Halloween mit Lady’s First! (2007)

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Ort: Club Faraon / Bled / Slowenien
Konzertdatum: 30.10.2007
Besucherzahl: 60
Ticketpreis: 5,00€

Wenn Lady’s First auftreten, weißt du, dass es ein Super-Konzert wird, bei dem sich das Dabeisein lohnt und das jedem Liebhaber harter Klänge direkt in die Seele geht. Lady’s First machen alles selbst. Sie sind Krieger, die an ihre Sache glauben und ganz genau wissen, was sie wollen und was sie tun müssen, um ihren Karren voranzutreiben. Sie sind ihre eigenen Manager, Tontechniker, Lichttechniker und Merch-Verkäufer. Alles in einem. Und das verdient Bewunderung und Respekt. Du bist dein eigener Herr, entscheidest selbst und stehst für dein Tun gerade. Also hoch lebe die Freiheit, die man sich mit blutigen Schwielen erarbeiten muss, die aber jeden einzelnen Tropfen Blut wert ist.

Halloween. Wieder ist überall alles los, so weit die menschliche Fantasie reicht. Seit es den seligen Jugo nicht mehr gibt und die herrschenden Klüngel den amerikanischen Feiertag für streng kommerzielle Zwecke übernommen haben, passieren bei uns an diesem Tag seltsame Dinge. In Podvin ein schlimmer Unfall, Verkehrskollaps – die Schlange vom Abzweig nach Podvin bis ganz nach vorn zum Beginn der Autobahn vor Žirovnica, aus Gorenjska-Richtung, steht komplett still. Draußen pfeift ein kalter Wind und wirbelt das Herbstlaub über die verwaisten Straßen von Bled, während ich im leichten Trab auf den Club Faraon zusteuere. Vor dem Laden treffe ich auf zwei sehr bekannte Gesichter. Miha Oman – Buco, Gitarrist von Lady’s First, der sich gerade eine Zigarette ansteckt, in Begleitung seiner besseren Hälfte, natürlich draußen vor dem Club, damit keine Missverständnisse aufkommen. Kurz nach ihm versammelt sich die komplette Lady’s-First-Besetzung zur Kippe vor Faraons Tür,… Die Uhr rückt auf 23.00 zu. Im Club fängt es plötzlich an zu poltern, ich schlendere nach drinnen….

Auf der Bühne, fast in völliger Dunkelheit, ein Mädel, umringt von drei Jungs. Die Band Spleen. Im Club keine Menschenseele, ein paar Köpfe hockten mit ihren Getränken an den Tischen und wärmten sich in den Ecken. Spleen sind eine interessante Sache für die Jugend. Ein modernes Produkt aus der Kreuzung von Metal-Griffen, streng abgemildert durch alternative Klangimpulse mit verschmiert kreischenden Gitarren und dominantem Frauengesang im Zentrum. Schöne Sache. Vor allem dank der Sängerin, die anderen Jungs sind mehr oder weniger Bühnenstatisten, die aber ein mutiges Beherrschen der technischen Seiten ihrer Instrumente zeigen (Bass, Schlagzeug, Gitarre). Das Quartett Spleen hat durchaus beneidenswerte Voraussetzungen für den Durchbruch. Aber sie werden kräftig in die Hände spucken müssen. Die Band hat darauf aufmerksam gemacht, dass sie ihr eigenes Material live überzeugend rüberbringt. Natürlich gab es während des Auftritts ein paar Missverständnisse bzw. kleinere Patzer, bei denen sich die Bandmitglieder flüchtig anschauten, aber weitermachten, als wäre nichts gewesen. Der Gesang ist stark und charismatisch, und das ist das erste Ass der Truppe. Klar, wenn du ein charismatisches Mädel am Mikro hast, kann sich die Sache im Extremfall verkomplizieren (marktmäßig völlig positiv), und zwar so weit, dass die Sängerin den Rest der Band in den Schatten stellt. Beispiele in der Rockmusik sind bekannt (The Cardigans, Nightwish, Sade, The Pretenders, Blondie,…) . Aber das ist der Preis, und das Risiko lohnt sich. Den Jungs empfehle ich für die Zukunft mehr Bewegung auf der Bühne, und es würde ihnen auch nicht schaden, mehr am Äußeren zu arbeiten, damit sie nicht nur der blasse Schatten des Mädels bleiben (na ja, blass in Bled, das geht noch irgendwie ). Eigenes Material ist also da, und die Band wird die erste Stufe nehmen, sobald sie ein Album veröffentlicht. Spleen brauchen im Moment so viele Gigs wie möglich, um auf ihren Namen aufmerksam zu machen, ihr Selbstbewusstsein auszubauen und als Einheit weiter zu wachsen und die Bande zu festigen.

