His Best
Interpret: Howlin' Wolf
Label: Chess
Veröffentlichung: 1997
Blues in seiner reinsten, ursprünglichsten Form hat wohl nie so roh geklungen wie beim legendären Gebell des großen Howlin‘ Wolf. Der „herzliche“ Chester Burnett wird mit seinem berühmten „Falsett-Jodeln“ für immer als einer der größten und einflussreichsten Bluesmusiker in die Geschichte eingehen. Diese unbezahlbare Sammlung der prächtigsten Glanzstücke des Herrn, die Wolfy unter dem Dach der legendären Chicagoer Blues-Korporation Chess Records herausgejodelt hat, ist ein einzigartiges Musikdokument voller bildhaft gezeichneter Klagen über Wut, Verzweiflung, Paranoia, Einsamkeit und Begierde – allesamt unermüdliche Agitation für die Tatsache, dass Howlin‘ Wolf einer der Besten im Geschäft war.
His Best nimmt Burnetts fruchtbarste Schaffensphase unter die Lupe, die Jahre 1951 bis 1964, als die Schatten von Hubert Sumlin, Otis Spann und, am wichtigsten von allen, Willie Dixon wie Motten ständig um Wolf herumschwirrten. Vor allem Letzterer wird für immer mit der Größe von Wolfs Vermächtnis verbunden bleiben, denn der „immer bescheidene“ I am the Blues Dixon zeichnet für gut die Hälfte aller Howlin-Triumphe verantwortlich, die aber erst durch die schaurige Düsternis von Wolfs Gesangsinterpretation richtig Ausdruckskraft gewinnen, geschöpft direkt aus der Umarmung des Mississippi-Deltas. Damit hat Wolf seinem musikalischen Image in der bunten Chicagoer Blues-Szene der 50er und 60er Jahre schon zu Lebzeiten Ikonenstatus verliehen. Wolfs unverkennbar raue Stimme, angefacht von einem furchteinflößenden Heulen, das weder Gesang noch Jammern war und schon gar keine Mischung aus beidem, regierte nämlich gut vierzehn Jahre lang ungefragt als König über Chicago.
I Asked For Water ist ein herrliches Beispiel für die Kommunikation eines Bluesmusikers, noch dazu eines ziemlich unberechenbaren Kalibers, würdig eines Howlin‘ Wolf: Eingehüllt in einen Schleier aus schwarzem Humor und oft auch selbstkritischem Sarkasmus, bietet sie dem Hörer ein bildhaftes Bild der grausamen Realität, vor der sich die meisten von uns so gern verstecken – und, das ist natürlich das Wichtigste, Wolf denkt bei dieser ausgesprochen direkten emotionalen Hingabe nicht im Traum an Selbstmitleid!! Ein schönes Beispiel für die Hingabe, Herzlichkeit und Schlichtheit des Sängers sind die beiden unvergesslichen Perlen Sitting On Top Of The World und Who’s Been Talkin‘, die dem humorvollen Erotizismus von Howlin‘ For My Darling aber trotzdem nicht ganz das Wasser reichen können. Die Leidenschaften flammen mit dem dreckigen Back Door Man noch stärker auf, der Wolfs Begeisterung dafür symbolisiert, wichtigere Aufgaben von hinten anzugehen, während wir bei den Blueshymnen Spoonful, The Red Rooster, I Ain’t Superstitious und Three Hudred Pounds Of Joy erneut Zeugen der rohen Natur der Delta-Wurzeln werden, deren wilde Rhythmik in Smokestack Lightnin‘ und gruselige Lyrik im unberechenbaren Evil nach ganzen fünfzig Jahren heute beängstigender klingen als je zuvor.
Wenn die langjährige „Symbiose“ von Wolf und Chess Records 1964 mit den einmaligen Built For Comfort und Killing Floor (mit dem großen Buddy Guy an Bord) schließlich unwiderruflich endet, bleibt die Größe von Wolfs Werk offensichtlich. Howlin‘ Wolf ging die Dinge stets mit fester Überzeugung und unaufhaltsamer Entschlossenheit an, die den Blues letztlich weit zurück zu seinen Wurzeln führte, natürlich so direkt wie nur möglich, zugleich primitiv auf der einen und verblüffend modern auf der anderen Seite.
Besetzung
Howlin‘ Wolf: Gesang, Mundharmonika
Willie Johnson: Gitarre
Hubert Sumlin: Gitarre
Buddy Guy: Gitarre
Willie Dixon: Bass
Otis Spann: Klavier
Hosea Lee Kennard: Klavier
Earl Philips: Schlagzeug
Willie Steele: Schlagzeug
Produktion
Howlin‘ Wolf & Willie Dixon
Tracklist
1.Moanin‘ At Midnight
2.How Many More Years
3.Evil
4.Forty-Four
5.Smokestack Lightnin‘
6.I Asked For Water
7.Who’s Been Talkin‘
8.Sitting On Top Of The World
9.Howlin‘ For My Darling
10.Wang Dang Doodle
11.Back Door Man
12.Spoonful
13.Shake For Me
14.The Red Rooster
15.I Ain’t Superstitious
16.Goin‘ Down Slow
17.Three Hundred Pounds Of Joy
18.Hidden Charms
19.Built For Comfort
20.Killing Floor
Spieldauer: 55.51