Höllenwölfe bissen Channel Zero! (2013)
Autor: Rok Klemše
Fotos: Nina Grad
Ort: Channel Zero, Ljubljana
Konzertdatum: 24.09.2013
Der September bedeutet nicht nur Schulanfang und das herbstliche Absterben in Ljubljana – wenn die Touristen weg sind, noch keine Studis da sind und man sich regelmäßig in vernebelten Morgenstunden wiederfindet –, sondern auch den Beginn und das Wiedererwachen der Clubkonzerte. September ist daher auch die Zeit, die Knochen wieder unter Konzertbühnen zu lockern, diesmal vor der Bühne des Channel Zero, wo sich das slowenische Publikum zum ersten Mal dem amerikanischen Speedwolf vorstellen durfte, unterstützt vom heimischen Duo Teleport und Hellsword, die man wegen ihrer ewig gemeinsamen Auftritte kaum noch getrennt voneinander denken kann.
Als Erstes betrat diesmal ein unbekanntes fliegendes Objekt die Bühne – in Gestalt der bereits bekannten Ljubljanaer Thrash-Metal-Kombo Teleport, die sich in ihrer vergleichsweise kurzen Existenz bereits eine beneidenswerte Konzertkilometerleistung erarbeitet hat. Die Jungs haben mit der Präsentation ihrer ersten Demo-Aufnahme Galactic Usurper die heimischen Konzertbühnen abgeklappert, was der Band deutlich anzumerken ist. Die überzeugend dekorierte Bühne mit den obligatorischen Gasmasken und böse leuchtenden Augen ist zur Teleport-Konstante geworden, die den SF-getränkten, progressiv gefärbten Thrash erfolgreich und effektiv aufwertet. Vergleiche mit Größen wie Voivod, Coroner und dem neueren Vektor sind angebracht, doch Teleport nehmen von ihren Vorbildern nur die Form – und klingen dabei nicht wie eine billige Kopie. Das Markenzeichen des Ljubljanaer Quartetts bleibt in seinem Kern europäisch gefärbter Thrash, angereichert durch komplex strukturierte Songs voller unerwarteter Wendungen, gebrochener Rhythmen, schräger Riffs und außerirdischer Griffe. Teleport präsentierten auch einen schönen Haufen neuer Songs, die Zeugnis von ihrer rasanten musikalischen Entwicklung ablegen – es wird wirklich spannend sein zu hören, wie weit ins All die Zukunft die Band noch tragen wird.
Aus fernen Sternbildern und fremden Planeten aber stiegen wir mit der nächsten Band tief hinunter unter die Erde, in finstere höllische Labyrinthe, und der Schwefelgestank breitete sich wie eine Seuche durch den Saal aus. Denn auf die Bühne trat das Ljubljanaer Trio Hellsword, das auf dem höllischen Pfad der Speed/Black-Metal-Pioniere Bathory, Celtic Frost, Venom, Sodom und Destruction wandelt – was nicht unbedingt das Originalste ist, aber verdammt schön, so eine Band zu haben, die nicht herumkompliziert und vor jedem Auftritt wahrscheinlich ein oder zwei Jungfrauen opfert. Das Gespann Teleport und Hellsword ist etwas, das auf unseren Bühnen schon eine ganze Weile herumstapft, diesmal aber kam die Kameradschaft zwischen den Bands noch stärker zum Ausdruck – denn Ironfists Gitarre gab schon in den ersten Augenblicken dem Bösen nach, und Jan Medveds Gitarre aus Teleport sprang zu Hilfe. Trotzdem hatte Hellsword während des Auftritts keine größeren Probleme: Das Trio ist eingespielt und geölt wie Cthulhus Tentakel, und wenn sie auf der Bühne stehen, vermitteln sie das Gefühl, direkt aus einer Zeitmaschine gestiegen zu sein, irgendwo aus dem Jahr 1982, als Leuten wie Schmier, Tom Warrior, Cronos und Lemmy noch die ersten Haare wuchsen. Außer bei Lemmy. Lemmy wurde mit einem Schnurrbart geboren. Trotz der vollständigen »old-school«-Mischung aus Black und Speed Metal, die schon lange nicht mehr originell ist, gelingt es Hellsword, aufrichtig und frisch zu klingen. Die Songs vom Debütdemo Blasphemy Unchained haben sich im Ohr bereits wie Haken aus Hellraiser verankert, die neuen Songs besitzen diese Kraft leider (noch?) nicht. Obwohl die Band auf der Bühne überzeugend wirkte, lässt sich das von den Neuheiten schwerer behaupten – sie wurden ziemlich schnell etwas eintönig und vorhersehbar und erreichen, wie gesagt, den Ruhm ihrer Vorgänger (noch) nicht.
Zum Abschluss bissen sich dann die Geschwindigkeitswölfe aus dem amerikanischen Denver, Speedwolf, in die Bühne – und stellten sich damit dem slowenischen Publikum erstmals vor. Die Amerikaner präsentieren nach wie vor ihren 2011 veröffentlichten Erstling Ride With Death, und tatsächlich nahmen sie uns mit auf eine höllische Thrash/Speed-Metal-Fahrt voller Tod, Blasphemie, Satan und Frauen – das sind die Hauptthemen, über die Reed Bruemmer singt. Der verankerte sich diesmal hinter dem Mikrofonständer, von dem er sich keinen Zentimeter wegbewegte, und verdarb damit mit seiner statischen Performance etwas die energiegeladene, benzindurchtränkte wilde Fahrt seiner Bandkollegen. Leider ist auch das musikalische Bild von Speedwolf nicht allzu originell – sie rollen durch die Songs wie Motörhead auf Steroiden und Speed. Generisch und anderswo schon gehört ist alles – der Lemmy-mäßig grollende Gesang, Rock-’n‘-Roll-Riffs, scheppernder Bass und schnelle Soli. Speedwolf sind damit eine Band, die man sich allenfalls für eine Party anhört. Mit ihrem aufgedrehten und metallisierten Motörhead-Sound hinterlassen sie zwar einen Eindruck, aber was soll’s – das haben wir schon zigmal gehört. Die Amerikaner wirken künstlerisch nicht wie ein rasend schneller Wolf, der in die Nacht heult, sondern wie ein faules Aas, das sich als Rudelführer mit der Arbeit anderer schmückt.
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