verkomplizieren im Metal noch viel angesagter war. Aleph sind technisch hervorragend ausgebildet, und da ist noch etwas. Nicht eine Sekunde lang wirst du einen Hauch von Süßlichkeit finden, die sich heute gern in den italienischen Ansatz einschleicht, alles Mögliche künstlerisch anzugehen. Der Song Dephts bringt auch einen Gastgesang des Sängers mit dem Künstlernamen Scream mit, der in den finster-düsteren Zorn der sonst arbeitswütig aufgedrehten italienischen Fünfer-Truppe eine interessante opernhafte Annäherung an den Gesang von Queensryche-Sänger Geoff Tate einbringt. Den Höhepunkt des Albums „In Tenebra“ kann man, was die motivische Geschlossenheit der sonst so komplizierten Songkonstruktionen der Band und den Vergleich zwischen den Stücken angeht, im Song Mother Of All Nightmares ausmachen. Hier ist das Verkomplizieren noch am besten gelungen. Sonst passiert es oft, dass das Album beim Zerstückeln verwässert. Oft läuft einfach ein aggressiver Riff los, der überzeugt, und du wünschst dir, er würde länger gehen, doch dann stoppen die Jungs plötzlich mit einer verträumten Passage oder irgendeinem motivisch unpassenden Trick, der wegen der geringeren Kompatibilität die hohe Atmosphäre und den roten Faden ruckartig zerschneidet. Kurz: Es ist einfach zu viel von allem. Hier kommt diese italienische Naivität zum Vorschein, die sich im Übertreiben mit Motiven äußert (nicht im „Kitsch“, keine Sorge), außerdem spürt man einen großen Ehrgeiz, sich zu beweisen, was gar nicht unbedingt schlecht ist. Es ist ein Beweis von Selbstbewusstsein, das „In Tenebra“ keineswegs verbirgt. Interessant ist, dass die italienische Version (auf Italienisch gesungen) des Songs The Fallen als Bonustrack am Ende des Albums auf einem viel höheren atmosphärischen Niveau zündet. Sie ist dank der größeren Melodik des Gesangs einfach überzeugender als der Albumopener in der englischen Version. Mit dem brutalen Gesang und dem betont harten „R“ ist der Song ein echter Ohrenschmaus, so wirkungsvoll wird die dramatische Stimmung mithilfe des Italienischen erzeugt!

Den Jungs empfehle ich für die Zukunft weniger Verkomplizieren. Sie haben bewiesen, dass sie mutige, versierte Musiker sind! Auch die Produktion des Albums ist solide. Sauber, klar, aber zugleich scharf zugespitzt. Also etwas mehr Kontrolle, etwas mehr Geiz mit den Motiven und mehr Präzision, damit das nächste Album Hand und Fuß bekommt und den roten Faden hält, vor allem im Sinne von dynamischer Konsistenz und der Konsistenz beim Erzeugen hochdramatischer Stimmungen. Potenzial ist da. Jetzt muss es nur noch richtig gelenkt werden. Action, Jungs!

Besetzung

Dave Battaglia – Gesang, Gitarre
Lorenzo Fugazza – Gitarre
Giulio Gasperini – Keyboards
Antonio Ceresoli – Bass
Manuel Togni – Schlagzeug

Trackliste

1. The Fallen
2. Unfaithful
3. Depths
4. Mother Of All Nightmares
5. In Tenebra
6. The Fallen (italienische Version)*
7. Acid Tears*

*…. Bonustracks

Laufzeit des Albums: 48.19

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Cookies, um Online-Dienste, Werbesysteme und Funktionen bereitzustellen, die ohne Cookies nicht angeboten werden könnten. Mit dem Besuch und der Nutzung der Website stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Akzeptieren Mehr erfahren

Datenschutz & Cookies