Hellcats heizen dem Orto bar wieder ein (2013)
Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik
Ort: Ljubljana / Orto bar / Slowenien
Konzertdatum: 22.11.2013
Besucherzahl: 130
Eintrittspreis: 0,00€ (freier Eintritt)
Und dann war er da, der große Tag für die offizielle Präsentation des Debütalbums »Divja pot« (RockLine-Rezension HIER) des ersten gesamtslowenischen Heavy-Rock-/Heavy-Metal-Acts Hellcats – auch in der slowenischen Hauptstadt! Freitag, am Horizont ein Abend mit einer Band von aufregend gutem Ruf und freier Eintritt im geliebten Orto bar! Was war die Folge? Gedränge natürlich! In jeder Hinsicht. Jede Menge bekannte Gesichter aus dem aktuellen und vergangenen Rock-Geschehen Sloweniens. Dazu gereifte Rocker ab 45 aufwärts, schon fast die reinsten „Väterchen“, und natürlich eine Menge potente Rockjugend. Kurz: die tragenden Namen der slowenischen Rockszene, der Musikmedien und natürlich all jene, die auf die eine oder andere Weise voll dazu beigetragen haben, dass Hellcats ihre ersten diskografischen Schritte sicher gehen können.
Interessant ist die Tatsache der lokalen Verteilung der Hellcats-Konzertbesucher. Am wichtigsten dabei: Es mangelt nirgends und nie an Besuchern! In Ljubljana findet sich bei ihren Konzerten stets die im ersten Absatz beschriebene Gesellschaft ein; in Kamnik am 03.10.2013 (RockLine-Konzertbericht von Urban Bolta HIER) kam eine völlig andere Besuchergarnitur, im Schnitt deutlich jünger, verstärkt durch die bekannte Truppe Metalheads aus Kamnik und Umgebung. Alle mögen Hellcats – wir alle. Und warum auch nicht? Nach der Veröffentlichung eines ausgesprochen gelungenen Debütalbums sind die Mädels in eine neue Phase ihrer Karriere eingetreten. Die Zeit des Härtens und des zähen Kampfs um Anerkennung in der Szene liegt hinter ihnen. Das Album »Divja pot« kann vielen slowenischen Rock- und Heavy-Metal-Bands als leuchtendes Beispiel dienen, wie ein beliebiger Song in Sachen Arrangement aufgestellt sein muss, damit er sofort wirkt – deshalb muss man Hellcats von jetzt an ernst nehmen. Das Quartett ist schlicht reifer und erfahrener. Ein Ausdruck davon ist der Inhalt des Albums »Divja pot«.
Die Band betrat die Bühne gegen halb elf und spielte erwartungsgemäß das Debütalbum »Divja pot« in voller Länge. Auch dieses Konzert war der Beweis, dass die Mädels zu einer immer selbstbewussteren Heavy-Rock-Festung heranwachsen, die so leicht nichts mehr aus der Bahn werfen kann. Besonders wirkte die gesamte Darbietung im Vergleich zur Kotlovnica in Kamnik vom 03.10.2013 noch einige Schritte lebendiger und agiler. Vor allem beeindruckte Sängerin Ajda mit ihrer gesteigerten Performance – sie sang das Konzert auf einem spürbar höheren Niveau als in der Kotlovnica. Das heißt nicht, dass in der Kotlovnica irgendetwas falsch gewesen wäre, aber der Unterschied in Hingabe und Erlebnistiefe war deutlich spürbar – und im Orto bar diesmal in jeder Hinsicht überzeugend. Die Bühne des Orto bar ist eben diese echte Intimität eines Clubraums, wo der Kontakt zwischen Publikum und Band besonders intensiv und direkt ist – das gibt der Band bei der Bühnenperformance zusätzlichen Aufwind. Der Auftritt im Orto bar war von diesem Gefühl reichlich getragen.
Den anderen Bandmitgliedern mangelt es nicht an Erfahrung. Alles läuft wie am Schnürchen. Das Rhythmusgespann Saša und Sonja ist verlässlich, fest und kompakt; und die Haltung der wichtigsten Figur im Hellcats-Lineup – der wichtigsten in dem Sinne, dass sie den Großteil der Melodie in den Hellcats-Songs generiert und die Kulisse liefert, in die sich Ajdas Gesang lehnt –, also Gitarristin Katja, ist wieder einmal ein Paradebeispiel dafür, was eine Gitarristin auf der Bühne tun muss, um ihren Job so zu erledigen, wie es sich gehört. Diese ganz eigene »sharp dressed«-Haltung, wunderschön gespielte Soli, Gitarrenphrasen, das Kolorieren von Passagen mit zusätzlichen Ornamenten. Nur eine einzige Sache haute dabei richtig rein. Der Sound. Zu viel Kratzen und Dröhnen!
Vor der Bühne ein Gewühl alkoholdurchtränkter Köpfe! Eng, eng, eng. Wohin man sich auch dreht! Und überall höllisch heiß! So wie es sich gehört, wenn man mit Katzen aus der Hölle abhängt. Höllisches Frittieren ganz ohne Fritteuse diesmal im Orto bar! Eine Veranstaltung, die in jeder Hinsicht aufgegangen ist. Der Besuch war einmalig, die Band in ausgezeichneter Stimmung und auf der Bühne besonders aufgedreht. Wunderbare Chemie im Raum – ein grenzenloser Freitagsabend zum Abschalten also in Sicht! Das Feiern wollte auch nach dem Hellcats-Konzert kein Ende nehmen!
Für Hellcats zeichnen sich also nur schöne Zeiten ab. Mit Stolz und Heiterkeit im Herzen können sie in die Zukunft blicken. Erst recht mit einem so gelungenen Debütalbum in der Tasche. Doch die Mädels müssen sich dabei auch bewusst sein, dass Ausruhen auf den Lorbeeren verbotene Früchte sind. Deshalb müssen sie so schnell wie möglich anfangen, neues Originalmaterial zu kreieren und baldmöglichst aktiv die Aufnahmen des nächsten Studiowerks anzugehen. Die Band bricht demnächst zu einer kürzeren Tournee durch Italien auf. Das wird der echte Test sein, was sie in diesem Moment auch jenseits der slowenischen Grenzen bedeuten. Eine Art Indikator. Eine Art Selbstkontrolle. Die Tournee wird der Band die Antwort darauf geben, was sie in Zukunft noch tun muss und worin sie ihre musikalische Vision bereits verwirklicht hat. Wir wünschen ihr viel Glück.
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