Diesmal war der Club Faraon sehr, sehr leer. Ich habe alles in allem gute 60 Leute gezählt, inklusive Personal hinter der Theke und der Hostessen. Lady’s First waren wie vor ihnen Spleen gezwungen, auf dieselbe Bühne zu klettern, die gerade mal einen kleinen Scheinwerfer und drei Glühbirnen-Funzeln hatte. Kleine Bühne, wenig Leute. Trotzdem sind die Jungs so rangegangen, wie nur sie rangehen können. Unter der Bühne begrüßte sie eine Gruppe ihrer treuen Anhänger, die der Band die Daumen drücken, seit es sie gibt. Viele Leute drehten vor der Tür zum Club wieder um, als sie hörten, dass der Eintritt 5,00€ kostet und du dafür zwei Getränke gratis bekommst (Verzehrbon). „Was’n das für Modelle, hä?“ Die Bleder Jugend halt, an der Droge der Globalisierung. Ich frage mich, wo an diesem Abend all die „zu lauten“ und in Worten stets so mutigen und klugen Rocker und Metaller waren, um Lady’s First anzufeuern?

Lady’s First haben diesen Sommer ein paarmal in vollem Glanz gestrahlt, bei Weitem am meisten beim Metal Mania Open Air in Komen! Auf jeden Fall ist die Magie eine andere, wenn dich unter der Bühne ein zahlreicheres Publikum erwartet, ein Publikum, das in der Liebe zum metallisch glühenden Geklirre geschlossen vereint ist, wenn du eine größere Bühne hast und mit einer ordentlichen Licht-„Show“ ausgestattet bist. Diesmal blieb das aus. Lady’s First hatten auf der Bühne nur eine Stange zum Gesellschaft Leisten, an der sich sonst Stripperinnen verbiegen, was allerdings zum Bandnamen und ihrem oben weiß gepuderten, aufrecht stehenden Maskottchen passt, auch wenn die Jungs während des Auftritts kein einziges verruchtes Häschen in ihre Klemme bekamen. Immerhin etwas. Youda und Kompanie sind bekannte Tonmeister und haben natürlich wieder für einen hochwertigen Sound des Bühnenauftritts gesorgt, der sie die ganze Zeit begleitete.

Die Jungs haben ihren Auftritt in zwei Teile geteilt. Im ersten dominierte ihr eigenes Material, mit den intensiven Abrissbirnen High Machine, Criminal und The Game im Mittelpunkt. Dazwischen haben sie The Trooper (Iron Maiden) eingestreut, der ein fester Bestandteil ihrer Auftritte ist. Der zweigeteilte Auftritt diente dazu, den Club länger im Nachtleben zu halten, mehr Leute anzulocken und mehr Getränke zu verkaufen. Der erste Teil ist in solchen Fällen jedenfalls immer kürzer und weniger energiegeladen. Als wäre das schon zur Regel geworden. Auch diesmal war es so, und das passt zum Prinzip der Stimmungssteigerung, die zum Schluss ihren Höhepunkt intensiver Energieladung erreichen muss.

