Hypnose mit Katalena im SiTi Teater (2013)

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Autor: Aleš Podbrežnik
Fotografien: Aleš Podbrežnik

Ort: Ljubljana / SiTi Teater / Slowenien
Konzertdatum: 25.01.2013
Besucherzahl: 220
Kartenpreis: 15,00€ / 18,00€

Wenn die Rede auf musikalisches Experimentieren kommt, das du in das hundertjährige Schema der eingängigen Melodien der slowenischen Volksmusiklandschaft hineinwirfst, findest du kaum einen größeren künstlerischen Überflieger als den, den das Sextett Katalena in der heutigen Zeit bietet. Bereits im zwölften Jahr in Folge. In unveränderter Besetzung  mit Vesna Zornik am Gesang, Polona  Janežič an den Keyboards, Boštjan Gombač an den Blasinstrumenten und der sonstigen Volksmusik-Exotik, Boštjan Narat an der Gitarre, Tibor Mihelič Syed am Bass und Robert Rebolj am Schlagzeug.

Über Katalena ist bis heute viel gesagt worden, und doch ist das Musik, die für sich allein einen Doktoranden braucht. Aber auch das reicht nicht aus, es ist nicht mal der Mühe wert, es zu versuchen. Einfach so. Du kommst ihr nicht auf den Grund. Ihrer Vielschichtigkeit, den unzähligen Nuancen der Klanglandschaft, die sie erschaffen, ist weder Ende noch Grenze zu sehen – und genau das ist die größte Faszination der Energie, die wir Musik nennen und die uns gegeben ist, damit wir sie genießen. Es gibt wenige Bands, die sich mit ihrem scharfsinnigen Arrangierungsgenie eine solche Freiheit in ihrer Welt aus gewachsenem und eigenständigem Artismus erkämpft hätten wie Katalena. Das ist ein Unikat im Weltmaßstab, und das weiß man im Ausland sehr gut – denn Katalena hat in der Vergangenheit auf internationalen Bühnen reihenweise begeistert.

Überhaupt, wenn die Debatte auf das Erschaffen einer eingängig hypnotischen Atmosphäre trifft, die den Zuhörer fest in ihrem Griff packt und in diesem Element übers gesamte Konzert nicht nachlässt. Siti Teater hätte mit seinen ausgezeichneten akustischen Eigenschaften kein passenderer Ort für die Erschaffung dieser Welt sein können.

Zum Auftakt eröffnete das Konzert im vollbesetzten SiTi Teater mit einer großangelegten Kalibrierung der Instrumentalisten. Diese Ungebundenheit der musikalisch experimentellen Plattform bietet das Stück Dež. Ein experimenteller Moment mit Raum, in dem sich die Aktionen an der Grenze des improvisatorischen Abdriftens im Hauch unerwarteter Motivwahl entfalten, die dabei durchgehend angenehm die Hörschnecke kitzeln und reizen. Das ist eine reiche Landschaft aus zarten und unaufdringlichen Nuancen, die Gitarre und Blasinstrumente wechselseitig weiterreichen, während im Hintergrund dieses Intros ein sanfter Balkan-Schleier wacht, dem die aktive Basslinie Organisches und Erdung verleiht.

Beim Stück Shod schleicht sich Vesna Zornik wie ein Mäuschen aus dem Hintergrund auf die Bühne, und das Bühnenkombo der Band ist komplett.  Katalena ist ein Sextett.  Klar, bei Konzerten zieht die vordere Linie Narat-Zornik-Gombač den Großteil der Aufmerksamkeit auf sich, aber du spürst beim Spiel der Band deutlich, dass es sich um die Kohäsion des gleichwertigen Wirkens von sechs Entitäten handelt, die jede für sich ihren eigenen Klangfluss generieren – der in der eklektisch bewegten Zusammensetzung einer einzigartigen Musikform seinen Höhepunkt erreicht. Nimmst du nur eine der sechs Entitäten weg, bricht das Konzept sofort wie ein Kartenhaus zusammen. Jedes Mitglied des Sextetts trägt eine integrale Rolle in der Geschichte von Katalena, und sein Beitrag ist sozusagen essenziell. Anfangs ist Vesnas Gesang im Klangmix etwas zu leise, aber im Verlauf bringen die Techniker auch ihre Stimme auf die richtige Lage.

