Imamo dobro glasbo – Val 08

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Interpret: Various Artists
Label: RTV Slovenija
Erscheinung: 2008
Laufzeit: 66:00
Wertung: 4/5

Eine interessante Sache. Eine Veröffentlichung als Zeichen des guten Willens und der Unterstützung. Durch und durch positiv in jeder Hinsicht, und es war auch längst überfällig. Die Rede ist von der Kompilation „Val 08 – imamo dobro glasbo!“, herausgegeben vom hochverehrten Val 202 selbst – ehrlich gesagt einer der wenigen echten slowenischen Radiofrequenzen, die den Slowenen auch heute noch ein Repertoire mit gesundem Musikgeschmack bietet und die dafür auch wirklich ausgebildete Musikredakteure vorweisen kann. Es geht hier also nicht nur ums Geld, sondern auch um reiches Wissen und Erfahrung. Kurzum eine Garantie für Qualität und deren Kontinuität, der die Slowenen vertrauen können und die in der heutigen Turbo-Flut von Radiofrequenzen noch immer ihr unverwechselbares Ich bewahrt!

Val 202 hat mit dieser CD einigen slowenischen Künstlern, die als Musiker echtes Talent und Potenzial in ihrem eigenen musikalischen Ausdruck besitzen, seine Unterstützung gezeigt. Auf den Aufruf meldeten sich gleich 154 Künstler, und die Jury aus bekannten Radiostimmen – bestehend aus Andrej Karoli, Igor Bašin, Jure Longyka und Jernej Vene – musste unter insgesamt 228 Einsendungen auswählen. In ihren Kommentaren sagten sie, dass das gar nicht schwer gewesen sei, und dass sie vor dem Anhören der Einsendungen bewusst keine Namen gelesen hätten, damit niemand bevorzugt wird. Natürlich blieb die Auswahl im Rahmen des Genrespektrums, das auch die Hörer von Val 202 kennen. Trotz der vielfältigen Genre-Palette werdet ihr hier keinen Heavy-Metal-Angriff, keinen melodischen Hard Rock und auch keine frei avantgardistischen Art- und Prog-Experimente finden. Die meisten Tracks bewegen sich grob im Pop-Bereich (mit verschiedenen Genre-Einflüssen) und auf der Suche nach alternativen Grooves im modernen Rock-Gewand – zwei Rap-Blümchen ließen sich dabei allerdings auch nicht vermeiden.

Wer diese Sache in die Hände bekommt, ist anfangs verwirrt, wenn ihm die Aufgabe zukommt, ein paar Eindrücke davon zusammenzufassen. Bewertet man nun die Arbeit der Jury oder einfach nur die Musik? Wie soll der Wolf satt werden und das Schaf dabei heil bleiben?

Die Arbeit der Jury verdient in jedem Fall Lob. Die Reihenfolge der Tracks auf der Kompilation ist einfallsreich zusammengestellt und läuft im  CD-Player wunderbar flüssig. Das Ganze wirkt entspannt, wie gemacht fürs Hören praktisch in jeder Alltagssituation. An Weihnachtsabenden genauso wie beim zermürbenden Warten im Morgen-Stau, wenn sich die Kolonne wie eine riesige Schlange durch die Ljublaner Einfallstraßen windet (Ich bin echt komisch, dass ich das immer noch nicht genießen gelernt habe?). Die Kompilation hat ein schönes Maß an Dynamik, was auf die hohe Genre-Vielfalt der einzelnen Künstler zurückgeht.

Wenn man sich die Tracks der Kompilation so durchhört, ist es nicht schwer, ein paar allgemeine Wahrheiten über den slowenischen Musikraum festzustellen. Wir Slowenen sind ausgezeichnete Musiker. Aber es passiert uns immer noch zu oft, dass wir zu wenig originell und eigenständig sind. Zu sehr belastet vom Erbe der Großen, besonders der Erfinder des Rock.

Das Album eröffnet eine Reaktion auf das wiederbelebte Niet der Celjer Stranci, die aus der „Abgedroschenheit“ vor allem ein nervöser „Cure-artiger“ Gesang rettet. Eine ähnliche Reflexion auf die Popularität bestimmter Künstler im slowenischen Musikraum, nur diesmal mit Blick auf Dan D, findet sich im weiteren Verlauf in Pridi spet nazaj von Superlizo – die am Ende durch den Wunsch, den passenden „Spur“-Sound des Pearl-Jam-Erbes zu finden, zu Fall gebracht wird. Noch eine Parodie auf Popularität, diesmal in Anlehnung an die Impulse von Da Phenomena, liefert auch Dom za sanje mit dem Song TV Shop Show. Die Abgedroschenheit versteckt sich auch nicht hinter der abgesungenen Funk-Disco-Pop-Eingängigkeit, die DiFaso mit Neishevskischem Gesang bieten.  Auch Orkester družinska sreča erinnert mit dem entspannt leichten Stück Zato te varam, besonders durch den hinzugefügten Klaviatur-Sound, an The Pretenders und deren Back on the Chain Gang. Dann sind da die typischen „Nicht-Slowenen“ Bitch Boys mit einem weiteren typischen Surf-Stück Hit‘ N‘ Run, sehr stark, das die Kompilation zusätzlich aufmischt. The Hand versuchen, aktuell zu sein, indem sie die bierselig zerbrochene Haltung der The Pouges mit  der Fangesang-Aktualität der Kaiser Chiefs kreuzen, wobei die „Slowenischkeit“ dabei wieder mal geopfert wird.