Mit dem zweiten Teil, den sie mit dem epischen, bombastischen 911 eröffneten, haben sie das zahlenmäßig überschaubare Publikum (ca. 60 Köpfe) dann wirkungsvoll aufgeheizt. Der erste Alarm für das Hochfahren des Adrenalinspiegels im Blutkreislauf war die interessante Umsetzung des Songs Prazna cesta, der vor allem beim weiblichen Teil des Publikums ankam, der auch den Song Nisi ti im weiteren Verlauf des Konzerts großherzig begrüßte. Dann die Klassiker Hallowed Be Thy Name (Iron Maiden), und das Konzert entflammte so richtig bei der Rage-Against-The-Machine-Coverversion Killing In The Name Of, die die Jungs äußerst wirkungsvoll durchgezogen haben, inklusive Domens Gesang. Diese Energie-Explosion legten sie mit dem Evergreen Motori (Divlje Jagode) noch eins drauf, bei dem es im Publikum besonders durcheinanderging, und beendeten den regulären Teil des Konzerts mit ihrer Standard-Coverversion von Fear Of The Dark (Iron Maiden).

Nach diesem Schlussdreier an Covern waren die Leute so heiß gelaufen, dass sie die Band nicht von der Bühne ließen. Halleluja. Das Lady’s-First-Konzert war also ein Erfolg. Die Leute waren heiß! Domen sagt: „Okay, hauen wir noch eine raus!“ und sie legen witzig los mit der Rock-n‘-Roll-Version von Ko boš prišla na Bled. Es folgt wieder etwas für entflammte Frauenherzen (Sweet Child O‘ Mine, von den unvergessenen Guns N‘ Roses), und ganz zum Schluss holen die Jungs Nejc von Bless The Deaf auf die Bühne, der mit Lady’s First den Marsch Bandiera Rossa von Pankrti sang. Die Band hat unter der Bühne sogar einen „Moshpit“ herausgekitzelt, und einige der wildesten Zappler mussten sich dabei auch mit harten Landungen auf dem Boden abfinden.

Wegen der oben beschriebenen Bedingungen (kleine Bühne, schlechte Bühnenbeleuchtung, vor allem aber zu wenig Leute) spürte man, dass Lady’s First nicht ganz bis zum Anschlag aufs Gas gedrückt haben, am deutlichsten war das beim Gesang zu merken, was allgemein in solchen Fällen nichts Besonderes ist. Er ist eben das exponierteste Element jeder Band und das einzige natürliche „Instrument“ (den Klang erzeugt der Körper selbst), am verletzlichsten, weil er sich nicht hinter Verzerrung und Wah-Wah verstecken kann, wenn der Tag nicht sein Tag ist. Dieser Gedanke heißt „übersetzt“ also nicht, dass Domen während des Auftritts nicht auf völlig optimalem Niveau gesungen hätte, nur diesmal eben ohne überflüssige Schweißtropfen. Buco und Čare schüttelten standesgemäß die Köpfe, Youda hat seine berühmten Soli sorgfältig „abgequietscht“, die beiden Gitarristen sägten synchron Riffs und Terzharmonien herunter, die Jungs haben ihren Auftritt optimal gespielt. Aus einem Guss, kompakt. Das beweist, dass sie einen Grad an Eingespieltheit und Abgestimmtheit erreicht haben, der ihnen die eigene Selbstkontrolle darüber ermöglicht, wie viel Energie sie wo und wann verbrauchen. In dieser Hinsicht sind Lady’s First dank des ständigen Abhärtens auf der Bühne gereift. Es ist ein Jahr her, seit ich die Jungs im Ljubljanaer KUD zum ersten Mal live gesehen habe. Der Fortschritt in der Umsetzung ihres Auftritts ist mehr als deutlich. Und ich garantiere euch: Wo immer sie auftauchen, qualmt es richtig intensiv aus ihrer „fršterkarija“. Also, die Jungs haben für den 24.11.2007 einen bestätigten Auftritt in Besnica, wo es unter dem Taktstock des Getrampels von Lady’s First wieder ordentlich qualmen wird.

Setlist

1. Intro
2. High Machine
3. Criminal
4. The Trooper
5. The Game
6. LF
7. Creeping Death
8. 911
9. Lady
10. Prazna cesta
11. Hallowed Be Thy Name
12. Nisi ti
13. Killing In The Name Of
14. Motori
15. Fear Of The Dark
—Zugabe—
16. Ko boš prišla na Bled
17. Sweet Child O’Mine
18. Bandierra Rossa

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