 Nach einem kräftigen Dosierschub mit Songs des aktuellen  Albums »Noč Čarovnic« in den ersten zwei Dritteln des Konzerts steigerte die Besetzung ihre Show zum Ende hin, und den ersten Höhepunkt im letzten Drittel brachte die Aufführung des Stücks (Rad imel bi) Jabuko, das das Publikum zu diesem Zeitpunkt längst für sich beansprucht hatte. Das Publikum erwachte plötzlich zum Leben und riss sich aus dem hypnotischen Klimax, als es mit spontanem Händeklatschen den Takt des Stücks hielt.  Es folgt älteres Material, aus dem besonders die einmalige Schöpfung Lisica heraussticht, und das Konzert beschließt noch ein Stück aus dem beliebten Album »Kmečka ohcet«, das neu arrangierte Volksstück  Oj božime.

Das Konzert selbst wurde zusätzlich durch das schelmische Gespann Narat und Gombač angeheizt, das sich in den Pausen zwischen den Stücken mit Bühnenhumoresken theatralisch ausließ, die in einen »stand up comedy«-Spektakel gepasst hätten. Vor allem nutzten die beiden Kerle in solchen Momenten schelmischer Hellsichtigkeit ihr schauspielerisches Können, das nun mal ein integraler Teil der Auftritte der Band ist. Besonders ansteckend war dabei der intellektuelle Unterton mancher gezielt verpackter Bonmots aus der aktuellen Alltagswahrheit, die die beiden den nach Brot und Spielen Hungernden im SiTi Teater servierten. Vesna Zornik ist ein Kapitel für sich, und es ist unglaublich, wie geschmeidig, weich und zerbrechlich sie mit ihrer Stimme in der Klanglandschaft schwebt, die die Instrumentalisten aufbauen. Vesna übernahm natürlich den Hauptfokus mit ihrer vielschichtigen Dosis Sensitivität, die besonders in den zartesten Momenten des musikalischen Feingefühls der Konzertdarbietung voll aufflackerte – und diese Momente dabei schwindelerregend in Punkte energischer und durchdringender vokaler Exzesse verwandelte, gewürzt mit einem ausgeprägten Sinn für Theatralik.

Katalena haftet ein Hauch von Avantgarde an, und mit den Jahren reift die Besetzung in diesem Segment nur noch weiter. Der Hauch des unvorhersehbaren Verlaufs ist entschlossen in die Arrangements der Stücke integriert,  wenn sich die Stücke im Hauch einer intelligent genutzten Fusion vieler Genres von Funk, Jazz, Blues, Weltmusik,,… entfalten – genauso beeindruckt dabei der Hauch eines spontanen Geschehensablaufs, der dieser Art von Bühnenshow anhaftet. Lisica, gegen Ende des Konzerts gespielt, ist der Gipfel dieses außergewöhnlichen Zusammenspiels des volkstümlichen Traditionslieds mit dem Dosieren  aktueller Genre-Impulse, die die Sinnesorgane äußerst angenehm kitzeln und dabei mit dem Gefühl des »Unerhörten« aufwühlen – das einleitende Vokalduett von Zornik und Janežič  ist in dieser Hinsicht extrem ansteckend, und das Stück entfaltet sich in der Mitte sogar rockig, wenn Narat auf seinem »F-hole«  Telecaster soliert.  Angesichts von Gombačs frühem Witz, dass Narats Gitarre auch Töne aufnimmt, die die Band nicht braucht, zahlte Narat es ihm während des Konzerts so heim, dass er Gombač mit dem Mikrofon theatralisch reizte, kurz vor seinen Einsätzen bei seinen Soli auf Klarinette, Flöte, Mini-Trompeten, kleinen Saxophonen und sonstigen klingend-exotischen Requisiten.

Außergewöhnliche Chemie, außergewöhnliche Kompaktheit, außergewöhnlicher Fokus. Zahlreiche Konzerte, Jahre gegenseitiger Zusammenarbeit und des Sich-Kennens! Das außergewöhnliche Zusammenspiel hat den SiTi Teater verzaubert, der sich auch nach der Zugabe nur schwer aus dem Taumel befreien konnte. Katalena reift einfach und bestätigt mit ihren Auftritten, dass sie eine der wichtigsten Bühnenattraktionen bleibt, die mit der inhaltlichen Greifbarkeit der musikalischen Botschaft in der Regie eines vollblütigen Theaters  und dem Ertrag an Emotionen eine faszinierende Realisierung eines einzigartigen Musikerlebnisses bietet. Einer ganz eigenen Musikwelt, einer Welt, die die musikalische  Sprache der Band Katalena erschaffen hat.

Setlist

1. Dež
2. Shod
3. Zeleni Jurij
4. St. Lawdič
5. Zvezda
6. Ne orji, ne sejaj – Gizdava
7. Pastirče mlado
8. Ta solbaška
9. Šla bom na goro visoko
10. Noč čarovnic
11. (Rad imel bi) Jabuko
12. Lucija
13. Lisica
14. Komur se dremlje
15. Zrelo je žito
16. Oj božime

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