Hardline : Life

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Label: Frontiers Music Srl.
Erscheinungsdatum: 26.04.2019
Spielzeit: 51.01 min
Produktion: Alessandro Del Vecchio
Genre: Melodic Rock / Hard Rock / AOR


Hardline sind eine amerikanische — oder mittlerweile eigentlich, wenn nicht sogar durch und durch, so doch mindestens amerikanisch-italienische Hard-Rock-Band, die mit ihrem unvergesslichen Studiodebüt »Double Eclipse« im fernen Jahr 1992 den Geschmack des Ruhms kennengelernt hat. An diesen Erfolg konnte der Bend danach nie mehr anknüpfen, und kurz nach dem zweiten Album »II« löste er sich für mehrere Jahre auf. Zu Beginn des neuen Jahrtausends reaktivierte Johnny Gioeli als einzig verbliebenes aktives Mitglied der Originalbesetzung die Gruppe, die zwischen 2009 und 2016 drei weitere Alben veröffentlichte. Davon erinnert vor allem das fünfte, »Human Nature« aus dem Jahr 2016, am gelungensten an den künstlerischen Höhepunkt vom Anfang der Karriere. Das neue Album »Life« ist das sechste in der Reihe und reitet geschickt auf den Schwingen des glänzenden Vorgängers.

Johnny Gioeli ist heute im Bereich Melodic Rock einer der fleißigsten und umtriebigsten Musiker, der ständig mit seinem Gesang auf verschiedenen Alben unterschiedlicher Künstler auftaucht. Ob es sich nun um ein neues Studioalbum von Axl Rudi Pell handelt, ein Nebenprojekt wie das jüngst mit Deen Castronovo, oder sogar ein Soloalbum, das Johnny letzten Juli veröffentlicht hat. Für den Fortbestand von Hardline in diesen sehr schwierigen Zeiten für AOR, Melodic Rock und Hard Rock hat sich Gioeli in erster Linie bei den treuen Fans der Band zu bedanken, aber auch bei den Entscheidungsträgern des Labels Frontiers Music Srl., die dafür sorgen, dass Gioeli mit seiner Crew weiterhin sicher durch die Wellen navigiert und die Kasse gefüllt bleibt.

»Life« ist also ein sehr schönes und hochwertiges Produkt. Auf ihm präsentierten sich der Öffentlichkeit zwei völlig neue Mitglieder: Gitarrist Mario Percudani, der seinen Vorgänger Josh Ramos ersetzte (dieser trennte sich von der Band aufgrund von Meinungsverschiedenheiten über die zukünftige musikalische Ausrichtung der Gruppe, Produktionsansätze eingeschlossen), sowie Schlagzeuger Marco Di Salvia, der Francesco Jovino ablöste (Letzterer gilt als Schlagzeuger der Band Primal Fear). In dieser Hinsicht wirken die Nummern auf »Life« deutlich kompakter und entschlossener als auf dem Vorgänger »Human Nature«. Mario Percudani ist überdies ein ausgezeichneter Gitarren-Solist, und der Abgang des ansonsten hervorragenden Ramos hat der Band in keiner Weise geschadet.

Mit Keyboarder, Produzent, Arrangeur, Komponist und nicht zuletzt Backgroundvokalist Alessandro Del Vecchio an der Seite braucht Gioeli rein gar nichts zu fürchten. Auch »Life« besitzt einige außerordentlich eingängige, ansteckende und wohltuend rockklassische Stampfer, die direkt ansprechen und mit jener unglaublichen musikalischen Kompositionskunst punkten, die der vielseitige Del Vecchio zu liefern weiß. In ihnen sprüht und funkelt Gioelis Stimme phänomenal. Diese leicht kehlige, volle, leidenschaftlich brodelnde und zutiefst charismatische Stimme. »Life« lehnt sich natürlich auch an das Studiodebüt an, worauf der extrem zündende Einstiegskatalysator Place To Call Home hinweist, dem energetisch kurz darauf Helio’s Sun folgt, sowie später Out Of Time. Letzterer bringt das Album nach dem etwas blassen und generischen Balladchen Page Of Your Life dankenswerterweise wieder in den richtigen Rockantrieb zurück. Insgesamt wäre »Life« ein noch einprägsames und markanteres Album, wenn es nicht drei Balladchen beherbergen würde, bei denen die Band eher Zeit verschwendet als sonst irgendetwas. Das ist schlicht Recycling, das keine Früchte mehr trägt. Nach so vielen Jahren des Bestehens von AOR und Melodic Rock zündet dieses Prinzip einfach nicht mehr. Es wurde zu oft eingesetzt und abgenutzt.

Die Band hat außerdem Who Wants To Live Forever (Queen) gecovert, das ebenfalls eine Ballade ist, sich als Komposition aber völlig anders entfaltet — charakterlich vollkommen eigenständig und einzigartig. Wenn man diesen Klassiker von Queen mit den drei Eigenkomposition-Balladchen von Hardline auf diesem Album vergleicht, wird sofort klar, dass Vergleiche sinnlos sind und diese drei eigenen Schöpfungen ziemlich blasse Zeitfüller sind.

Ansonsten hat die Band ein hervorragend produziertes Album zusammengestellt. Organisch klingend. Durch und durch konzertreif. Lebendig. Stellenweise nähert es sich dem klassischen Hard-Rock-Sound, dank Hammond-Melodien und exzellentem Zusammenspiel von Lead- und Hintergrundvokalen. Eine interessante Sache für Fans von Whitesnake, den alten Bon Jovi oder Gotthard. Unterm Strich ist »Life« also ein sehr hochwertiges neues Album von Hardline, das an kernigen Rocknummern nicht mangelt — eingebettet sind drei mittelmäßige Balladchen, was dem Produkt aber nicht seinen Kern, sprich seine Glaubwürdigkeit, nimmt.

Autor: Aleš Podbrežnik
Bewertung: 8.0 / 10

Tracklist:
01. Place To Call Home
02. Take A Chance
03. Helio’s Sun
04. Page Of Your Life
05. Out Of Time
06. Hold On To Right
07. Handful Of Sand
08. This Love
09. Story Of My Life
10. Who Wants To Live Forever
11. Chameleon
12. My Friend

Besetzung:
Johnny Gioeli – Gesang
Alessandro Del Vecchio – Keyboards
Mario Percudani – Gitarre
Marco Di Salvia – Schlagzeug
Anna Portalupi – Bass


Hardline – Take A Chance (offizielles Video)

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