Unter den Tracks, die „besonders“ klingen und durch ihre „Andersartigkeit“ genug Interesse wecken, stechen auf der Kompilation zum Beispiel Jacuzzy & Sausages mit dem Stück Čeveljaza hervor – mit einer raffinierten Kombination aus poliertem „Zeppelin-artigem“ Fundament, über dem eine unterhaltsame stimmliche Interpretation der Verse liegt. Auch das Instrumental 11 von Plueg ist interessant durch die Wiederholung des Grundmotivs, das durch eine schrittweise Steigerung der Atmosphäre kompensiert wird. Wenn man es aber mit dem Stück „Ecletric“ der Jesenice-Band Game Over vergleicht, verblasst es schnell ins schon Gehörte.  Zu den interessanteren Sachen dieser Kompilation gehört auch das Stück Črne strani von Matej Krajnc. Das ist ein typisch slowenischer „Raubein“, mit einem markanten Gesang, der bei den Hörern definitiv nur auf zwei extreme Reaktionen treffen wird! Auf „Liebe“ oder „Hass“. Einen Mittelweg gibt es nicht, aufgrund der Eigenheit des Gesangs wie auch der Interpretation. Das müsst ihr unbedingt checken! Go.Be liefern mit dem Song XP typisch die Bewahrung des Erbes der Lačnih Franzov für die neue slowenische Zeit. Slowenischer geht es kaum. Das „Singer-Songwriter“-mäßig klingende O-di-di von X-Muse, eine organische Klang-Collage aus Jazz-Koketterie mit ethnischen Griffen der „französischen“ Harmonika, wirkt berauschend slowenisch, old-school-traditionell – da kann man nicht danebentreffen. Auf der Kompilation sticht auch Antitransform von Singer-Songwriter Žiga Bižal durch seine interessanten Leitmelodien heraus. Zum Abschluss wurde das traurige, mystisch murmelnde Instrumental Zeleni ples platziert, das von Balkan-Rhythmen getragen wird, über denen sich das Geflecht der Leitmelodien der zentralen Violine des mazedonischen Künstlers Gligor Kondovski entfaltet – phänomenal eingebettet in die Fülle der Struktur der gewählten Arrangements.  

Val 202, hat mit dieser Kompilation den Bereich des gesunden „Mainstreams“ erfasst, der sich nach dem medialen Verstummen von Atomic Harmonic, Freddi Meuller, Čuki usw. irgendwie endlich auch bei uns zu formen begonnen hat. Natürlich können wir nicht erwarten, dass Val 202 anfangen wird, Heavy-Metal- oder Hard-Rock-Genres zu spielen, denn dann könnte sich das Radio auf der Stelle umbenennen. Das können ja andere mit ähnlichen Kompilationen in die Hand nehmen.

Diese Kompilation ist im slowenischen Raum außerordentlich wichtig. Sie erfüllt eines der Grundbedürfnisse dieser verrückten Zeit, in der wir im ganzen Euphoriedruck des Alltags, im Kampf um die eigene Existenz, kaum Zeit zum Atmen finden. Gute Musik den slowenischen Hörern näherbringen und Türen für Musiktalente im Kampf um ausdrucksstarke Wiedererkennbarkeit öffnen. Die Kompilation „imamo dobro glasbo – Val 08“ ist eine Reflexion auf den aktuellen Zustand der slowenischen Unterhaltungs-„Mainstream“-Musik, sie ist ihr Puls. Val 202 hat in unserem Raum Autorität, besitzt Vertrauen, besitzt Tradition. Es ist das Sprachrohr des slowenischen Musikverständnisses. Hoffen wir, dass dieses Projekt der jährlichen Kontinuität verschrieben bleibt und ebenso auf der anderen Seite als Vorbild für ähnliche Medien dient, die sich täglich damit beschäftigen, ihren Hörern Musik zu präsentieren, damit auch sie etwas Ähnliches in Angriff nehmen. Wenn das Geld da ist. Naja, und auch das Wissen.

Trackliste

1. Rdeča raketa (Stranci)
2. Čeveljaza (Jacuzzy & Sausages)
3. Hip hop united (I. Vanish)
4. 11 (Plueg)
5. Pride spet nazaj? (Superlizo)
6. Črne strani (Matej Kranjc)
7. XP (Go.Be)
8. Si to ti (Aynee)
9. Zato te varam (Orkester družinska sreča)
10. Hit’n’run (Bitch Boys)
11. Saturday (The Hand)
12. Tv Shop Show (Dom za sanje)
13. Gospod je prezaseden (Zlatko)
14. Kaj skrivaš (DiFaso)
15. Eno piko zmage (Ela Banda)
16. O-di-di (X-Muza)
17. Antitransform (Žiga Bižal)
18. Zeleni pas (Gligor Kondovski)

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